Dienstag, 4. Juli 2017

SCHATTEN DES VERBRECHENS - Das Attentat im Münchner Einkaufscenter vor einem Jahr / ZDFinfo True Crime Reportage

Die 14-jährige Armela Segashi war das erste Opfer des Amokläufers
© ZDF und Gerald Gareis

TV-Tipp / TV-Kritik von Nicole Ludwig

Am 22. Juli 2017 jährt sich der Amoklauf im Münchner Olympia Einkaufszenrum. Aus diesem Anlass sendet ZDFinfo am Donnerstag (06.07.17) um 20:15 Uhr eine True Crime Doku, die an die opfer erinnern soll. Ab jetzt ein Jahr in der Mediathek.

22. Juli 2016: Der 18-jährige David S. geht in der McDonalds Filiale gegenüber dem Olympia Einkaufszentrum in München  auf eine Sitzgruppe zu, in der 5 Jugendliche essen. Er fragt noch, ob es ihnen schmecke, zieht eine Waffe und erschießt alle fünf Teenager

Nachdem er das Restaurant verlassen hat, schießt er weiter um sich, -das letzte Opfer findet er im Einkaufszentrum. Er flüchtet in ein Parkhaus und danach in eine nahe gelegene Wohnanlage, in der die Polizei  ihn nach etlichen Stunden voll Angst und Panik später stellt. 

David S. setzt seinem Leben selbst ein Ende, indem er sich erschießt. Soweit die Seite des Täters. 

Doch wie sieht es auf der Seite der Opfer aus? Wie geht es den Angehörigen? Werden sie in ihrer Trauer allein gelassen oder bekommen sie Unterstützung?

Die Journalistin Sarah Tacke hat die Familie Segashi, die bei dem Amoklauf ihre Tochter Armela verlor, ein knappes Jahr nach der Tat aufgesucht.

SCHATTEN DES VERBRECHENS ist eine  True Crime Reportage, die sehr betroffen macht. 

Sarah Tacke geht in dieser sehenswerten Dokumentation sehr behutsam mit der Familie der ermordeten Armela um. Sie sitzt einer Mutter gegenüber, die vor lauter Trauer kaum sprechen kann.

Der Vater stürzte in derart tiefe Verzweiflung, dass er nicht mehr arbeiten kann. Die Schwester hat mit Armela auch ihre einzige und beste Freundin verloren. Sie wiederum versucht, sich mit Arbeit abzulenken. Eine Therapie hat sie abgebrochen, weil sie dort immer nur stundenlang weinte.

Der große Bruder musste sehr schnell erwachsen werden. Er war gezwungen, sein Studium zu unterbrechen, um seinen Eltern zu helfen. Er erledigt alles Bürokratische (das Opferentschädigungsgesetz regelt das Finanzielle, aber die Antragspflicht liegt bei den Betroffenen), mit dem sie überfordert sind.

Auch er zerbrach fast an dem Tod der kleinen Schwester, scheint aber der Einzige zu sein, dem man zutraut, dass es für ihn eine halbwegs normale Zukunft geben kann. Er nimmt sein Leben in die Hand und wird von einem großen Freundeskreis und seiner Fußball-Mannschaft unterstützt. 

4 Minuten, 57 Schüsse, 9 Tote. Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Unerträgliches Leid.

Eine wirkliche Erklärung gibt es trotz der 270 Seiten Ermittlungsakte nicht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.