Montag, 6. Februar 2012

DAS ALPHABETHAUS ist kein Krimi und hat doch alles, was ein Thriller braucht













Rezension von Petra Weber

Der Absturz zweier britischer Piloten hinter den feindlichen Linien …

Ein Krankenhaus im Breisgau, in dem psychisch Kranke als Versuchskaninchen für Psychopharmaka dienen…

Die dramatische Suche eines Mannes nach seinem Freund, den er dreißig Jahre zuvor im Stich gelassen hat …

Es fühlt sich an wie ein Krimi, es liest sich wie ein Krimi, es sieht aus wie ein Krimi und doch: DAS ALPHABETHAUS ist kein Krimi. Das war die "schlechte" Nachricht.

Die gute ist: Adler-Olsen könnte ein Kochbuch schreiben und man würde sich wahrscheinlich vor Spannung die Fingernägel abknabbern, denn seine Kunst, Leser ins Buch zu ziehen, scheint genreunabhängig. So ist es auch für den Thrill, den man beim Lesen empfindet völlig unerheblich, dass hier keine Kriminalgeschichte der Handlung zugrunde liegt. 

Und doch geht es um Grausamkeiten, die Menschen angetan wurden, um Verzweiflung, Angst und Verrat. Alles erstklassige Zutaten für einen spannenden Roman, der sich im ersten Teil des Buches mit der  Vergangenheit, der Zeit gegen Ende des zweiten Weltkrieges auseinandersetzt. Insbesondere mit den seinerzeit gruseligen, aber völlig übliche Behandlungsmethoden in Psychiatrien.

Es ist die Geschichte zweier Männer, die Geschichte einer Freundschaft. Aber auch wie der Autor im Anhang selbst sagt: "...eine Geschichte von menschlichem Versagen und davon, wie leicht es passieren kann, dass Menschen einander im Stich lassen."

Im zweiten Teil des Buches, der in der "Gegenwart" angesiedelt ist, verfolgt der Leser gespannt den  verzweifelten Versuch, die Vergangenheit dreißig Jahre später zu "korrigieren", empfundenen Verrat zu büßen und wiedergutzumachen.

DAS ALPHABETHAUS ist Jussi Adler-Olsens erster Roman, der lange vor der Krimi-Serie um das Sonderdezernat Q und Carl Mørck bereits international erfolgreich war, und der auf jeder Seite spüren lässt, dass der dänische Autor, der als Sohn eines Arztes während seiner Kinder-und Jugendjahre in der Psychiatrie  wohnte, weiß worüber er schreibt.

Auch wenn -typisch für Adler-Olsen- auch in diesem Roman den Protagonisten wieder unrealistisch viel körperlich und geistig abverlangt wird, so macht das die anhaltende Spannung beim Lesen allemal wieder wett. Wobei sicherlich der eine oder andere, der einen typischen Krimi erwartet, enttäuscht wird.

Da es sich hier nicht um Kriminal-Literatur handelt, habe ich von einer "Sterne-Bewertung" abgesehen.

DAS ALPHABETHAUS ist broschiert (592 Seiten) bei dtv in einer Übersetzung von Hannes Thiess für 15,90 Euro erschienen.

Als Hörbuch ist DAS ALPHABETHAUS (Audio CD, gekürzte Lesung) beim DAV gesprochen von Wolfram Koch für 24,99 Euro erschienen.

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