Sonntag, 27. Februar 2011

HIMMELREICH UND HÖLLENTAL - Ein toter Detektiv ermittelt himmlisch

Krimi-Rezension von Nicole Glücklich

Dass Tote manchmal größere Nervensägen sein können als Lebende, wissen wir spätestens seit Jutta Profijts Pascha aus dem Kühlfach 4. Und irgendwie scheint es gerade schick zu sein, den Verstorbenen ihre endgültige Ruhe nicht zu gönnen, so auch Peter Paradeiser in seinem etwas mehr als 300 Seiten starken „fantastischen Schwarzwald-Krimi: Himmelreich und Höllental“ – auch wenn der Handlungsort größtenteils doch eher „überregional“ anzusiedeln ist:

Erwin Knautschke ist tot. Das merkt der Privatermittler, als er im Himmelreich erwacht und auf lauter friedfertige, freundliche und vor allem tote Leute trifft.

Nur er hat sich seine penetrante Art erhalten und möchte um jeden Preis herausfinden, wie er zu Tode kam. Mit diesem Wunsch treibt er Gott und dessen Assistenten Erzengel Johannes fast zur Weißglut. Als ihm schließlich ein Kurzaufenthalt auf der Erde gewährt wird, ist Erwin nicht mehr zu halten. Am Ende muss er jedoch einsehen, dass sich – zum Glück – am Lauf der Geschichte nichts ändern lässt.

Obwohl das Thema des aufmüpfigen Toten, der keine Ruhe findet, bevor er nicht die Umstände seines Ablebens (oder wahlweise irgendetwas anderes) auf der Erde herausgefunden hat, wahrlich nicht neu ist, erzählt Peter Paradeiser dennoch eine erfrischend andere Geschichte.

Dass er, bevor er sich dem Schreiben widmete, Pressesprecher einer politischen Partei war, erklärt wohl auch den politischen Einschlag in seiner Erzählung. Dieser, zwar mit großem Augenzwinkern, aber dennoch vorgehaltene Spiegel ist es dann auch, der Paradeisers Krimi knapp an den 5 Sternen vorbeischrammen ließ, auch wenn die politische Farce am Ende mit viel Humor aufgeklärt wird.

Hinzu kommt eine gewisse Länge zu Beginn der Geschichte, als Knautschke sich mit seiner neuen Situation und den Gepflogenheiten im Himmelreich zurechtzufinden versucht.

Ab der Mitte des Krimis baut der Autor jedoch sehr gekonnt und langsam eine Spannung auf, die bis zum Finale anhält. Am Schluss fügen sich alle losen Enden grandios zu einer stimmigen Erzählung zusammen und alle, die stets auf ein Happy End warten, werden im Fall Erwin Knautschke nicht enttäuscht.

Und was das „fantastische“ Element des Krimis angeht, wird sich so mancher nach der Lektüre mit dem Zeitreise-Paradoxon konfrontiert sehen und noch eine Weile darüber nachdenken, ob alles stimmig ist, um abschließend festzustellen: ja, das war es!

Persönliche Meinung: 4,5  Sterne (von 5 möglichen)

Wenngleich „Himmelreich und Höllental“ vom Gmeiner Verlag als Regionalkrimi angekündigt wird, so spricht er doch ein weitaus größeres Publikum an als bloß die Krimi-Fans aus dem Breisgau. Man muss keinen Bezug zu der Region haben, in der die Geschichte spielt, um sie mit Vergnügen zu lesen.

HIMMELREICH UND HÖLLENTAL ist im Gmeiner Verlag als Taschenbuch (324 Seiten)  für  11,90 Euro erschienen.

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