Freitag, 6. Juli 2012

VERBLENDET - Unblutig, kurzweilig, jedoch mit ein paar Glaubwürdigkeitsschwächen

Krmi-Rezension von Biggi Friedrichs

Als bei Roy, einem berühmten Bildhauer, Lungenkrebs diagnostiziert wird, weiß er, dass seine Tage gezählt sind. Aus Eitelkeit heuert er einen jungen Hacker an, um herauszufinden, ob die New York Times schon seinen Nachruf fertig hat. 

Bei der nicht ganz legalen Recherche findet Roy Ungeheuerliches über den Tod seiner Frau heraus. Bei seinen Nachforschungen stellt er schnell fest, dass er sich in ein bedrohliches Labyrinth aus Täuschung und Lüge begeben hat ... (Verlags-Info)

Der Leser erlebt in diesem Thriller mit, wie Roy, ein erfolgreicher Bildhauer und Hobby-Hockey-Spieler an unheilbarem Lungenkrebs erkrankt. 

Neugierig und mit Sinn für schwarzen Humor, möchte Roy wissen, ob sein Nachruf von der New York Times bereits verfasst wurde. Mit Hilfe eines jungen Hackers kann er ihn tatsächlich lesen. Dort steht, dass seine verstorbene Frau bei den Vereinten Nationen gearbeitet hat und nicht, wie er glaubte, beim Hobbes Institut. 

Roy beginnt nachzuforschen, hat dafür wenig Zeit, da ihm sein Arzt ihm keine günstige Lebensprognose gestellt hat. Er wird jedoch in eine Studie, in der Dr. Chu ein neues Medikament testet, aufgenommen. Diese Therapie scheint bei Roy Wunder zu wirken. 

Er fühlt sich fit, benötigt kaum Nahrung und beginnt als eine Art "Superheld" mit seinen Nachforschungen. Nur zwischen den Therapien erleidet er ab und an einen Schwächeanfall. Sehr schnell stellt er fest, dass diese Nachforschungen bei einigen Personen nicht sehr gerne gesehen sind. 

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

Peter Abrahams gelingt es, in diesem sehr spannenden und flüssig erzählten Psychothriller den Leser von der ersten Seite an zu fesseln und das ziemlich unblutig. 

Sehr interessant fand ich die Hauptperson Roy, der uns teilhaben lässt am Entstehungsprozess seiner Kunstwerke, der seine Krankheit ziemlich gefasst und mit schwarzem Humor aufnimmt und der alles daran setzt, herauszufinden, was mit Delia, seiner verstorbenen Ehefrau wirklich passiert ist.

Roy lässt uns in die Vergangenheit blicken, in der Deila ab und an mysteriöse Hinweise über ihre berufliche Tätigkeit fallen ließ,   Bemerkungen, die Roy nie hinterfragte. Hier war der Protagonist recht naiv, was man ihm aber abnimmt, da er Delia wohl sehr geliebt hat. Deshalb passt der Titel "Verblendet" ganz gut. 

Worüber ich großzügig hinweg sehe ist, dass Roy, nachdem er seine Medikamente von Dr. Chu erhalten hat, ziemlich fit wird und zu einer Art Superheld ohne großes Schmerzempfinden, ohne Schlafbedürfnis und ohne Nahrung zu sich nehmen zu müssen, mutiert. 

Für mich ist das nur insoweit glaubwürdig, als es sich um eine neue Therapieform handelt. Ab und an lässt uns der Autor zweifeln, ob Roy die ganzen Geschehnisse wirklich erlebt hat, oder ob das Einbildungen sind, hervorgerufen durch die Medikamente, die er während seiner Therapiephasen nehmen muss. 

Hier kann jeder Leser selbst herausfinden, ob die ganze Geschichte Wahrheit oder Einbildung von Roy ist. Für diesen gelungenen, kurzweiligen Psychothriller, der gewürzt ist mit einem Schuss schwarzen Humor, vergebe ich 4 Sterne.

VERBLENDET ist als Taschenbuch (416 Seiten) bei Knaur in einer Übersetzung von Frauke Czwikla für 9,99 Euro erschienen.

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