Montag, 2. April 2012

GRABESSTILLE - Mystisches China, legendäre Kriegerinnen & sagenumwobene Schwerter

Krimi-Rezension von Dani Nimz

Jahraus, jahrein werden sie an den schrecklichen Tag erinnert, da in einem kleinen Restaurant in Chinatown ein Amokläufer ihre Angehörigen hinrichtete. Doch wer schreibt die Briefe, die besagen, dass der wahre Täter noch immer nicht gefasst sei? 

Erst als neunzehn Jahre später bei einer Stadtführung durch Boston die Leiche einer Frau gefunden wird, die mit einem antiken chinesischen Ritualschwert verstümmelt wurde, wird der alte Fall wiederaufgerollt. Und nicht immer haben Jane Rizzoli und Maura Isles bei den Ermittlungen das Gefühl, es mit einem leibhaftigen Gegner aus Fleisch und Blut zu tun zu haben … (Verlags-Info)

Lieblingssatz: "In Chinatown ist nichts wie es scheint."

In Bostons Chinatown wird während einer „Geister“-Touristenführung eine offenbar erst kürzlich abgetrennte Hand gefunden. Der Leser erhält auch eine erste Einführung in die Geschehen in dem kleinen Restaurant vor 19 Jahren. 

Das bekannte Polizistenduo Rizzoli/Frost bekommt Verstärkung in Gestalt des jungen Kollegen  Johnny Tam. Seine chinesische Wurzeln stellen sich als äußerst hilfreich heraus, Feinheiten im Umgang mit der chinesischen Kultur zu verstehen, einer ganz eigenen Welt, in der Tradition, Familie, Ahnenkult und Ehre eine ganz besondere Rolle spielen und Zivilisationen aufeinander prallen. 

In GRABESSTILLE steht  wieder Rizzoli, im Vordergrund der Story, nachdem es im letzten Roman TOTENGRUND Isles war. Das Verhältnis der beiden in diesem neunten Roman ist ein wenig unterkühlt, da Isles in einem Prozess gegen einen Polizistenkollegen aussagt, der offenbar schuld am Tod eines festgenommenen Polizistenmörders ist. Und obwohl in diesem Krimi Isles kaum eine Rolle spielt, gibt sie  jedoch den entscheidenden Hinweis im Verlaufe der Ermittlungen. 

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

Tess Gerritsen erzählt ihre Geschichte mit viel Wärme und Liebe zum Detail. Sie hält sich meist abseits von Klischees, wobei diese sich nicht immer ganz vermeiden lassen, und führt hin zum mystischen China, zum Ahnenkult, erzählt von legendären Kriegerinnen, sagenumwobenen Schwertern. 

All dies ist unglaublich lebendig geschildert, sehr lehrreich, verfügt über Tiefe, ist dichtgesponnen und pulsierend. Man merkt ihr an, dass sie dem Leser den traditionellen Aspekt der Kultur ihrer Vorfahren, sie ist selbst Amerikanerin chinesischer Abstammung, näherbringen will. 

Das alles ist unglaublich interessant und ich habe es sehr genossen, in eine Welt geführt zu werden, die mir selbst sehr fremd ist. So habe ich noch nie darüber nachgedacht, dass es zwischen Kantonesisch und Mandarin so große Unterschiede gibt, dass man sich gegenseitig nicht versteht. 

Einzig die Tatsache – und ich verrate hier nichts Entscheidendes, denn es wird ziemlich schnell klar, worum es geht -, dass sich letzlich alles doch wieder einmal um verschwundene Mädchen dreht, um Missbrauch und Kindermord hat mir die Lesefreude etwas vermiest. 

Ich mag davon nicht mehr lesen, finde es so rein gar nicht unterhaltsam und denke, die Krimiszene könnte sich langsam wieder andere Themen suchen. Es gibt genug "spannende Verbrechen", die man literarisch verarbeiten  könnte, da muss man nicht immer wieder auf Kinder- und Missbrauchs-Themen zurückgreifen.

GRABESSTILLE ist gebunden (448 Seiten) im Limes Verlag in einer Übersetzung von Andreas Jäger für 19,99 Euro erschienen.

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