Mittwoch, 29. August 2012

NULLZEIT (Hörbuch) - Ein Buch übers Tauchen, Täuschen, Lieben und Leben

NULLZEIT
Autorin: Juli Zeh
Verlag: DAV
Sprecher: Britta Steffenhagen
Thomas Sarbacher
4 Audio CD mit 240 Min.
Preis: 19,99
Krimi-Rezension: Dani Nimz

Eigentlich ist die Schauspielerin Jola mit ihrem Lebensgefährten Theo auf die Insel gekommen, um sich auf ihre nächste Rolle vorzubereiten. Als sie Sven kennenlernt, entwickelt sich aus einem harmlosen Flirt eine fatale Dreiecksbeziehung, die alle bisherigen Regeln außer Kraft setzt. Wahrheit und Lüge, Täter und Opfer tauschen die Plätze. 

Sven hat Deutschland verlassen und sich auf der Insel eine Existenz als Tauchlehrer aufgebaut. Keine Einmischung in fremde Probleme - das ist sein Lebensmotto. Jetzt muss Sven erleben, wie er vom Zeugen zum Mitschuldigen wird. Bis er endlich begreift, dass er nur Teil eines mörderischen Spiels ist, in dem er von Anfang an keine Chance hatte. (Verlagsinfo) 

Die Nullzeit ist ein Begriff aus dem Tauchsport und bezeichnet die Zeitspanne, in der man ohne Dekompressions-Zwischenstopp auftauchen kann. Dieser und viele andere Begriffe aus dem Tauchervokabular begleiten uns durch den Psychothriller von Juli Zeh. 

Es ist ein Buch übers Tauchen, übers Täuschen, übers Lieben und übers Leben. Dazu kommt ein kräftiger Schuss Gesellschaftskritik. Der Begriff Kammerspiel beschreibt es sehr passend, denn abgesehen von gelegentlichen Kurzauftritten einer knappen Handvoll Randfiguren bestreitet das Trio die Handlung weitestgehend allein. 

Das Buch beginnt, als Jolante, Theo und Sven auf der Insel ankommen. Schon nach den ersten paar Sätzen klingt durch, dass einer der beiden diese möglicherweise nicht mehr lebend verlassen wird. Fragt sich nur, wer wen auf dem Gewissen haben wird. 

Erzählt wird die Geschichte aus zwei Perspektiven. Sven schildert seine Version der Geschehnisse und Jolas Tagebuch bildet das Gegengewicht. Beide berichten von den gleichen Ereignissen und die Versionen unterscheiden sich anfangs nur leicht, und ich musste auch zu Beginn eine Passage nochmals hören, um zu glauben, was ich da gehört hatte. 

Später werden die Unterschiede dann aber immer deutlicher und man fragt sich unwillkürlich, ob Jola ein Problem mit der Realitätswahrnehmung hat oder ob da doch mehr dahintersteckt. 

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Ich habe in letzter Zeit sehr viel an der Qualität der Sprache in Kriminalromanen gemäkelt. Es heisst ja, man soll die Hoffnung nicht aufgeben und ich wurde belohnt! Die sprachliche Perfektion dieses Werks zieht einen gleich zu Beginn komplett in den Bann. 

So schön formuliert, so unglaublich griffig die Metaphern, so ungewöhnlich die Gedankengänge und Sätze - dieses Buch ist purer Genuss. 

Ein weiterer Pluspunkt ist die Wahl der beiden Sprecher Britta Steffenhagen und Thomas Sarbacher. Mit Thomas Sarbacher und Britta Steffenhagen hat man ein Schauspieler-Duo gefunden, das hervorragend miteinander harmoniert. Großes Hörkino, vielen Dank dafür. 

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