Donnerstag, 10. Mai 2012

ALGEBRA DER NACHT - Raffinierter Historien-Krimi

Krimi-Rezension von Nicole Glücklich
Redaktionsmitglied Bakerstreet Chronicle

Louis Bayards neuester Roman spielt gleichzeitig im modernen Amerika und dem England des eingehenden 17. Jahrhunderts: 

Historiker Henry Cavendish wird zum Nachlassverwalter seines exzentrischen Sammlerfreundes Alonzo Wax ernannt, der offenbar Selbstmord begangen hat, woran Henry jedoch nicht recht glauben möchte. Als dann der ebenfalls fanatische Sammler Styles auf der Bildfläche auftaucht und behauptet, Alonzo Wax hätte einen Brief von Walter Ralegh besessen, der eigentlich ihm gehört und den er nun zurückhaben möchte, beginnt die Angelegenheit, gefährlich zu werden. 

Vor seinem Tod hatte Wax mehreren Leuten die Nachricht hinterlassen, dass „die Schule der Nacht“ erneut zusammengetreten sei. So trifft Henry auf Clarissa Dale, mit der er sich gemeinsam auf die abenteuerliche Suche nach dem besagten Brief macht. 

Gleichzeitig wird in Rückblicken aus Thomas Harriots Leben im Jahr 1603 erzählt und was es mit der „kleinen Akademie“ der Gelehrten, der „Schule der Nacht“, auf sich hat, in deren Runde Gedanken und Forschungsgebiete besprochen wurden, über die öffentlich niemand zu sprechen gewagt hätte. 

Über den Autor Louis Bayard ist leider nicht viel mehr bekannt, als dass er in Washington D.C. lebt und als freier Autor für die New York Times, die Washington Post und Salon schreibt. Sein Spezialgebiet sind historische Romane. 

Bereits vor einer Weile wurde hier an gleicher Stelle bereits sein Roman „Die Geheimnisse des schwarzen Turms“ aus dem Frankreich des Jahres 1818 besprochen. 

Dieses Mal nimmt Bayard den Leser also auf eine Reise mit, die noch weiter in die Vergangenheit zurückführt – und auch der Geschichte um „die Schule der Nacht“ liegen vage reale Beweise vor, dass sie existiert haben könnte. 

Auch viele Charaktere, die real existierten, spielen eine wichtige Rolle in dieser fiktiven Geschichte – so wie wir es bereits in seinem letzten Roman kennen. Garniert wird die Handlung zusätzlich noch mit einer doppelten Liebesgeschichte – sowohl im 17. als auch im 21. Jahrhundert. 

Persönliche Meinung:
4**** (von 5 möglichen)

Obwohl auch „Algebra der Nacht“ ein äußerst raffiniert geschriebener Roman ist, bei dem sich alle Puzzleteile erst ganz am Ende zusammenfügen und eine in sich äußerst stimmige Geschichte ergeben, vermochte mich der Roman doch nicht so sehr zu fesseln wie sein Vorgänger. 

Zu viele geschichtliche Figuren der elisabethanischen Zeit spielen eine Rolle, die zum Verständnis der Geschichte wichtig sind, so dass ich das Lesen des Buchs anfangs vor allem als anstrengend empfand. Die Idee, dass dieser eine Brief jedoch vier Jahrhunderte der Geschichte miteinander verbindet, ist sehr interessant und spannend umgesetzt, auch wenn es eine Weile braucht, bis die Spannung wirklich aufkommt. 

Insgesamt ist auch dieser Roman von Louis Bayard lesenswert – jedoch wohl eher für Krimiliebhaber mit einem großen Faible für Historie.

ALGEBRA DER NACHT ist als Taschenbuch (427 Seiten) im Insel Verlag in einer Übersetzung von Silvia Morawetz für 16,99 Euro erschienen

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