Montag, 9. April 2012

THE CORNER - Realistisch, hart, aber mit viel Sympathie und einem Funken Hoffnung

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Crack und Heroin überfluten die Straßen Amerikas. Der Drogenhandel an der berüchtigten Ecke von West Fayette und Monroe Street ist der ökonomische Treibstoff einer sterbenden Nachbarschaft inmitten der Stadt. Durch die Augen einer zerbrochenen Familie zeigt uns "The Corner" die harte Realität der Drogenkultur und die ergreifende Szenen von Hoffnung, Mitgefühl und Liebe, an einem Ort, den Amerika schon längst abgeschrieben hat. (Verlagsinfo)

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Die beiden Autoren von "The Wire", David Simon und Ed Burns, richten in dem nun endlich auch in der deutschen Übersetzung erhältlichen Buch "The Corner" (Erstveröffentlichung 1997) ihr Augenmerk auf die Drogenkriminalität in Baltimore Mitte der 90er Jahre.

Im Speziellen beschäftigen sich die beiden Journalisten in ihrer Sozialreportage mit den Auswirkungen, die der allgegenwärtige Drogenhandel in besagtem Viertel, das fast ausschließlich von Afro-Amerikanern bewohnt wird, auf die Sozialisation der Kinder und Jugendlichen hat, wenn die Dealer und die Straße die Erziehung übernehmen, weil die Eltern schon längst ihre pädagogischen Aufgaben nicht mehr erfüllen können.

Am Beispiel der Familie McCullough, die sie über eine längere Zeitspanne begleiten, zeigen Simon und Burns die Entwicklungen der einzelnen Familienmitglieder und ihrer Drogenkarrieren - realistisch, hart, aber auch immer mit viel Sympathie und einem Funken Hoffnung.

Auch wenn dieses Buch mittlerweile fast zwanzig Jahre alt ist, so hat es doch nichts von seiner Brisanz verloren, und die geschilderten Zustände sind so wohl in jeder amerikanischen Großstadt zu finden: Baltimore ist überall!

THE CORNER ist broschiert (800 Seiten) im Kunstmann Verlag für 24,95 Euro erschienen.

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