Sonntag, 27. Mai 2012

TOTENFLUSS - Kein echter Gretchen-Lowell-Thriller von Chelsea Cain

Krimi-Rezension von Dani Nimz

Archie Sheridan hat es mit einem neuen unberechenbaren Gegner zu tun!

Portland, Oregon. Der Willamette River ist seit Tagen ein reißender Strom, und schon mehrere Menschen sind der Überschwemmung zum Opfer gefallen. Zumindest auf den ersten Blick, denn der zweite, genauere Blick der Pathologen enthüllt, dass wenigstens eine der Toten nicht etwa ertrunken ist, sondern vergiftet wurde, bevor sie ihr nasses Grab fand. 

Schon bald finden die Ermittler, allen voran Archie Sheridan, weitere Opfer eines Mörders, der sich der Flut bedient, um seine Taten zu verschleiern … (Verlags-Info)

Die drei Vorgängerromane von Chelsea Cain hatten als Hauptfiguren den Cop Archie Sheridan und seine Nemesis, die irre Killerin Gretchen Lowell, auch genannt „Beauty Killer“. Alle drei Thriller waren richtig gut, lebten hauptsächlich von dem masochistischen Verhalten Sheridans und der schieren Fülle an Bösem in Gretchen Lowell. Und es war gut so. 

Mir schwante schon, dass dies kein Gretchen-Thriller wird. Zum einen natürlich die Ankündigung des „neuen unberechenbaren Gegners“, zum anderen hat das englische Original kein „Heart“ im Titel. 

Persönliche Meinung: 3,5 Sterne (von 5 möglichen)

Wieder haben wir es mit dem alten Team um Sheridan zu tun, abzüglich Henrys, der in dieser Folge rasch ersetzt werden muss durch Heil. (Randnotiz: Unglücklich, dass gerade jemand namens Heil auf einen Nieser auf deutsch „Gesundheit“ antwortet. Vielleicht bin ich da empfindlich, aber das gefiel mir nicht.) 

Auch Profilerin Anne ist wieder dabei. Und natürlich die Reporterin mit den bunten Haaren, Susan. Ich mag die Art, wie Cain ihre Figuren ausstattet. Vor allem Susan und ihre durchgeknallte Mutter sorgen doch immer wieder zwischendurch für den ein oder anderen Lacher. 

Gretchen wurde also ersetzt durch den „Neuen“, der Gretchen aber an Abartigkeit und Bosheit nicht das Wasser reichen kann. Trotzdem kann Chelsea Cain von Gretchen nicht lassen. Immer wieder werden Bruchstücke eingestreut, für eine reine Erklärung des Zustandes Sheridans für Einsteiger zu viel, für einen Gretchen-Roman zu wenig. 

Irgendwie wirkt es wie der Versuch, Appetit zu machen auf die ersten drei Bücher. Entweder Gretchen oder „der Neue Gegner“. Beides gleichzeitig hat sich gegenseitig blockiert. 

Die Story ist gleich im ersten Drittel irgendwie schon erzählt. Zugegeben, die Art und Weise, wie die Leute im schönen Portland zu Tode kommen, ist sehr originell, alles in allem fehlte mir da trotzdem der Schwung, die Spannung. Wasser, viele Tote, Regen, reißender Fluss und wieder überall hauptsächlich Wasser. 

Das Ende wiederum ist schnell, spannend, gut zusammengebracht und verdient Lob. Wenn nur doch die Mitte etwas mehr Pfiff hätte! 

Vielleicht hatte ich zu große Erwartungen, vielleicht funktioniert Sheridan aber ohne Gretchen auch nicht. Ohne sie ist er nur ein angeschlagener Cop, und davon haben wir schon zu viele. 

Alles in allem gebe ich 3,5 Sternchen, weil ich Chelsea Cains Bücher wirklich mag. Ich denke, sie hat hier etwas ausprobiert, was aus meiner Sicht nicht so gut funktioniert hat. Aber ich habe schon gesehen, dass sie es mit einem neuen Gretchen-Thriller wieder "gutmachen" will. Und das schon diesen Sommer - allerdings erst einmal auf englisch. Ich bin jetzt schon versöhnt.

TOTENFLUSS ist broschiert (384 Seiten) bei Blanvalet in einer Übseretzung von Fred Kinzel für 9,99 Euro erschienen.

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