Donnerstag, 1. Dezember 2011

KLEINE BIESTER - Spannend, mit grandiosen Slapstick-Szenen & gruseligen Schock-Effekten

Krimi-Rezension von Apicula

In Berlin verschwinden Kinder von Spielplätzen. Genauer: Sie stürzen in riesige Krater, die sich urplötzlich dort auftun. Hysterie macht sich breit. Was die Kinder verbindet, ist ihre Schulsituation: Der Wechsel aufs Gymnasium stand kurz bevor. Kommissar Pachulke ermittelt im Kreis der Eltern … (Verlags-Info)

Ein Krimi von Rob Alef aus dem eisigen Milieu der Super-Mamis, wo das Leistungsprinzip noch Geltung besitzt und wo Schulmassaker und PISA-Schock eng beieinander liegen.
 
Den Einstieg in KLEINE BIESTER empfand ich als etwas anstrengend. Wie in einem Wimmelbuch für Kleinkinder geschildert, gestaltet sich - in epischer Breite -, eine Szene auf einem Kinderspielplatz, ehe es zu dem ersten Krater-Vorfall kommt.
 
Gefühlte hundert Personen werden vorgestellt. Eltern und Kinder. Mehr oder weniger kurze Abrisse der Familienverhältnisse. Wenn ich von Kindern spreche, dann ist das voll an der Realität vorbei, denn diese kleinen Erwachsenen, die nur auf die besten Schulen gehen (sollen), agieren ganz schön selbstbewusst.
 
Mit der Spielplatzidylle ist es dann rasch vorbei, als sich auf selbigem in einem Sandkasten ein Krater auftut und sich schreckliche Szenen abspielen. Ein Mädchen verschwindet spurlos! Jetzt fängt das Gewusel erst richtig an. Ameisenhaufen, quasi Hilfsausdruck! Schaulustige, Polizei, THW, Sanitäter... Ein Alptraum beginnt.
 
Der schöne Frühlings-Sonntag nimmt auch für Kriminalhauptkommissar Paschulke ein jähes Ende. Seine Gedanken kreisen um einen erst halbfertigen Vortrag, den er anderntags am Rosenhof-Gymnasium in Kreuzberg halten sollte. Thema: Zeitgemäßes Fahrradfahren dank Sicherheit und Gesetzestreue. In Berlin ist Wahlkampf angesagt.
 
Auch die Polizei wird mit gewissen Maßnahmen an Schulen betraut. Kann ja niemand ahnen, dass sich der übereifrige Beamte Dorfner auch berufen fühlt einer Schulklasse Geiselnahme-Situationen anhand konkreter Beispiele zu demonstrieren. Das sind die Stellen in KLEINE BIESTER an denen man um Gnade winselt. Hochkomik vom Feinsten!
 
Irgendwie verknüpfen sich dann die Handlungsstränge. Paschulke, seine taffe Kollegin Zabriskie und der erwähnte total unberechenbare Möchtegern S.W.A.T - Kollege Dorfner („The Dorfner“), sind Ruckzuck in der Bredouille in mehreren Fällen zu ermitteln, die allesamt irgendwie mit den beiden Schulen, bzw. Schülern in der Gegend um den Siegespark zu tun haben. Das sind die Stellen wo man vor Staunen den Mund nicht zu bekommt. Und das in mehrfacher Hinsicht.
 
Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)
 
Total hingerissen bin ich ja schon von diesem lange Zeit unklaren, chaotischen und total fantastischen Verlauf des Kriminalromans. Bis es zu einem roten Faden kommt, dauert es zwar fast ein wenig zu lange, denn es geht trotz einiger Todesfälle unklar unsystematisch vonstatten bei den Ermittlungen. Wobei man den Kommissaren gar nicht einmal so arge Vorwürfe machen kann, denn richtig nachvollziehbar ist das alles nicht, was da vor ihren Augen passiert.
 
Spätestens ab der Hälfte beschleicht den Leser vielleicht schon eine dunkle Ahnung…Der Humor des Autors mit den Anspielungen auf Schulbetrieb, Konkurrenzkampf und gnadenlos ehrgeizige Eltern währt manchmal über zu lange Strecken– und geht gelegentlich etwas auf den Geist.
 
Doch für das ermittlungstechnische Puzzlespiel ergibt sich ein grandioser Spannungseffekt, der in einem furiosen Underground-Spektakel endet, das ich auf diese Art nur von amerikanischen Thriller-Autoren kenne.
 
Nicht zu verachten auch die Doppelsinnigkeit, wenn es um den Ehrgeiz von Sonderlingen geht oder generell um die Forschungsprojekte in der Schule. Und dann noch die „Drogen“-Szene im Park. Was für ein Brüller! Schon klar, ich verrate nix! Das müssen Sie schon selbst herausfinden, was da gespielt wird…
 
Spannende Unterhaltung, mit grandiosen Slapstick-Szenen und gruseligen Schock-Effekten zum Luftanhalten, ist hier definitiv garantiert!
 
KLEINE BIESTER ist broschiert (320 Seiten) im Rotbuch Verlag für 14,95 Euro erschienen.

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