Sonntag, 7. Mai 2017

DER GUTACHTER Ein Mord zu viel - Spannender ZDF-Thriller

Copyright: ZDF/Hannes Hubach
TV-Tipp / TV-Kritik von Hannah Weidthaus

"Der Gutachter - Ein Mord zuviel" wird am Montag, 8. Mai 2017 um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen sein.

Forensische Psychiater entscheiden über das Schicksal von Straftätern und damit auch letztlich über die Sicherheit, das Leben, ihrer Mitbürger. Sie tragen viel Verantwortung und fürchten vor allem eines: den Irrtum.

Dr. Robert Siedler macht als psychiatrischer Gutachter einen guten Job. Er ist einfühlsam und distanziert zugleich, hat viel Erfahrung und beweist Rückgrat, er verteidigt eigene in sorgfältiger Arbeit erworbene Überzeugungen gegen alle Widerstände.

Aktuell muss er im Fall des inhaftierten Friedhelm Knecht, psychisch angeschlagener Ex-Alkoholiker und Gewaltverbrecher eine Entscheidung treffen. Nach gründlicher Prüfung führt Siedlers Gutachten zur Freilassung Knechts. Doch kurz darauf geschieht ein Mord, bei dem alles auf Knecht hindeutet. 

Der Verdächtige ist flüchtig, der Fall geht durch die Presse und der Ehemann des Opfers (selbst kein Unschuldslamm) sieht rot. Dr. Siedler ist nicht nur für die Medien der Schuldige, der für den Mord verantwortlich gemacht wird. Von allen Seiten unter Druck, unternimmt er waghalsige Alleingänge, begeht Fehler und versucht, den vermeintlichen Täter (und sein eigenes Gewissen) zu entlasten. 

Man kennt das: Ein vorbestrafter, geistig erkrankter Krimineller wird aus der psychiatrischen Obhut aufgrund es psychiatrischen Gutachtens entlassen und -entgegen aller Prognosen- wieder straffällig, und schon wollen alle den Kopf des Gutachters.

Auf dieser Ausgangssituation entfaltet sich der wirklich spannende Thriller, der das Dilemma eines Psychiaters vor Augen führt, der täglich entscheiden muss, ob ein Mensch weiter in Gewahrsam bleibt, weil er eine Gefahr darstellt, oder ob er frei zu lassen ist und damit möglicherweise rückfällig wird. Und der nicht nur der Gesellschaft, sondern auch dem Gesetz und seinem eigenen Gewissen Rechenschaft für seine Entscheidung -egal wie sie ausfällt- geben muss.

In einer zweiten Handlungsebene hat Dr. Siedler in einem anderen Verbrechen zu ermitteln, ob die geständige Täterin schuldig und schuldfähig ist. In beiden Fällen zeigt sich das Problem eines forensischen Psychiaters: er kann sich naturgemäß auf die Aussagen seines Gegenübers nicht verlassen und muss selbst einschätzen, was Wahrheit und was Lüge ist, wobei es besonders tückisch ist, dass Täter sich selbst oft gar nicht als "Lügner" empfinden sondern nur ihrer eigenen Fehleinschätzung, ihrer subjektiven Wahrheit,  unterliegen.

Ein nicht handlungsführendes Intermezzo mit einer Stalkerin Dr. Siedlers, das nicht abgeschlossen wurde, lässt vermuten, dass hier womöglich eine Serie geplant ist, die in Anbetracht der persönlichen Situation Dr. Siedlers am Filmende auf weitere spannende Episoden hoffen lässt.

Benjamin Sadler als Dr. Siedler kann dem Zuschauer tatsächlich etwas wie "Verständnis" für die Problematik vermitteln, denn im Grunde gibt es nur zwei "Lösungen", Fehlentscheidungen und ggf. Opfer zu vermeiden: Todesstrafe oder für immer wegsperren. Alternativen, für die es in unseren Zeiten womöglich eine wachsende Anhängerschar gibt...

Buch: Jochen Bitzer
Kamera: Hannes Hubach
Musik: Johannes Kobilke
Regie: Christiane Balthasar

Besetzung
Robert Siedler - Benjamin Sadler
Kathrin Siedler - Jasmin Gerat
Rebekka - Johanna Polley
Friedhelm Knecht - Michael A. Grimm
Ayla Cordes - Sesede Terziyan
und andere

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