Samstag, 2. Juni 2012

NUR EIN TOTER MEHR - Melange aus Parodie & Detektivstory mit historisch-politischen Elementen

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Getxo, 1945, Nachkriegszeit. Krimis sind Sancho Bordaberris große Leidenschaft. Chandler, Hammett & Co. Betet der junge Buchhändler an. Und er eifert ihnen selbst auch nach – sechzehn Krimis hat er schon verfasst, aber keiner wurde von einem Verlag bisher für gut befunden; es fehle ihnen an Realismus. 

Als Sancho deshalb eines Tages frustriert das letzte Manuskript dem Meer opfern will, fällt sein Blick auf eine Klippe. 10 Jahre zuvor fand man dort die zwielichtigen Altube-Brüder. An einen Metallring festgekettet, war einer bereits ertrunken, der andere konnte gerade noch gerettet werden. Ein "Cold Case", der wegen des Bürgerkriegs ungelöst blieb: perfektes Buchmaterial für Sancho! (Verlagsinfo)

Und so nimmt das Projekt "Ich schreibe einen realistischen Krimi in der Tradition der großen Klassiker" seinen Anfang. Sancho ändert seinen Namen in Samuel Esparta, in Anlehnung an Sam Spade (dessen literarischer Vater Dashiell Hammett ist), und macht sich gemeinsam mit seiner mittlerweile erblondeten Sekretärin Koldobike an die Ermittlungen, die er akribisch protokolliert.

Pinilla, einer der bekanntesten Gegenwartsautoren aus dem spanischen Baskenland, hat mit diesem Buch eine unterhaltsame Melange aus Parodie und Detektivgeschichte mit historischen / politischen Elementen geschrieben. Der Autor versteht sein Handwerk und spielt gekonnt mit den literarischen Gattungen.

Persönliche Meinung: 4,5 Sterne (von 5 möglichen)

Die Hauptfigur ist diesmal kein "Privatschnüffler", sondern ein kleiner Buchhändler mit literarischen Ambitionen, der einmal in die Fußstapfen seiner Helden treten möchte und nicht ahnt, dass er damit Ereignisse ins Rollen bringt, die den Alt-Faschisten aus der Franco-Ära überhaupt nicht gefallen. Den besonderen Reiz erhält dieser gut komponierte Krimi durch die gekonnt eingesetzte "Buch-im-Buch"-Geschichte.

Der mir bis dato unbekannte Autor fängt den Zeitgeist dieser Zeit gekonnt ein, schafft eine stimmige Atmosphäre und erzählt spannend, teilweise lakonisch, aber immer mit einem Augenzwinkern die Geschichte seines Protagonisten, der unversehens in einem Fall ermittelt, der Ausmaße annimmt, die seine Vorstellungskraft und Erwartungen um einiges übersteigen. 

Wie schon Dashiell Hammett seinen Protagonisten in „Der dünne Mann“ sagen lässt: „Wenn man zwei und zwei zusammenzählt, ist das Problem, dass man manchmal vier und manchmal zweiundzwanzig bekommt“.

Anm. KK: Und erneut ein Vogel im Vordergrund des Covers. Nun, wenigstens darf dieser leben.

NUR EIN TOTER MEHR ist als Taschenbuch bei dtv in einer Übersetzung von  Stefanie Gerhold  für 14,95 Euro erschienen.

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