Mittwoch, 19. September 2012

DAS SCHWARZE KORPS von Dominique Manotti - Paris im Sommer 1944

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Paris, 6. Juni 1944: In Erwartung der deutschen Niederlage fangen Besatzer und Kollaborateure an, ihre Beute in Sicherheit zu bringen. Noch herrschen deutsche SS und französische Gestapo über die Stadt. 

Im Salon der schönen Dora Belle trifft sich die Führung von SS und Wehrmacht mit Vertretern von Industrie, Finanzwelt und Kultur: Gemauschel, Delikatessen, Champagner, Sex. Inspecteur Domecq, Verbindungsmann des gaullistischen Widerstands, muss jetzt sehr geschickt lavieren. Denn nicht nur militärisch steht die entscheidende Schlacht bevor. (Verlagsinfo) 

„Le corps noir“ ist bereits 2004 in der Originalausgabe erschienen und nun endlich auch in der deutschen Übersetzung erhältlich. 

Die französische Historikerin Dominique Manotti, die vor allem für ihre gesellschaftskritischen Kriminalromane bekannt ist, beschreibt in unzähligen Momentaufnahmen den Zeitraum zwischen dem “D-Day“ am 6. Juni 1944, der Landung der Alliierten in der Normandie und dem 25. August 1944, dem Einrücken der Truppen in Paris. 

Deutsche und Franzosen, Spitzel, Kollaborateure, Opportunisten und Karrieristen, sind geeint in ihrem Streben, ihre Haut zu retten und nach dem Krieg wieder auf die Füße zu fallen. Ihr Hauptaugenmerk richtet Manotti dabei auf die Aktionen der deutschen SS in Paris und deren französische Handlanger, die Angehörigen der „Carlingue“, deren Hauptquartier sich in der Rue Lauriston befindet. 

Ihr Anführer Lafont kämpft mit Deslauriers um die Vormachtstellung innerhalb der Organisation, und beide haben zahlreiche Kriminelle um sich geschart, die die schmutzige Arbeit übernehmen und von deren Ergebnissen nicht nur die deutsche Wehrmacht, sondern auch die französischen Kriegsgewinnler aus Industrie, Bankwesen und Politik sowie die großen Schwarzmarkthändler profitieren. 

Und die Angehörigen der Résistance müssen sich, wenn ihnen ihr Leben lieb ist, in diesem Haifischbecken äußerst vorsichtig bewegen. 

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)
als Roman, nicht als Krimi

Meiner Meinung nach ist „Das schwarze Korps“ nicht unbedingt ein Krimi, sondern eher ein historischer Roman, der die Ereignisse einer höchst interessanten Zeitspanne aus ungewöhnlichen Blickwinkeln beschreibt. 

Zwar macht die Vielzahl der handelnden Personen dieses Buch zu Beginn etwas unübersichtlich, aber wenn man sich mit dem historischen Kontext beschäftigt, werden die Beziehungen und Funktionen der Einzelnen schnell klar. 

Sehr hilfreich hat sich beim Lesen die klare Untergliederung in mit einem Datum versehene Einzelkapitel erwiesen, denen jeweils ein wichtiges Ereignis aus diesen letzten Kriegsmonaten zugeordnet wird. Spannende und lehrreiche Unterhaltung.

DAS SCHWARZE KORPS ist gebunden (280 Seiten) als Ariadne Krimi im Argument Verlag in einer Übersetzung von Andrea Stephanie für 17,90 Euro erschienen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.