Freitag, 26. Mai 2017

SZENE DEUTSCHLAND Unter Tätern mit Sascha Bisley - True Crime Doku in ZDFinfo

© ZDF und Ekki Wetzel
TV-Tipp / TV-Kritik von Nicole Ludwig

Am Samstag (27.05.17) um 20:15 Uhr ist bei ZDFinfo die True Crime Doku "Szene Deutschland – Unter Tätern" mit Sascha Bisley zu sehen.

Der Moderator Sascha Bisley, selbst ein verurteilter Totschläger mit Gefängnis-Erfahrung, trifft in dieser True Crime-Reportage zunächst auf Dieter Gurkasch. Dieser tötete bei einem Überfall auf brutalste Weise eine Ladeninhaberin und saß in zwei Etappen mehr als 25 Jahre wegen Raubmordes, anderen Überfällen und einer Schießerei mit der Polizei im Gefängnis. Sieben Jahre davon in Isolationshaft. Er versuchte auszubrechen und war an einer Gefängnis-Revolte beteiligt. Seit fünf Jahren ist er wieder in Freiheit und heute als Yogalehrer mit eigenen Workshops tätig. 

Ein weiteres Gespräch führt Bisley mit dem Jungen „Fabian“ (Pseudonym). Er wäre beinahe zu einem Massenmörder geworden, denn er plante einen Amoklauf bei einer Schulveranstaltung. Bei ihm fand man Macheten, eine Armbrust, selbst gebastelte Molotowcocktails und einen Sprengsatz. Erst Im letzten Moment überlegte er es sich anders und griff eine Polizeistreife an, in der Hoffnung, erschossen zu werden. 

In der dritten Unterhaltung trifft Bisley auf die Eltern eines Opfers, Mirko Schlitter. Dieser wurde missbraucht und ermordet. Erst viele Monate später wurde die Leiche des Jungen gefunden. Die Eltern schildern ihren Umgang mit der Tat. 

Eine Reportage von Sascha Bisley, die unter die Haut geht. Drogen und Gewalt bestimmten sein eigenes Leben. Mit 19 verprügelte er zusammen mit einem Freund den Obdachlosen Jonathan, der später an den Folgen des Angriffs starb. Im Gefängnis kam das Selbstmitleid, gefolgt von einem Suizidversuch.

Erst danach lernte Bisley, sich der eigenen Verantwortung bewusst zu werden. Auch die anderen Täter berichten, dass sie lernen mussten, die Schuld nicht bei anderen oder den Umständen zu suchen und gaben zu, immer die Entscheidung gehabt zu haben, ob sie eine Tat begingen oder nicht. 

Besonders eindrucksvoll ist das Gespräch mit Mirkos Eltern, die dem Täter vergeben haben. Was sich zuerst seltsam oder gar empörend anhört, hat auf den zweiten Blick eine zwingende Logik. Es geht nicht in erster Linie um den Täter, dem sie vergeben. Sie tun das, um nicht ihr eigenes Herz und ihre Seele mit Hass und Rachegedanken zu vergiften. 

Vergebung als Selbstschutz, nicht als „gute Tat“ für den Mörder ihres Sohnes. 

Man wünscht sich, dass besonders Jugendliche, die ihre Zeit mit sinnloser Herumtreiberei und vermeintlicher Kleinkriminalität oder auch Drogen- und Alkoholkonsum verbringen, die Reportage sehen. Es sollte jedem bewusst sein: Strafe endet irgendwann, Schuld niemals.

Auch die von Sascha Bisley nicht.

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