Sonntag, 11. September 2011

Mal ganz unter uns, Frau Profijt....


Foto © Jutta Profijt


Mal ganz unter uns, Frau Profijt, es gibt ihn doch wirklich, diesen Kühlfach-Pascha? Da ist doch ein reales Vorbild in Ihrem Umfeld, dass Sie zu diesem „Frauentyp“ inspiriert, stimmt's?

Um Himmels Willen, nein! Ich könnte diese Nervensäge keine zwei Minuten ertragen, ohne meine gute Erziehung zu vergessen.

Auch erfunden ist er eigentlich unerträglich – aber in seinem beruflichen Umfeld muss eben jede(r) mit Kollegen und Vorgesetzten umgehen, denen man in der freien Wildbahn lieber ausweichen würde.
Das ist auch bei mir nicht anders ;-))


Sie haben Recherche in echten Rechtsmedizinischen Instituten betrieben. Spürt, riecht fühlt man dort den Tod?

Auf jeden Fall riecht es schlecht. Wonach genau, kann ich nicht exakt definieren. Vermutlich eine Mischung aus Verwesung, Desinfektion, Formaldehyd …

Während unserer Dreharbeiten im Institut in Köln wurde einmal eine gerade obduzierte Leiche durch den Gang gefahren, in dem wir standen. Das war eine SEHR unangenehme Erfahrung.

Als eine weitere Leiche in ihr Kühlfach zurückgelegt werden sollte, haben wir alle freiwillig den Flur verlassen. Und das ist nur die olfaktorische Seite.

 Das Wissen, dass hinter jeder silbernen Tür eine Leiche liegt, wiegt ja auch schwer. Im Hörsaal oder den Büros ist von all dem natürlich nichts zu bemerken. Da arbeiten sehr nette Menschen an Arbeitsplätzen, die auch im Einwohnermeldeamt stehen könnten.


Ihr Pascha ist schamlos, dreist, frech. Gibt es ein Tabu im Zusammmenhang mit dem Sterben, dem Tod und dem Jenseits, das Sie nie brechen würden?

Spontan kann ich keins nennen, aber ich habe für Pascha das Motto gewählt: Respektlos aber nie beleidigend. Das versuche ich zu beachten.

Ich finde es völlig okay, wenn die Leser bei seinen Sprüchen in Schnappatmung verfallen, aber niemand soll sich (persönlich) verletzt fühlen.


Als Autorin wartet Pascha quasi eines Tages auf der anderen Seite auf Sie. Aber als Mensch, haben Sie da eine Vorstellung von „drüben“, vom „Jenseits“, haben Sie Angst davor?

Ich glaube an kein Jenseits. Der Mensch stirbt und Schluss. ´

Die Nahtod-Erfahrung ist eben genau das – die Erfahrung eines Lebenden. Die Vision vom „Tunnel und dem Licht“ ist biologisch erklärbar.

Also: Tot ist tot. Insofern habe ich auch keine Angst davor.

Angst hätte ich nur, wenn ich wie Pascha blöd im Jenseits rumschimmeln müsste – vielleicht sogar noch mit ihm gemeinsam? Brrrr!


Sie sind der eine Teil eines Zwillingspärchen. Dürfen wir von Ihrer Schwester eines Tages auch Kriminelles erwarten? Vielleicht einen Krimi über ein intellektuelles, besserwissendes, weibliches Akademiker-Pendant zu Pascha?


Ich fürchte nein, denn meine Schwester hat einen anständigen Beruf und ist im Top-Management eines großen Unternehmens tätig.

Dabei ist sie (auf jeden Fall privat – beruflich kenne ich sie ja nicht) gnadenlos witzig. Sie ist diejenige, die auf Familienfeiern alle unter den Tisch blödelt.

 Vermutlich habe ich überhaupt nur deshalb mit dem Schreiben angefangen, weil mir die lustigen Erwiderungen immer erst auf dem Heimweg einfielen …


Wen würden Sie gerne mal (ungeachtet aller Realitäten) in das Kühlfach neben Pascha für einen kleinen Plausch legen? Angela Merkel? George Clooney?

Frau Merkel ist zu langweilig, George Clooney würde vermutlich nur nach Kaffee jammern …

Vielleicht wäre Guido Westerwelle ein erquickliches Opfer. Pascha der Obermacho hat ja sicher eine ziemlich explizite Meinung zu gleichgeschlechtlicher Liebe (besonders unter Männern) und Guidolein ist ja nicht sehr – hm, sagen wir mal, kritikresistent. Oder frustrationstolerant. Ja, das wäre sicher ganz nett.

Mal ganz unter uns, liebe Frau Profijt, wir können es gar nicht erwarten, Pascha in seinem neuen Fall zu erleben und auch wenn wir Herrn Westerwelle kein Ableben wünschen, auf diesen Kühlach- Dialog wären wir sehr gespannt ;-)

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