Sonntag, 30. Januar 2011

GUNNAR KUNZ-Krimis - Die Zeit der Weimarer Republik meisterlich in Krimis umgesetzt

Krimi-Rezension von Jörg Völker

Gunnar Kunz präsentiert uns mit seinen Romanen DUNKLE TAGE (Berlin 1920) und ORGANISATION C (Berlin 1922) zwei Werke, die sehr viele Leser verdienen.

Dem Autor gelingt es auf ganz unverkrampfte Weise, die turbulenten ersten Jahre der Weimarer Republik lebendig werden zu lassen. Anschaulich wird die unruhige Zeit beschrieben, lehrreich, ohne Politik und (oder) Zeitgeschichte nur trocken und überaus sachlich abzuhandeln.


Die jeweiligen Kriminalfälle sind sorgsam eingebettet in den zeitlichen Kontext. Die handelnden Personen versuchen nach dem niederschmetternden Ende des 1. Weltkrieges und dem Zusammenbruch des Kaiserreiches zu überleben und sich neu zu orientieren.

Die Demokratie ist nur ansatzweise verwirklicht, immer wieder ernsthaft bedroht von Putschversuchen und Putschen als auch von Attentaten gegen führende Politiker, sowohl von rechts als auch von links.

Die Siegermächte und die Nachbarstaaten Deutschlands drohen zusätzlich mit Eingriffen in die deutsche Innenpolitik und (oder) werden sogar tätig. Wirtschaftskrisen, schleichende oder galoppierende Geldentwertung verunsichern und bedrohen vor allem den kleinen Mann, aber letztendlich die meisten Menschen.

Als „Helden“ seiner Romane lernen wir ein ungewöhnliches Ermittlertrio kennen: den engagierten Berliner Kriminalkommissar Gregor Lilienthal, seinen Bruder Hendrik, einen Philosophieprofessor an der Humboldt-Universität in Berlin sowie Diane Escher, Assistentin von Professor Max Planck, eine junge Physikerin.

Der Professor und die Assistentin unterstützen Gregor bei seiner täglichen Arbeit und seinen Ermittlungen mit Rat und Tat. Manchmal gegen seinen ausdrücklichen Wunsch oder sogar entgegen polizeilichen Anweisungen. Ihr philosophischer Denkansatz und ihr naturwissenschaftliches Talent geben oftmals neue Impulse für die Ermittlungsarbeit und Fall-Lösung. Besonders die beiden kriminalistischen Amateure geraten mehr als einmal im Eifer des Gefechts in lebensbedrohliche Situationen.

Die Schilderung der für damalige Verhältnisse „modernen“ Lebensführung der Protagonisten und ihre vielfältigen beruflichen und privaten Kontakte ermöglichen einen breitgefächerten Einblick in das Leben in dieser Zeit quer durch viele Gesellschaftsschichten.

Persönliche Meinung: 5 ***** (von 5 möglichen)

Alles in allem sind beide Bücher für mich eine gelungene Mischung von Kriminalroman und Zeitinformation, echte historische Kriminalromane, die als eigenständige Werke gesehen werden können.

Das Lesen des einen Romans ist nicht zwingend notwendig für das Verständnis des anderen, aber aufgrund der Qualität der Bücher empfehlenswert!

Im März 2011 erscheint ein neuer Kunz-Krimi INFLATION (Berlin 1923)

DUNKLE TAGE (broschiert 191 Seiten) und ORGANISATION C  (broschiert 212 Seiten) sind als Sutton-Krimi für 9,90 Euro erschienen.

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