Freitag, 27. Juli 2012

DER STILLE SCHREI - Spannendes Duell zwischen Mann und Frau

Krimi-Rezension von Petra Querfurth

„Karl verzog das Gesicht. Ich konnte es in der Dunkelheit kaum erkennen und leuchtete ihm mit der kleinen Taschenlampe meines Schlüsselanhängers ins Gesicht. Es sah so aus, als ob er schreien wollte, er brachte aber nicht einmal ein flüstern heraus. Er bewegte die Lippen. Seine Augen, auf einmal ängstlich und milde geworden, versuchten, mich näher an sich heranzuholen. 

Ich widerstand meinem ersten Impuls, mich ihm zu nähern. Wenn er nur simulierte? Er hatte Bärenkräfte. Bekam er mich erst in seine Finger, war es um mich geschehen. Er würde mich erwürgen, mir das Genick brechen. Nein, ich konnte ihm nicht vertrauen. (Verlagsinfo)

Claudia Röder lebt mit ihrem Mann Karl, einem erfolgreichen Geschäftsmann, in Burgjoss im Jossgrund. Die Spessart-Idylle ist für Claudia aber längst zur Hölle geworden. 

Schon in der Hochzeitsnacht entpuppt sich Karl als brutaler Schläger und Psychopath. Verzweifelt und jeglichen Selbstvertrauens beraubt beginnt sie ein Lauftraining. Ohne es zuerst überhaupt zu ahnen, läuft sie um ihr Leben. 

In langen Trainingseinheiten im Spessart gewinnt sie mit jedem Schritt mehr und mehr die Kontrolle über ihr Leben zurück. Aber da ist noch Karl, wie kann sie ihm entrinnen. Claudia ersinnt einen Plan... 

Persönliche Meinung: 4,5 Sterne (von 5 möglichen)

"Der stille Schrei" ist ein Psychodrama, schnell, spannend und raffiniert. Leon Specht legt in seinem Debüt-Kriminalroman sein Augenmerk nicht so sehr auf die Tat und den Täter. Er beschreibt wie Claudia versucht, ihrer alltäglichen Hölle zu entkommen. Es ist ein Duell zwischen Mann und Frau, zwischen Täter und Opfer. 

Leon Specht beschreibt sehr eindrücklich ein Leben zwischen Angst, Hass, Abhängigkeit und Gewalt. Er beschreibt, wie Claudia sich Schritt für Schritt “ frei-rennt „ und Selbstbewusstsein und Stärke wiedererlangt. 

Obwohl der vorliegende Roman ein schmales Bändchen von nur 148 Seiten ist, gelingt es Leon Specht sehr gut, die Emotionen wie Angst und Verzweiflung, aber auch die aufkommende Hoffnung glaubhaft zu schildern. 

Es sollen noch zwei weitere Spessart-Krimis folgen. Ich freue mich darauf. Leon Specht heißt mit bürgerlichem Namen Hans-Jürgen Breuer und ist bereits ein erfolgreicher Sachbuchautor.

DER STILLE SCHREI ist gebunden (148 Seiten) im Verlag B3 für 16,90 Euro erschienen.

Anm. KK: Das dem Gemälde "Der Schrei" von Edvard Munch nachempfundene Cover finden wir nicht so geglückt und empfehlen wieder mal: Don't judge a book by its cover.

Kommentare:

  1. Ein tolles Buch! Die schnelligkeit und die raffinesse sind beeindruckend. Zwei Stunden und das Buch war fertig gelesen.

    Bitte mehr!!!

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  2. Wahnsinn! Ich bin begeistert. Ich hoffe das es bald einen zweiten Teil gibt.

    Seit diesem Buch bin ich begeisterte Läuferin und beginne nun meine 30igste Trainingseinheit im Joggen/Laufen.
    Ein tolles Gefühl, wie im Buch: "In die Freiheit laufen".

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