Mittwoch, 8. Februar 2012

NULL-NULL-SIEBZIG Operation Eaglehurst - Wunderbar britisch und herrlich unspektakulär

Krimi-Rezension von Nicole Glücklich
Redaktions-Mitglied "The Bakerstreet Chronicle"

Krimi ist heute ja nicht mehr gleich Krimi. Das Genre splittet sich seit Jahren immer mehr auf und erfindet sich zuweilen neu. Nach Schwedenkrimis, Regionalkrimis, Frauenkrimis, Tierkrimis und all den anderen Spezialisierungen hat Marlies Ferber sich mit „Operation Eaglehurst“ nun dem Seniorenkrimi gewidmet:

Ex-SIS-Agent James Gerald zieht in die Seniorenresidenz Eaglehurst, um herauszufinden, wer seinen Freund und ehemaligen Kollegen William Morat ermordet hat. Schon gleich nach seiner Ankunft erhält er eine Warnung in Form eines Gedichts, die den ehemaligen Geheimagenten jedoch auch trotz seiner 70 Jahre und seiner angegriffenen Konstitution nicht davon abhalten, weiter in dem Fall zu ermitteln. 

Bald schon muss er erfahren, dass sein Freund nicht der einzige Tote in Eaglehurst war, der ganz plötzlich aus dem Leben schied – und irgendwer hat es auch auf ihn abgesehen.

Für die 45-jährige Autorin und Krimiliebhaberin Marlies Ferber ist „Null-Null-Siebzig“ ihr erster Roman, der im Februar 2012 als Hörbuch bei DAV und als Taschenbuch bei dtv erschien.

Dass ihre Leidenschaft vor allem bei den englischen Kriminalromanen liegt, zeigt ihre Debütgeschichte – doch auch beruflich befasst sie sich mit Büchern: als Lektorin für Sachbücher.

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

Gelesen wird die Hörbuchfassung des DAV von Hans Peter Hallwachs. Obwohl die Stimme des 1938 geborenen Schauspielers und Synchronsprechers eigentlich perfekt zum Thema des Hörbuches passt – er verleiht dem 70jährigen James Gerald einen Charakter voller Esprit und Tatkraft – finde ich, dass seine Stimme auf die Dauer etwas anstrengend wirkt.

Die Geschichte vom ehemaligen Geheimagenten mit dem Rollator wird als Krimikomödie angekündigt – ganz so lustig ist sie aber gar nicht, geht es doch schließlich unter anderem um solch ernste Themen wie aktive Sterbehilfe.

Hinter dem etwas albernen Titel „Null-Null-Siebzig“ und dem zum Schmunzeln animierenden Cover steckt ein solider Krimi, dessen Protagonisten einfach schon ein wenig „in die Jahre gekommen“ sind.

Die Geschichte an sich ist aber gar nicht angestaubt, sondern wunderbar britisch und herrlich unspektakulär – ganz in der Tradition englischer Detektive wie etwa Miss Marple. Und so hält das Ende noch die eine oder andere interessante und überraschende Wendung bereit.

Vielleicht kehrt Agent „Null-Null-Siebzig“ James Gerald ja schon bald in einer Fortsetzung zurück – ich würde mich freuen!

"AGENT NULL-NULL-SIEBZIG - Operation Eaglehurst" ist bei dtv als Taschenbuch (272 Seiten) für 9,95  Euro erschienen und als Hörbuch im DAV (Audio CD mit 282 Minuten) für 19,99 Euro.

1 Kommentar:

  1. Hallo! Ich schlage da genau in die gleiche Kerbe: der Krimi regt sehr zum Nachdenken an, ist humorvoll und es schreit nach einem Nachfolger. In unserer kleinen Bibliothek im Heim ist der Krimi jedenfalls immer vergriffen :) Vielen Dank für diese tolle Rezension und ein allgemeines Lob für den Blog! Steffanie

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