Donnerstag, 26. April 2012

DAS NEST DER NACHTIGALL - Italienischer Kulinariker als Hobby-Detektiv im Jahr 1895


Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Pellegrino Artusi, ebenso berühmter wie beleibter Feinschmecker, ist zu Gast auf einem idyllisch gelegenen Schloss in der Toskana. Und schon bald sind seine kriminalistischen Fähigkeiten gefragt: Man findet den Haushofmeister tot in der Küche auf – vergiftet! 

Als kurze Zeit später auch noch der Baron selbst von einem Jagdgewehr an der Schulter getroffen wird, ist Artusis ganzer Spürsinn gefragt. (Verlagsinfo)

Eine kurze Vorbemerkung zur Hauptfigur: Pellegrino Artusi (04.08.1820 – 30.03.1911), Literaturkritiker und Feinschmecker, gilt seit der Veröffentlichung seines Kochbuches "Von der Wissenschaft des Kochens und der Kunst des Genießens" als der Begründer der italienischen Nationalküche.

Und eben dieser Artusi schlüpft in diesem historischen Kriminalroman in die Rolle des Detektives. Am ehesten der Figur eines Hercule Poirot ähnlich, ermittelt er im Jahre 1895 in der Maremma, der südlichen Toskana.

Persönliche Meinung: 3 *** (von 5 möglichen)

Marco Malvadi hat einen Kriminalroman ganz im Stil der Klassiker dieses Genres geschrieben, meiner Meinung nach am ehesten Agatha Christie vergleichbar: Es gibt den Leichenfund in dem von innen verschlossenen Raum sowie den abgeschlossenen Mikrokosmos des Landschlosses, dazu werden die Befragungen individuell durchgeführt und bieten jedem Verdächtigen die Möglichkeit, seine Version bzw. Interpretation der Geschichte zu erzählen. 

Und dann gibt es natürlich noch Artusi, den Hobby-Detektiv, der an der Seite der Offiziellen ermittelt.

Dieser Krimi wird sicherlich seine Fans bei Lesern finden, die eine traditionelle, 'reine' Detektivgeschichte bevorzugen und Fans des realen Kulinarikers Artusi sind. Mein Fall war es nicht, denn dafür hat es viel zu lange gedauert, bis die Handlung in die Gänge kam. Das war einfach viel zu betulich und spannungsarm.

DAS NEST DER NACHTIGALL ist gebunden (240 Seiten) bei PENDO in einer Übersetzung von Luis Ruby für Euro erschienen.

Kommentare:

  1. Andrea Schildheuer26. April 2012 um 17:17

    Ich habe das Buch von Elke bekommen und ja, sie hat recht, es ist betulich und kommt nur langsam in Schwung. Trotzdem habe ich es mit Begeisterung gelesen, den Malvadi skizziert den italienischen Adel des Jahres 1895 mit einer Boshaftigkeit und beissenden Ironie, die ihresgleichen sucht. An Artusis Ansehen (übrigens ein wundervolles - mehr als - Kochbuch!)darf natürlich niemand rütteln, aber Malvadi hat ihn so liebevoll beschrieben, wie ich ihn mir vorstellen würde. Ein Vergleich mit Alan Bennett drängt sich mir auf, der seine Landsleute ebenso treffend karrikieren kann. Sicher kein Buch für hartgesottene Krimifreunde, aber überaus unterhaltsam!

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  2. Liebe Andrea Schildheuer,

    Danke für diese schöne ergänzende Lesermeinung, die wieder zeigt, dass die Einschätzungen von Kriminalromanen so vielfältig und variantenreich sind, wie die Anzahl der Leser. :-)

    Liebe Grüße aus Köln

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