Dienstag, 8. Mai 2012

41 RUE LOUBERT - Eine alte Pariser Hure zwischen Recht und Unrecht


Krimi-Rezension von Tanja Werner

Louise ist Hure und wird im Dezember sechzig. Sie hat sich auf ihren Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand sorgfältig vorbereitet und kann es kaum erwarten, ihr arbeitsreiches Leben hinter sich zu lassen. 

Ihre genialen Zukunftspläne drohen zu scheitern, als sie ins Visier von Marcel Gerät, der die Ermittlungen in achtzehn Fällen vermisster Männer der ehrenwerten Pariser Gesellschaft leitet. Marcel ist von Louises Schuld überzeugt und setzt alles daran, ihren Schutzwall auch Intelligenz und Gelassenheit zu durchbrechen.

Ein Buch zu kritisieren, das auf Amazon schon mit über zwanzig 5-Sterne-Bewertungen gelobt wurde, ist nicht ganz einfach. Schließlich wollte ich mir eine eigene Meinung bilden, daher habe ich keine der vielen Rezensionen gelesen, die Mara Ferr für diesen Ausnahmekrimi (wie ich jetzt weiß) mehr als zu Recht bekommen hat.

Die Autorin bedient sich eines grandiosen Stilmittels: der Leser ahnt ganz schnell welches Spiel die charmante und überaus clevere Louise spielt. Daraus, dass die werten Herren der Pariser Upper-Class tatsächlich in Gegenwart der Hure umgekommen sind, macht die Autorin keinen Hehl.

Aber ist es wirklich so? Und das Wichtigste ist die Frage nach dem Warum.

Diesen Stil des allwissenden Lesers findet man heute nicht mehr oft und das macht den Krimi um so spannender, fühlt man sich doch hin und her gerissen zwischen Schuld und Unschuld, Gut und Böse.

Persönliche Meinung: 
5 ***** (von 5 möglichen)

41 RUE LOUBERT ist eine großartige Inszenierung mit erschreckenden Einblicken in eine verletzte menschliche Seele und die Abgründe einer verlogenen Gesellschaft.

Und es sind 255 Seiten Hochspannung. Denn der Roman ist in schnellem Tempo geschrieben, packend und hinterlässt eine bitteren Nachgeschmack. Schon nach der Hälfte fragt sich der Leser nach Recht und Gerechtigkeit, während er zwischen diesen beiden hin und her geworfen wird.

In süffisantem Ton geschrieben ist 41 RUE LOUBERT von starken Charakteren gehalten und hochemotional. Allen voran die feinsinnige Louise, deren abgründiges Spiel der Leser zwar recht schnell durchschaut, ein klares Falsch oder Richtig in ihr Handeln aber nicht hineinzulegen vermag. 

Eine Geschichte voller Leid aber auch Hoffnung, von der man nur hoffen kann, dass das Leben sie so nicht geschrieben hat.

Großartige, abgründige Krimiunterhaltung.

Mir hat 41 RUE LOUBERT einen Flug nach Madrid ausgesprochen verkürzt und sogar die Wartezeit auf das Gepäck, das leider erst nach 48 Stunden wieder aufgetaucht ist, versüsst. Deshalb die volle Anzahl Sterne.  

Anm. KK: Die optische Gestaltung des Buches (z.B. Flattersatz) ist sicher nicht ganz optimal, doch auch hier gilt in besonderem Maße: "Beurteile nie ein Buch nach dem Cover" ;-)

41 RUE LOUBERT  der Indie-Autorin Mara Ferr ist als Taschenbuch (288 Seiten) bei Tredition für 14,99 Euro (bzw. 10,49 fürs eBook) erschienen.

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