Mittwoch, 11. Januar 2012

HERR, ERBARME DICH - Viele Leichen & zu viele Themen

Krimi-Rezension von Nora J.

„Wenn es einen Gott gäbe, hätte er mich aufgehalten.“ Diese Nachricht steht über dem Portal einer Grundschule in Atlanta. Auf der Straße liegen die Leichen von vierzehn Männern und Frauen, alle schnell und effektiv umgebracht. Eindeutig das Werk des Snipers Galileo. Er kann das Leben eines Menschen aus einer Entfernung von über hundert Metern beenden. Und das tut er auch.

Was Gott nicht schaffte, soll Esme Stuart jetzt richten. Aber die Top-FBI-Agentin hat ihrem Job vor acht Jahren den Rücken gekehrt, um Hausfrau und Mutter zu werden. Wie sollte sie einen Rückkehr in den Dienst jetzt ihrer Familie erklären? Und was passiert, wenn Esmes Mann und Tochter in das Visier des Killers geraten? (Verlags-Info)

Joshua Corin, geboren in Island, wohnhaft in Atlanta/Georgia und dort als Englisch- und Schauspiellehrer an einem College tätig, schrieb mit „Herr, erbarme dich!“ seinen ersten Roman, der sogleich als Auftakt zu einer neuen Serie um die FBI-Agentin Esmeralda Stuart (von allen nur Esme genannt) gilt.  

Persönliche Meinung:
3*** (von 5 möglichen)

Joshua Corin überschlägt sich in seinem Erstling auf mehreren Ebenen. 

Immer wieder kratzt er große Themen an um sodann gleich zum nächsten überzugehen. Es geht um amerikanische Lokalpolitik, Feminismus, griechische Mythologie, Psychologie und Esoterik. Einige Themen streift er erneut, andere lässt er  im Raum stehen.

Zum Großteil bewegt sich der Leser auf verschiedenen Erzählebenen: Amerikanische Lokalpolitik, Esmes Privatleben und die darin bis zur Langeweile albern exerzierte Rivalität zwischen ihrem Ehemann Rafe und ihrem ehemaligen Ausbilder und jetzigen Boss der Task Force Tom Piper.  Mit einer Masse von Leichen. Bis  Seite 42 sind es bereits 20 Tote.

Obwohl ein Hauptaugenmerk auf Esmes Privatleben liegt, bleibt der Charakter der sehr jungen(!) FBI-Agentin schwammig bis nicht greifbar, was sich auch besonders gut an ihrem immer wieder eingeflochtenen Musikgeschmack abzeichnet. 

Bis zum Schluss bleibt es unklar, warum sie sich vor Jahren von ihrem Schwiegervater in die Rolle der Hausfrau und Mutter hat zwängen lassen. Überhaupt legt sie ein sehr ambivalentes Verhalten an den Tag, was den Roman insgesamt fahrig wirken lässt. 

Fazit: Viele Tote, unklare Charakterrollen, zu viele Themen in einem Roman, langweilige Wiederholungen (sollten wohl „running gags“ werden) und das ganze gespickt mit abgedroschenen Phrasen.

Nichtsdestotrotz lässt sich der Roman gut lesen und bekommt von mir deshalb noch drei von fünf möglichen Sternen. 

Ein Plus gibt es für das etwas größere Taschenbuchformat und die angenehm griffige Bindung. Die Kapiteleinteilung ist mit 30 auf 348 Seiten gut.

“HERR, ERBARME DICH!“ ist als MIRA Taschenbuch (348 Seiten) im Cora Verlag in einer Übersetzung von Tess Martin für 8,99 Euro, deutsche Erstausgabe 2011 im MIRA Taschenbuchverlag.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.