Freitag, 27. Januar 2012

HERZBLUT - Unkomplizierter und durchgängig unterhaltsamer Krimispaß

Krimi-Rezension von Tanja Werner

Privatdetektiv Alexander Herz würde am liebsten jede freie Minute mit seiner neuen Freundin verbringen. Doch eine Dame der feinen Düsseldorfer Gesellschaft hat ihn damit beauftragt, die Machenschaften jenes Mannes aufzudecken, wegen dem Herz selbst vor Jahren ins Gefängnis musste. 

Bei seinen Recherchen kommt er Kommissar Lohmeier in die Quere, der den grauenhaften Mord an Melanie, einem Teenager aus der düster-sentimentalen Emo-Szene aufzuklären versucht. 

Merkwürdige Bissspuren am Hals des Opfers lassen laut Gerichtsmediziner nur den äußerst überraschenden Schluss zu: Ein Vampir tötet in Düsseldorf. Doch Lohmeier sucht lieber nach einem Täter unter den Lebenden. (Verlags-Info)

Nun gut, so weit der Klappentext und ganz Kölnerin dachte ich erst mal: Na toll, ein Krimi aus DÜSSELDORF. Das kann ja nicht gut gehen. Aber weit gefehlt: Man darf sich von seinem Vorurteilen nicht leiten lassen...

Persönliche Meinung: 
4**** (von 5 möglichen)

HERZBLUT von David Daniel erfüllt alle Kriterien, die ein guter, spannender Krimi braucht. 

Da ist zunächst der Mord an Melanie Langener; fast schon rituell wurde die Tote aufgebahrt und zeigt diese merkwürdigen Biss-Spuren am Hals. Da erwartet der geneigte Leser natürlich eine Serie, aber im Verlauf der Geschichte wird klar, hier geht es um etwas ganz anderes. War der Mord vielleicht nur ein Ablenkungsmanöver?

Ein schwieriger Fall für Kommissar Lohmeier, dem das Ermitteln reichlich schwer fällt, steht doch seine Frau kurz vor der Niederkunft und er hat viele andere Dinge im Kopf. 

Und dann ist da noch der Privatdetektiv Alexander Herz, frisch verliebt, aber dennoch mit Bodenhaftung, versucht auch er mehr über den Mord in Erfahrung zu bringen und gleichzeitig eine alte Rechnung zu begleichen. 

Spannend aufeinander abgestimmte Handlungsstränge, wechselnde Perspektiven und nicht zuletzt der fast schon lockere Plauderton, in dem das Buch geschrieben ist, machen „Herzblut“ zu einem richtig guten Krimi. 

252 Seiten unkomplizierter und durchgängig unterhaltsamer Krimispaß!!

HERZBLUT ist als Taschenbuch (252 Seiten) im KBV Verlag für 9,50 Euro erschienen.

WILSBERG (28.01.12) - Nach der Sendung geht es im Internet (halbherzig) weiter...


Morgen, Samstag, 28.01.12, läuft im ZDF die neue Episode aus der Krimi-Reihe Wilsberg "Aus Mangel an Beweisen", die bereits am Mittwoch auf ZDF Neo gesendet wurde.

Diesmal haben sich die "Mainzelmännchen" an ein interaktives Experiment gewagt und beenden die Episode zwar,  lassen die Folgesich aber im Internet quasi bis zur nächsten Wilsberg-Sendung "weiterentwickeln".

Kern der Aktion ist die von einem (psychisch kranken) Protagonisten, Nils Erdel,  im Krimi  "Aus Mangel an Beweisen" aufgestellte und in Internet-Kreisen als running Gag kursierende "Verschwörungs-Theorie", dass es den Ort Bielefeld gar nicht gebe. Wobei sich diese Frage echten Wilsberg-Fans nicht stellt, da der unerreichte Ekki-Vorgänger  "Manni" bekanntermaßen seinerzeit nach Bielefeld "auswanderte". 

In seinem Blog www.101bielefeld.de sucht Nils Erdel im Anschluss an den Film "Wilsberg - Aus Mangel an Beweisen" nach Hinweisen auf diese Verschwörung. Er ist überzeugt davon, dass es die Stadt Bielefeld nicht gibt. Seine Suche nach Indizien dokumentiert er in kurzen Videos. Die Leser seines Blogs bittet er um Unterstützung, rätselhafte Hinweise zu entschlüsseln und eigene Hinweise zu liefern, die mit der Bielefeld-Verschwörung zu tun haben könnten.

Über drei Wochen steigert sich Nils mit Figuren, die er erst noch kennenlernen wird, in die Verschwörung hinein. Seine Recherchen sollen nicht ungefährlich bleiben für den Verschwörungstheoretiker. Ab dem 26. Januar 2012 werden täglich neue Beiträge Nils' Suche dokumentiert. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen erleben die Leser des Blogs im Film "Wilsberg - Die Bielefeld-Verschwörung" am 18. Februar 2012 um 20.15 Uhr im ZDF und anschließend in der ZDF mediathek. (Quelle ZDF)

So spannend interaktive Aktivitäten im Zusammenhang von Krimi-Serien sein könnten, so simpel und halbherzig wurde diese Idee vom ZDF leider umgesetzt.

Zwar kann man die Beiträge des Blogs twittern und auf Facebook teilen, einen Twitter-Account, dem man folgen könnte oder eine Facebook-Seite, die man "liken" könnte, konnten wir zum Blog jedoch nicht finden. Nicht einmal die Videos wurden auf ein Portal wie Youtube oder Vimeo hochgeladen, so dass man sie auch nicht -wie üblich- in Artikel wie diesen, einbetten könnte.

Dass ausgerechnet, die blassest, psychisch instabile, wirre Figur Nils Erdel der Hauptakteur des Blogs ist, und sich entsprechend chaotisch präsentiert, wird die Zielgruppe der Wilsberg-Fans schnell abschrecken. Andererseits werden derart simpel gestrickte Internet-Aktivitäten jugendliche Onliner wohl nicht zu Wilsberg-Sehern machen, so dass man sich fragt, was diese Aktion des ZDF bewirken soll.

Ganz am Rande: dass man raten muss, wo das Impressum des Blogs sich versteckt, dürfte auf einer Seite des Öffentlich-rechtlichen Fernsehens nicht der Fall sein.

Schade, im Prinzip ist das nämlich eine wirklich gute Idee.

DRIVE - Großstadt-Thriller jetzt im Kino (Trailer)



Seit Donnerstag (26.01.12) läuft der Thriller DRIVE in deutschen Kinos:

Tagsüber arbeitet Driver (Ryan Gosling) als Stuntman für Hollywood. Reine Routine. Erst nachts erwacht der wortkarge Einzelgänger zum Leben, als Fahrer von Fluchtfahrzeugen bewaffneter Einbrüche. Keiner kann ihn schnappen, keiner kann ihm das Wasser reichen.

Dann lernt der coole Driver seine neue Nachbarin Irene (Carey Mulligan) kennen - und verliebt sich in die alleinerziehende Mutter.

Als Irenes Ehemann Standard (Oscar Isaac) aus dem Knast entlassen wird, lässt sich Driver zu einem vermeintlich todsicheren Ding überreden: Mit der erbeuteten Kohle will Standard seine Schulden abbezahlen und Irene eine gesicherte Zukunft bieten. 

Doch alles geht schief. Die Jagd auf Driver und Irene ist eröffnet - wenn es ihm nicht sofort gelingt, den Spieß umzudrehen...

Donnerstag, 26. Januar 2012

WIE DU MIR - Spannender Einblick in den Nordirland-Konflikt der 90er Jahre

Krimi-Rezension von Nora

Belfast, Mitte der 90er Jahre. Der Mord am erfolglosen Kriminalpolizisten Will McCrea soll eigentlich nur Routine sein für IRA-Kämpfer Dally „JR“ Ferguson. Doch der Anschlag verläuft anders als geplant – und plötzlich ist nichts mehr wie es war.

Dally will nicht mehr – er will aussteigen, zurück in sein altes Leben, seine Familie zurückerobern. Will hat den Anschlag überlebt – aber seine junge Frau Jenny ist tot. Entschlossen, ihren vermeintlichen Mörder zur Rechenschaft zu ziehen, wendet sich Will an seinen Freund Hugh, den ehrgeizigen Leiter einer Belfaster Terror-Einheit.

Hughs Plan, Dally als Verräter bei der IRA-Führung zu denunzieren, setzt jedoch eine katastrophale Kettenreaktion in Gang. Zu spät erkennt Will, dass der Preis für seine persönliche Rache mörderisch ist … (Verlags-Info)

Ellen Dunnes erster Roman „Wie du mir“ erzählt vor dem geschichtlichen Hintergrund des Nordirland-Konflikts die Geschichte zweier Kontrahenten, zweier Gegenspieler, die in diesem Konflikt, der 5 Jahre vor dem Karfreitagsabkommen spielt, gefangen sind und diesen sehr authentisch projizieren „Wie du mir“ beginnt im September 1993 und endet im November 1993. 

Persönliche Meinung: 5 ***** (von 5 möglichen)

Die Handlung ist sehr dicht und die Charaktere werden vorbehaltlos eindringlich geschildert. Ellen Dunne vermag es den Leser in die Szenerie zu stellen und wie einen Statisten den Hauptakteuren über die Schulter schauen zu lassen. Der Roman ist sehr spannend geschrieben, verliert sich nicht in Nebensächlichkeiten und überlässt es dem Leser über die Charaktere zu richten, denn die Autorin schreibt wertfrei.

Nichtsdestotrotz geht es um Terrorismus, um Grabenkämpfe vor spießiger Atmosphäre, um Untergrundkämpfe und um Bürger, die mit der Bereitstellung von „sauberen“ Wohnungen diese Kämpfe im Sinne ihrer Ideologie unterstützen. 

Der Geschichte voran gestellt ist eine kleine Übersicht der involvierten Parteien, die mir geholfen hat, den Roman besser und zügiger zu lesen. Jedoch habe ich auch etwas quer gelesen, da mir der Nordirland-Konflikt nicht in Gänze bekannt ist. Es ist nicht erforderlich, aber trug für mich zum besseren Verständnis bei.

Zusammenfassend ist „Wie du mir“ eine Lesereise wert! Der Roman ist sehr spannend und wirkt authentisch, die Charaktere sind interessant und man bekommt einen ausgezeichneten Einblick in den Nordirland-Konflikt zu Beginn der 1990-er Jahre.

WIE DU MIR ist im Eire Verlag als Taschenbuch (540 Seiten) für 14,90 Euro erschienen.

ALDI SÜD - Ab Montag (30.01.12) Kinder-Rätsel-Krimis für 2,99 Euro


Ab Montag (30.01.12) gibt es bei ALDI Süd wieder Kinder-Rätsel-Krimis. Je Buch 50 Ratekrimis. Durchgehend illustriert. Zum Selberlösen, mit Lösungen am Ende des Buches. 
Für Knobelfans von 8–12 Jahren.

Spannende Titel, z.B.:
Was geschah in der Burgruine?
Der unheimliche Magier
Das geheimnisvolle Zeichen

Neue Staffel 2012!

(Quelle: Aldi Süd / Foto:Screenshot)

MUTTERTIER - Hörspiel-Krimi


Der verkorksten Beziehung von Kindern zu ihren Müttern verdanken wir viele grausige Krimis und eine Menge blutrünstiger Psychopathen. Auch der Hörspiel-Krimi am Samstag (28.01.12) im NDR Info um 21:05 Uhr basiert auf diesem ergiebigen Thema: MUTTERTIER von Gabriele Wolff. (wurde zuletzt im Januar 2010 gesendet)

Patrick und Leonie sind seit 20 Jahren ein Paar, das keinen gemeinsamen Alltag kennt. Ein Mal im Jahr leben sie ihre Liebe, eine Woche lang: Das Paradies liegt in einem novemberkalten Nordsee-Kaff. 

Doch nur auf den ersten Blick ist dies eine romantische Liebesgeschichte, denn Leonies Mutter Antonia ist immer dabei. Leonie, Einzelkind, vaterlos, hatte nie eine Chance, ihren Krallen zu entkommen, und Patricks frühere halbherzig geführte Rebellionen gegen das ‚Muttertier’ scheiterten an Leonies Abhängigkeit. Jetzt, mit 55 Jahren, nimmt er den Machtkampf mit Antonia auf. 

Sein Trumpf: Er kennt ihr größtes Geheimnis. Aber dass Antonia ihm immer ein paar Züge voraus sein könnte, hat er nicht bedacht. 

Gabriele Wolff, geboren 1955, lebt als Juristin und Autorin in Neuruppin. Sie schreibt Kriminalromane und -erzählungen sowie Essays zu Karl May. 2004 erhielt sie den Friedrich-Glauser-Preis.

Mit Irm Hermann, Heinrich Schmieder, Johanna Gastdorf u. a. Regie Angeli Backhausen
Produktion WDR 2010 /ca. 54’ 

Mittwoch, 25. Januar 2012

XY DIE WAHRHEIT KOMMT ANS LICHT - Krimi-Hörspiel-Collage



Am Samstag (28.01.12) sendet WDR 5 mit XY - DIE WAHRHEIT KOMMT ANS LICHT um 10:05 Uhr bzw. um 23:05 Uhr eine interessante Hörspiel-Collage (zuletzt im Mai 2011 gesendet)

Es ist Mittwoch, der 24. Oktober 1979, und Schüler Manuel hat einen dringenden Hinweis für Eduard Zimmermanns Freitagssendung "Aktenzeichen XY ungelöst". Es gibt keinen Zweifel mehr: Der Herr Schabeck aus dem zweiten Stock ist ein Verbrecher, vielleicht sogar ein Mörder. Manuels Schulfreund Albert meint das auch.

Die beiden haben den Mann beobachtet und Manuel hat jedes Indiz dokumentiert: "Herr Eduard Zimmermann, Sie müssen nur noch dieses Band abhören, dann kommt die Wahrheit ans Licht." 

Das Hörspiel montiert die fiktive Geschichte von den realen Ängsten der Kinder mit den O-Tönen der berühmten Fernsehsendung, die damals alle Zuschauer bewegte und viele zu eifrigen Privatfahndern machte. Inhaltlich verschmelzen die Bilderwelten von TV-Fahndung und kindlichem Gemüt zu einer tendenziell paranoiden Weltsicht. 

Das ist eine zweifellos kurzweilige Sprachspielidee, die ohne großen Theorievorbau erklärt, wie so etwas wie ‚Medienhysterie’ zustande kommen kann. (Markus Collalti in der Funk-Korrespondenz, 20.11.2009) 

Mit David Reibel, Anton Weniger, Nina Weniger, Michael Evers 

Von Giuseppe Maio XY - Die Wahrheit kommt ans Licht 
Regie: Giuseppe Maio 
DKultur 2009 
Länge: 54:25 Min 

Giuseppe Maio, geb.1970 in Italien, lebt in Berlin. Autor, Regisseur. Radio-Features u.a. I Germanesi (DKultur/WDR 2001). XY – Die Wahrheit kommt ans Licht ist Giuseppe Maios erstes Hörspiel. 


(Quelle Foto: Wikimedia / Author: Sebastian Hartlaub unter Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic)

DER FALL COLLINI (Hörbuch) - Wenn Recht & Gerechtigkeit nicht dasselbe sind...

Autor: Ferndinand von Schirach
Verlag: Osterwold
Auflage: September 2011
Sprecher: Burghard Klaußner
3 Audio CD
ungekürzte Lesung
Preis: 19,99 Euro

Krimi-Rezension von Jörg Völker

Vierunddreißig Jahre hat der Italiener Fabrizio Collini als Werkzeugmacher bei Mercedes-Benz gearbeitet. Unauffällig und unbescholten. Und dann ermordet er in einem Berliner Luxushotel einen alten Mann. Grundlos, wie es scheint. 

"Der Fall Collini" ist der (teilweise) lakonische und spröde Bericht über einen alten deutschen Großindustriellen, der im 2. Weltkrieg in Italien einen Erschießungsbefehl erteilte und nun in einem Berliner Hotel vom Sohn eines seiner damaligen Opfer ermordet worden ist. 

Von vornherein ist der Täter bekannt, aber der Anlass für die Tat wird erst durch die Recherchen des Pflichtverteidigers Leinen aufgeklärt. Die Mordtat wird dadurch endlich verständlich, denn Collini schweigt beharrlich, auch gegenüber Leinen.  

Leinen selbst übt seinen Wunsch-Beruf aus, ist aber mit der Familie des Mordopfers sehr gut bekannt, denn er hatte den Enkel des Toten zum engen Freund und verkehrte jahrelang zuhause bei ihm. Trotz großer Skrupel gibt er sein Mandat nicht zurück, sondern setzt alles daran, eine gute Verteidigung „zu liefern“. 

Wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt, ist durch die von belasteten Juristen mitbestimmte Gesetzgebung der Bundesrepublik Deutschland eine Verjährung für bestimmte Straftäter eingeführt worden, ohne dass die breite Öffentlichkeit davon Notiz genommen hat. An dieser Rechtslage sind die Versuche Collinis gescheitert, sein Opfer durch die deutsche Justiz zur Verantwortung zu ziehen. Zur Weiterverfolgung seiner Rachegelüste sah Collini nur noch den Ausweg der Selbstjustiz. 

Nachdem der Sachverhalt im jetzigen Verfahren soweit aufgeklärt worden ist, begeht Collini Selbstmord. 

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Burghart Klaußner trägt den ungekürzten Text auf seine unnachahmliche Art und Weise vor, die mich persönlich aufgerüttelt und erschüttert hat. Der Werdegang des Anwalts Leinen in seiner Zeit, die geschilderten Kriegsereignisse und der Prozeßalltag und die Recherchen, all dies ließ mich parallel dazu an mein eigenes Leben denken. Ich erinnerte mich wieder an meine Recherchen zu familiären und lokalen Verstrickungen im Dritten Reich und ihre Folgen. 

Dem sehr gelungenen Roman verleiht Burghart Klaußner durch seinen gekonnten Vortrag noch eine bemerkenswerte Steigerung. So sollte lebendige und fesselnde Geschichte und Zeitgeschichte zur Kenntnis gebracht werden. 

Das Hörbuch wird daher von mir mit der Höchstnote bewertet

Dienstag, 24. Januar 2012

KEIN WORT ZU OOSTERBEEK - Krimi-Hörspiel


In der Nacht von Freitag auf Samstag (28.01.12) um 00:05 Uhr heißt es im Deutschlandfunk: KEIN WORT ZU OOSTERBEEK.

Einmal im Jahr trifft sich die Elite aus Westeuropa und den USA abseits der Öffentlichkeit zum Oosterbeek-Symposium. Gemeinsam soll eine Strategie gefunden werden, um den "Internationalen Common Sense" durchzusetzen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind pedantisch, die Verschwiegenheit ist vollkommen.

Bräuning, ein junger Tontechniker, erlebt vor Ort eine Atmosphäre der Überwachung und Angst vor Anschlägen, gleichzeitig aber auch die Unersättlichkeit der Mächtigen. 

Und es gibt keine Möglichkeit, die Öffentlichkeit über die Vorgänge und Beschlüsse zu informieren. Oder doch? 

Das Hörspiel beruht auf Recherchen zu den realen alljährlichen Bilderberg-Konferenzen, auf denen seit 1954 angeblich heimlich weltpolitische Absprachen getroffen werden.

Kompostion: Vredeber Albrecht
Regie: Christoph Kalkowski
Mit Bernhard Schütz, Susanne Bormann, Almut Zilcher, 
Michael Klammer, Axel Wandtke, Thorsten Merten, Daniel Goetsch und John Nijenhuis
Studio elektro-automatisch/WDR 2010/53'05

CODE 1658 - Streckenweise verwirrend & unglaubwürdig

Krimi-Rezension von Dagmar Werner

Sie werden gerädert, enthauptet, geteert und gefedert. Eine Serie brutaler, fast mittelalterlich anmutender Morde sucht Schweden heim. Zugleich steuert ein atomar hoch gerüstetes Schiff auf die Schären vor Stockholm zu. (Verlags-Info)

„Extrem spannend und mit hoch explosivem Hintergrund“ Svenska Dagladet

Diesen  "extrem spannenden" Thriller habe ich leider in diesem Buch nicht finden können. 

Eine mysteriöse Vereinigung mit einer archaisch anmutenden Struktur, die brutale Morde an hochgestellten Persönlichkeiten verübt, bekommt erst ganz zum Schluss des Buches ihren Kurzauftritt. Dass es um "gefährliche Machenschaften internationaler Terroristen" gehen soll, stellt  sich auch als falsche Fährte heraus.

Niklas Ekdal will es nicht so recht gelingen, seine Geschichte packend in Fahrt zu bringen. Es dauert viel zu lange, bis dem Leser die Zusammenhänge deutlich werden und dann ist das Ende des Buches auch schon da. Die vielen verschiedenen Erzählstränge zu einer schlüssigen Geschichte zusammenzufügen misslingt leider. 

In die Handlung verwobene schreckliche Ereignisse wie die Ermordung von Olof Palme, der Untergang der Estonia oder der schreckliche Tsunami in Südostasien wirken nie so ganz glaubhaft und verwirren den Leser noch mehr. 

Hinzu kommen historische Elemente der schwedischen Geschichte, die dem deutschen Leser kaum geläufig sind und vollends Verwirrung stiften. 

Auch die die Hauptfiguren in "Code 1658" können nicht überzeugen: 
Da ist zum einen Felix Martini, der gerade eben seinen Lebensgefährten auf fürchterliche Weise verloren hat, aber bis zum Schluss des Buches nie die Fassung verliert während er darum kämpft, seine Unschuld zu beweisen und den wahren Mörder zu finden. 

Zum anderen die Polizistin Johanna Trott. Auch sie wirkt  in ihrem Handeln nicht glaubwürdig. Ob in ihrer mehr als zerrütteten Ehe oder bei ihrer beruflichen Tätigkeit, man kann diese Handlungen und Denkweisen dieser Frau nicht nachvollziehen. 

Vieles wird nicht schlüssig erklärt, man fragt sich z.B. warum die Nachbarin von Felix Martini, Sara Widman unbedingt helfen möchte und sich dem ganzen Terror freiwillig aussetzt. 

„Code 1658" kann zwar streckenweise durch eine spannende Handlung punkten, jedoch wird der Leser nie vollends hineingezogen in die Geschehnisse dieses Thrillers und immer wieder ausgebremst, weil die Story und ihre Protagonisten insgesamt einfach zu verwirrend und unglaubwürdig sind. Was gerade am Ende des Buches auffällig wird.

CODE 1658 ist als Taschenbuch (448 Seiten) im Verlag PIPER in einer Übersetzung von Susanne Dahlmann für 9,95 erschienen.

PARKER Keiner rennt für immer - Krimi-Hörspiel


Am Freitag (27.01.12) um 22:03 Uhr sendet der SWR2 einen PARKER-Krimi als Hörspiel Keiner rennt für immer. (zuletzt im November 2011 gesendet)

Parker erfährt von einer geplanten Bankenfusion in der Kleinstadt Rutherford. Der Umzug des Barvermögens soll mit vier Geldtransportern durchgeführt werden, von denen nur zwei beladen sind. Ein Komplize weiß, welche beiden Transporter geknackt werden müssen, aber Parker zweifelt an der Vertrauenswürdigkeit des Informanten.

Er hat ein Verhältnis mit der Gattin des Bankdirektors. Außerdem musste Parker zuvor einen Spitzel verschwinden lassen, und nun ist ein Kopfgeldjäger hinter ihm her, der den Verschwundenen sucht.

Ein schwieriger Job für Parker, der für Präzision berüchtigt ist, aber auch dafür, dass er keine Kumpel kennt und kein Erbarmen mit Pfuschern.

Von Richard Stark / Donald E. Westlake
Aus dem Amerikanischen von Nikolaus Stingl
Bearbeitung: Helmut Peschina

Regie: Annette Kurth

Mit: Wolfgang Pregler, Matthias Leja, Matthias Matschke, Jan-Gregor Kremp, Udo Schenk, Christin Marquitan, Wolf-Dietrich Sprenger, Judith Engel und Frauke Poolman

Infos zur kostenlosen Aufnahme von Radio-Sendungen

(Quelle Foto Richard Stark/ Donald E. Westlake: Wikipedia / Autor: Jean-Marie David unter Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert. Namensnennung: I, Dinkley )

RACHLUST - Vom Schicksal geschändeter Seelen...

Krimi-Rezension von Apicula

Zwei nahezu gleichzeitige Bombenanschläge im Herzen von Århus geben Rätsel auf. Nur knapp entgehen Dicte Svendsen und ihre beste Freundin dem Attentat. War es wirklich gegen die umstrittene Bürgermeisterkandidatin der Stadt gerichtet? Erneut sieht sich die Journalistin in einen Mordfall verwickelt, der schon bald machtvolle Interessen offenlegt. Noch dazu führen die ersten Ermittlungen zu Svendsens erst kürzlich aus der Haft entlassenen Sohn und in eine Vergangenheit, mit der sie eigentlich gehofft hatte, abgeschlossen zu haben. (Verlags-Info)

Elsebeth Egholm ist in Dänemark längst ein Garant für Krimi-Spannung. Der Kriminalroman RACHLUST ist bereits der sechste ins Deutsche übersetzte mit der Journalistin Dicte Svendson, als Ermittlerin. Auch in RACHLUST wird die Journalistin mit einem Mordfall konfrontiert und kämpft auch auf privater Ebene mit größeren und kleineren Problemen mit ihrem Partner, Bo, ihrer Teenager-Tochter, sowie einem erwachsenen Sohn, den sie nicht einmal richtig kennt.

Dicte Svendson und ihre Freundin Ida Marie befinden sich in einem Café, als in der Nähe ein Solarium in die Luft fliegt. Zeitgleich explodiert auch das Auto der Bürgermeisterkandidatin von Aarhus. Und das alles an einem 11. September. Klar, dass man da einen Zusammenhang vermutet. Klar, dass es einen Zusammenhang zwischen den Bombenanschlägen geben muss! Aber welchen? Es gibt nur ein Opfer des Anschlags und wie die Polizei bald feststellt, ist auch das vielleicht nur eine Finte.

Es dauert eine schöne – lesenswerte und unbedingt spannende - Weile, ehe die eigenwillige und nicht locker lassende Dicte Svendson einen Zusammenhang herstellt. 

Ihr Gespür, an der richtigen Stelle mit Recherchen (= Ermittlungen) anzufangen ist bemerkenswert. Was man von der Polizei, zu der Dicte auch einen besonderen Kontakt hat, nicht unbedingt behaupten kann. 

Kommissar John Wagner, der Mann von Ida Marie, hat in seinem Team genug Probleme. Eines davon ist Lena Lund, eine neue Kollegin, die er „von oben“ ins Team gesetzt bekommt. Eine junge dynamische, zielstrebige Ermittlerin, die sich sehr eigenartig verhält und die sogar überzeugt ist, dass Dicte Svendson irgendetwas mit dem Fall zu tun hat.

Persönliche Meinung: 5 ***** (von 5 möglichen)

Nicht nur starke, eigenwillige und mutige Frauen spielen in Elsebeth Egholms Kriminalroman Hauptrollen, insbesondere ein geheimnisvoller menschenscheuer Fremder, der eine zurückhaltende Schüchternheit, gepaart mit gewaltiger Verunsicherung ausstrahlt, trägt zur Spannung bei. Ein gelungener, tief tragischer Charakter, der mir in dem Stück freilich am meisten imponiert hat.

Als Leser wird man in diesem Fall lange im Dunkeln gelassen, was das Motiv für die Anschläge betrifft. Je tiefer man in die Geschichte einsteigt, je mehr führt Vergangenes und längst Verdrängtes zu Angst und Schrecken bei den Beteiligten.

Es baut sich zunehmend eine Atmosphäre auf, bei der die bittere Enttäuschung auf die eine oder andere Weise der Protagonisten spürbar dargestellt wird. Was da alles bis zum Ende des Romans ans Tageslicht kommt, dreht einem schier den Magen um. Nicht weil es etwa grausig blutrünstig zugeht, sondern weil man die teils psychisch gestörten oder schwerkranken Protagonisten langsam aber sicher ins Herz schließt – doch dann kommen Wahrheiten ans Licht und es fühlt sich an wie ein Stich mit dem Messer ins Herz. Schlimmer! Das Messer wird dabei noch genüsslich herumgedreht.

Ein empfehlenswerter Krimischmöker, der weniger mit politischen Motiven zu tun hat, als man annehmen könnte, sondern mehr mit dem Schicksal geschändeter Seelen.

Mich hat der Kriminalroman insbesondere gegen Ende schwer mitgenommen.

RACHLUST ist bei atb als Taschenbuch (439 Seiten) in einer Übersetzung von Kerstin Schöps für 9,99 Euro erschienen.

Montag, 23. Januar 2012

DIE WOLKE (Hörspiel) - Beklemmend, dramatisch und ernüchternd!

Hörspiel
Autorin: Gudrun Pausewang

Verlag: DAV
Auflage: Februar 2012
Sprecher: Wolf Frass, Céline Fontanges
1 Audio CD mit 48 Minuten
Preis: 9,99 Euro


Krimi-Rezension von Tanja Werner
„Solange ich lebe, werde ich warnen!“ Gudrun Pausewang 

Was niemand glauben wollte, passiert: In einem deutschen Atomreaktor kommt es zum Super-Gau. Die Behörden versuchen zu beschwichtigen, doch auf den Straßen herrscht Chaos. Über allem schwebt die Bedrohung der radioaktiven Wolke. 

Die 14-jährige Janna-Berta macht sich mit ihrem Bruder auf den Weg, um ihre Eltern zu suchen. Fassungslos muss sie mit ansehen, wie Erwachsene die Katastrophe verdrängen und Politiker sich hinter Ausflüchten verstecken.

Das bewegende Hörspiel zu Gudrun Pausewangs eindringlichem Pladoyer gegen die Atomkraft geht unter die Haut. Dramatik pur, jedoch sehr gefühlvoll umgesetzt.

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

In den 48 Minuten des Hörspiels verliert die Protagonistin dieser Inszenierung alles. Noch keine 15 Jahre alt wird ihre Welt durch die Katastrophe komplett auf den Kopf gestellt. Und sie steht damit nur beispielhaft für viele Tausende, die es ebenso oder noch härter getroffen hat. 

Während der Hörer Janna-Berta auf ihrem traurigen Weg durch und nach dem Gau begleitet, wird schnell klar: so oder so ähnlich würde es wohl ablaufen.

Im Angesicht der Bedrohung werden die Menschen unberechenbar. Jeder ist sich selbst der Nächste, Rücksicht auf Alte, Kranke, Kinder oder gar Schwangere Frauen: Fehlanzeige. Doch fast noch schlimmer ist die Verdrängung. 

Angesichts der noch frischen Ereignisse der Nuklearkatastrophe von Fukushima und der politischen Lage in unserem Land, stimmt dieses Hörspiel wirklich nachdenklich. 

Beklemmend, dramatisch und ernüchternd! 

(Manchmal war mir die 14-Jährige doch ein wenig zu reif und umsichtig, das war etwas unrealistisch)

3 TAGE NORDSTADT - Krimi-Hörspiel (auch befristet als Download)


WDR 1LIVE sendet am Donnerstag um 23:00 Uhr die Fortsetzung des Hörspiel-Krimis 12 STUNDEN HASSEL mit dem Titel 3 TAGE NORDERSTADT:

Thorsten und Dennis sind älter geworden, ruhiger, reifer. Sie ziehen seltener als früher um die Häuser ihrer Gelsenkirchener Nachbarschaft und bauen weniger Scheiße. In drei Tagen wird Dennis volljährig und gilt als jugendlicher Intensivtäter. Es gibt also keinen Grund zu feiern, aber selbst wenn, ist da ohne Kohle nicht viel zu reißen.

So bleibt ihnen nichts anderes übrig, als in die Dortmunder Nordstadt zu fahren und die Schulden einzutreiben. Doch ein alter Kollege aus dem Jugendarrest, die lokale Spielhallenszene, eine undurchschaubare türkische Schönheit und bulgarische Schattengestalten machen ihnen das Leben schwer. Die verbotene Stadt zeigt sich von ihrer rauen Seite und da fällt es gar nicht leicht, ständig cool zu bleiben.

von Philip Stegers und Benjamin Quabeck
Regie: Benjamin Quabeck
Komposition: Lee Buddah
Produktion: WDR 2012
Länge: ca. 55 Minuten
Redaktion: Natalie Szallies

Philip Stegers, geboren 1973 in Dortmund, arbeitet als Filmkomponist, Hörspielautor und Songwriter. Musik veröffentlicht er als „Lee Buddah“. Benjamin Quabeck, geboren 1976 in Wuppertal, lebt in Berlin als Regisseur und Autor. Er drehte u. a. die Kinofilme "Nichts bereuen" und "Verschwende Deine Jugend".

Das Manuskript zu „3 Tage Nordstadt“ wurde gefördert von der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen.

FINGERABDRÜCKE LÜGEN NICHT - Krimi-Hörspiel aus 1968




Am Mittwoch (25.01.12 ) um 20:03 Uhr bzw. Donnerstag (26.01.12) um 21:03 Uhr sendet der BR2 ein Krimi-Hörspiel aus 1968.
Las Vegas: Zwei Polizisten dringen in einen Bungalow ein, in dem die Lehrerin Miss Finch auf ihre Freundin wartet. Die liegt aber tot im Schlafzimmer. Neben ihr eine Schrotflinte. Im Wohnzimmer deuten zwei Gläser und eine Zigarre auf Herrenbesuch hin. 

Ein Mordfall? Miss Finch beginnt parallel zur Polizei mit eigenen Ermittlungen. Ein Mr. Kons bietet ihr gegen 2000 Dollar Informationen an. Dann erscheint der Ehemann der Toten, der eigentlich wegen einem anderen Vergehen in Untersuchungshaft sitzen sollte.

Der in Deutschland relativ unbekannte Stuart Palmer wurde in Amerika ab 1931 mit seiner Hildegarde-Withers-Krimi-Reihe über eine ermittelnde Lehrerin bekannt, die erfolgreich verfilmt wurde. Der Regisseur Edmund Steinberger (1913-2001) inszenierte für den Bayerischen Rundfunk in den Nachkriegsjahrzehnten über 90 Hörspielproduktionen, darunter zahlreiche Krimis.

Mit Edith Heerdegen, Herbert Bötticher, Georg Kostya, Hans Zesch-Ballot, Marlies Schoenau, Uli Steigberg, Christian Marschall, Karine Christian, Ulrich Frank und Alexander Malachovsky
Bearbeitung und Regie: Edmund Steinberger

BR 1968

Stuart Palmer (1905-68), amerikanischer Autor. Krimis, u.a. "The Penguin Pool Murder" (1931), "Die Bruyère-Pfeife" (1957).

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