Mittwoch, 27. Juni 2012

DIE EISERNE ZELLE - Solide skandinavische Krimikost

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Ein grausamer Serienkiller auf der Jagd nach verlorenen Seelen.

Demütigung und Schikane – Alltag für den knapp dreißigjährigen Orvo, der mit seiner psychisch labilen Mutter und seinem tyrannischen Großvater unter einem Dach lebt. Um dieser Hölle wenigstens für ein paar Stunden zu entfliehen, lässt er sich von einem Bekannten dazu überreden, ab und zu als Gigolo reiche, alleinstehende Frauen zu beglücken. 

Dabei lernt er die junge Neea kennen, die seit einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist. Schnell wird aus den bezahlten Intimitäten eine zärtliche Liebesbeziehung. Doch während die beiden Pläne für eine gemeinsame Zukunft schmieden, geht ein grausamer Serienkiller in Helsinki um, der es auf die Kundinnen eines ganz bestimmten Callboys abgesehen hat … (Verlags-Info)

Der finnische Autor Matti Y. Joensuu (verstorben im Dezember 2011) wußte, wovon er schrieb, denn er hat, mit einer kurzen Unterbrechung, sein gesamtes Berufsleben im Dezernat für Gewaltverbrechen der Kriminalpolizei Helsinki verbracht. Und das merkt man seinem Thriller auch an, der besonders stark in den Passagen ist, in denen die Ermittlungsarbeit von Kommissar Harjunpää und seinen Kollegen geschildert wird. Diese sind zwar immer nahe am Fall, scheren sich aber, wie so oft in finnischen Thrillern und Krimis, bei der Wahl ihrer Mittel nicht besonders um Konventionen.

Der skandinavisch-schwermütige Aspekt wird hingegen in den Passagen bedient, in denen Joensuu von Orvo erzählt, der seinen Körper verkauft, um wenigstens stundenweise seinem lieblosen Elternhaus zu entkommen. Als er sich dann in Neea verliebt, blitzt so etwas wie ein Hoffnungsschimmer auf, aber der Leser kann bereits vermuten, dass die Geschichte nicht gut ausgehen wird.

Persönliche Meinung: 3, 5 Sterne (von 5 möglichen)

Teilweise wirklich zäh zu lesen und mit deutlichen Längen war „Die eiserne Zelle“ für mich kein Pageturner, sondern lediglich solide skandinavische Krimikost ohne größere Überraschungen von einem mir bis dato unbekannten Autor.

DIE EISERNE ZELLE ist broschiert (320 Seiten) bei btb in einer Übersetzung von Stefan Moster für 14,99 Euro erschienen.

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