Mittwoch, 9. Mai 2012

DER PROPHET DES TODES - Vincent Kliesch spielt mit den Gefühlen seiner Leser

Krimi-Rezension von Dani Nimz

Eine geheimnisvolle Vorhersage kündigt zwei rätselhafte Todesfälle in Berlin an. Wer steckt hinter der seltsamen Botschaft? Hauptkommissar Julius Kern beginnt zu ermitteln – und erhält kurz darauf selbst eine Todesprophezeiung. 

Er wird von dem Fall abgezogen, doch inoffiziell ermittelt er weiter. Denn der Prophet des Todes hat keinen Zweifel daran gelassen, dass nur eine Begegnung mit Kerns Erzrivalen Tassilo Michaelis das Rätsel lösen und die Familie des Kommissars retten kann ... (Verlags-Info)

Berlin. Eine Frau erhängt sich in ihrer Wohnung. Im Nebenzimmer schreit ihr Kind. Später wird ihr Ex-Mann tot aufgefunden. Offenbar hat die Frau sich selbst erhängt, nachdem sie zuerst ihren getrennt lebenden Mann vergiftet hat. Warum? 

Und welche Rolle spielen die Botschaften, die bei beiden Opfern gefunden werden? Irgendjemand spielt ein perfides Spiel und dann wird Kommissar Julius Kern selbst mit hineingezogen. Entweder er tötet Tassilo oder seine Familie stirbt, besagt die Botschaft an ihn. Der Spieler gibt Kern drei Tage Zeit. 

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Man könnte meinen, im dritten Fall des Hauptkommissars Julius Kern würde sich langsam so etwas wie Routine einschleichen, immerhin ist das Hauptthema wieder das Gleiche – Kern will Tassilo endlich hinter Gitter bringen. 

Doch so wie Vincent Kliesch diese Geschichte von verschiedenen Punkten aus anlegt, wie er sie ausschmückt, verschiedene Ebenen geschickt zusammenführt, und nicht zuletzt - wie er mit des Lesers widersprüchlichen Emotionen Tassilo gegenüber spielt, ist einfach umwerfend. 

Vincent Kliesch ist für mich einer der großen neuen Krimi-Autoren. Schon sein Debüt „Die Reinheit des Todes“ hat mich begeistert. Sein Erzähltempo, seine eigenwilligen Figuren, seine abstrusen Gedankengänge, all das hat für mich sehr viel Frisches in die deutsche Krimiszene gebracht. 

Hier geht es nicht nur um schauderhafte Verbrechen, hier hat der Schurke Züge, die ihn sympathisch machen, man fühlt mit ihm, bringt ihm Verständnis entgegen. Irgendwie haben die Opfer sich ihr Schicksal auch selber zuzuschreiben. Erschreckender Gedanke, nicht? Denn immerhin geht es um grausame Morde.

Sehr gut gemacht finde ich außerdem, dass Kliesch seinen Protagonisten eine gemeinsame Vorgeschichte gegeben hat, auf die er immer wieder zurückkommen kann. So kann er von der Vergangenheit der beiden erzählen und die Figuren weiter ausstatten, ohne auf vorherige Romane Bezug nehmen zu müssen. 

Ein sehr geschickter Zug, denn nichts ist schlimmer, als wenn der Leser in einem Roman die vorherigen gleich miterzählt bekommt – möglichst dann noch mit Auflösung oder so viel an Information, dass man sich das Lesen glatt sparen kann. Dies ist hier glücklicherweise nicht der Fall. 

Von mir gibt es für den Propheten des Todes von Vincent Kliesch eine unbedingte Leseempfehlung für diesen Krimi die beiden Vorgänger ebenfalls. 

Bleibt nur eine Frage offen: Lieber Vincent Kliesch, wann kommt denn der nächste?

Anm. KK: Und auch Vincent Kliesch blieb das tote "Krimi-Vögelchen" auf dem Cover nicht erspart ;-)

DER PROPHET DES TODES ist bei Blanvalet als Taschenbuch (384 Seiten) für 9,99 Euro erschienen.

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