Montag, 11. Juni 2012

EIN SCHMUTZIGES GESCHÄFT - Ruhiger Krimi mit einem allzu rechtschaffenen Ermittler

Krimi-Rezension von Tanja Werner

Spero Lucas ist fest entschlossen, sein Glück zu machen. Seit seiner Rückkehr arbeitet der Kriegsveteran als Privatermittler für einen Anwalt. Er hat eine Nische entdeckt: das Aufspüren verlorener Gegenstände – schnell und ohne Fragen zu stellen. Sein Anteil beträgt 40 Prozent. 

Der in Haft sitzende Drogenboss Hawkins engagiert ihn, ein verschwundenes Päckchen Marihuana wiederzufinden und zu klären, wer seine Geschäfte manipuliert. Lucas’ bis- her größter Auftrag. Wie immer bringt er die Ware zurück, kassiert das Geld – aber dann entgleiten ihm Ereignisse. Und stellen ihn vor die Frage, ob Geld alles ist... 

"Ein schmutziges Geschäft" von George Pelecanos ist ein langsamer ruhiger Krimi, in dessen Mittelpunkt der private Ermittler Spero Lucas steht. 

Ein wenig in „lonely wulf“-Manier, dabei aber definitiv immer Gutmensch, rutscht der ehemalige Marine und Kriegsveteran durch einen falschen Auftrag in die undurchsichtigen Kreise des Drogenmilieus hinein und lernt dabei nicht nur seine Stärken, sondern vor allem seine Schwächen kennen. 

Persönliche Meinung: 3,5 Sterne (von 5 möglichen)

Für mich persönlich ist die Figur des Ermittlers ein wenig zu sehr im Vordergrund der Geschichte platziert und auch eine Spur zu viel „Saubermann“. So besucht er seine Mutter regelmäßig, hat ein super Verhältnis zu seinem Bruder und behandelt Frauen ehrbar, wenn er auch nicht wirklich bindungswillig oder -fähig ist. 

Hinzu kommt noch, dass er seine ausgelesenen Bücher ins Krankenhaus trägt und sexuelle Begierde mit sportlichen Aktionen und kalten Duschen „entkräftet“. Irgendwann wirkt das ein wenig unglaubwürdig und aufgesetzt. 

Die Story um das vermisste Paket und das Drogengeld jedoch ist stringent und spannend erzählt und mit einem packenden Showdown gekrönt. In diesem Zusammenhang kommt der Leser dann auch auf auch seine Krimi-Kosten: Eine Menge böser und schmieriger Charaktere und eine unerwartete Wende im Handlungsstrang sorgen dann doch noch für den nötigen Pepp. 

Gegen Ende kann Spero dann - geläutert von seinem Fehlgriff in seiner Kariere – endlich auch ein wenig selbst reflektieren. Er kennt, dass es nicht immer nur Schwarz und Weiß geben kann und dass auch sein eigener Charakter ein hohen Grauanteil hat.

EIN SCHMUTZIGES GESCHÄFT ist bei rororo als Taschenbuch (384 Seiten) in einer Übersetzung von Jochen Schwarzer für 9,99 Euro erschienen.

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