Donnerstag, 5. Januar 2012

SENSENMANN - Mit detaillierten Folter-Beschreibungen

Krimi-Rezension von Stefanie Diana Sterl

Die aus Zwickau stammende Autorin Claudia Puhlfürst (u.a. tätig als Diplomlehrerin für Biologie und Chemie, Redakteurin, Autorin von Lehrbüchern & als Schulberaterin) schreibt seit 2002 Psychothriller und Romane und begeistert vor allem durch Spannung, einen hohen Unterhaltungswert sowie mit ausgefeiltern Charakteren. Außerdem kommt der psychologische Part in ihren Romanen nicht zu kurz was u.a. daraus resultiert, dass die Autorin über Kenntnisse der Humanethologie (insbesondere nonverbale Kommunikation) verfügt.  

Ihr aktueller Roman "Sensenmann" macht auf den ersten Blick den Anschein eines klassischer Rache-Thrillers:

Matthias Hase, ehemaliger Bewohner eines Kinderheims auf Jersey, wird von Rachegelüsten geplagt nachdem er durch eine Reportage im TV wieder an die dort herrschenden Misstände erinnert wird. Seelische und körperliche Gewalt bestimmten den Alltag. Nach Jahren der Verdrängung will er nun endliche Vergeltung, Er plant jeden einzelnen Erzieher von damals aufzusuchen und zu quälen. 

Gleichzeitig recherchiert die Journalistin Lara Birkenfeld (die Puhlfürsts Leserschaft bereits aus dem Vorgängerroman "Ungeheuer" bekannt ist) in einem Fall rund um eine mysteriöse Plattenbauleiche. Von dieser Reportage hängt Birkenfelds weitere Karriere ab. Dabei leidet sie unter Halluzinationen, die enormen Einfluss auf ihre Wahrnehmung haben und letztendlich auch auf den weiteren Verlauf ihrer Ermittlungen..

Wir haben in diesem Krimi mit Matthias und Lara zwei Charaktere mit zwei verschiedenen Geschichten. Claudia Puhlfürst hat mit ihren beiden Hauptakteuren zwar extrem vielschichtige Charaktere erschaffen, die dem Lesen zu 99,99% Prozent in Erinnerung bleiben werden, dann aber dennoch der Handlung leider nicht zu der erwarteten Spannung verhelfen.

Die Gefahr besteht bei zwei Handlungssträngen, sich in einem zu verlieren und den Leser zu frustrieren bzw. im schlimmsten Fall sogar zu langweilen. Für mich persönlich entwickelte sich das Lesen als eine Art "Wechselbad der Gefühle" da ich schon relativ schnell in Matthias Hase einen Protagonisten gefunden hatte, dessen durchaus nachvollziehbare Gier nach Rache schlichtweg vielmehr fesselte, als der Handlungsstrang um die neurotisch wirkende Journalistin. 

Die Autorin beschreibt ausführlich Hases Foltermethoden, mit denen er seine ehemaligen Peiniger exzessiv quält. Normalerweise bin ich kein Fan von Gewaltszenen, aber bei "Sensenmann" machten diese einen großen Teil der Spannung aus und halten den Leser davon ab, dass Buch zur Seite zu legen.

Für die Protagonistin Lara habe ich anfangs beim Lesen extrem schnell Sympathien entwickelt, die in diesem Fall aber leider nicht ausreichten, um diesem Handlungsstrang Spannung zu verleihen. Ich war manchmal sogar versucht, die Seiten mit ihr zu überblättern.

Ein Roman wie eine Liebesbeziehung: Mit Höhen und Tiefen. Nur das leider letzteres aus meiner Sicht etwas mehr Raum einnahm. Hätte Claudia Puhlfürst der Journalistin Lara Birkenfeld eine Pause gegönnt und in diesem Roman ausschließlich die Figur des Matthias agieren lassen, wäre das Buch sicher spannender und damit unterhaltsamer geworden.

SENSENMANN von Claudia Puhlfürst ist als Taschenbuch im blanvalet Verlag für 8,99 EUR erschienen. 

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