Montag, 17. April 2017

DURCH NACHT UND WIND - Die criminalistischen Werke des Johann Wolfgang von Goethe. Aufgezeichnet von seinem Freunde Friedrich Schiller / Hörbuch

Hör-Tipp von Nicole Glücklich
Redaktionsmitglied Bakerstreet Chronicle

DURCH NACHT UND WIND - 
Die criminalistischen Werke des Johann Wolfgang von Goethe. 
Aufgezeichnet von seinem Freunde Friedrich Schiller 

Obgleich kriminalistische Verstrickungen eigentlich nicht unbedingt das Spezialgebiet des Autors Stefan Lehnberg darstellen, weiß er hier durchaus damit zu überzeugen:

Der Großherzog von N. ist zutiefst beunruhigt. Er hat einen Brief erhalten, in dem behauptet wird, dass ein Smaragdring, der sich in seinem Besitz befindet, mit einem alten Fluch beladen sey. Dieser soll unfehlbar den Tod seines Besitzers herbeiführen. Anna Amalia, die Mutter von Weimars Regenten Carl August, bittet Goethe und Schiller, den Großherzog, der mit seiner Familie im Lustschloss Belvedere bey Weimar untergebracht ist, aufzusuchen. 

Sie sollen ihn davon überzeugen, dass die Geschichte mit dem Fluch Unfug sey und er sich keine Sorgen machen müsse. Da der Großherzog sich als höchst unsympathisch erweist, beschließen Goethe und Schiller, ihn in seiner Angst noch zu bestärken. 

Doch in selbiger Nacht verstirbt der Großherzog. Die Umstände sind der Art, dass weder eine natürliche Todesursache, noch Mord oder Selbstmord in Frage kommen. 

Eine unmögliche Situation. Goethe und Schiller werden gebeten, die Angelegenheit discret zu untersuchen. (Klappentext-Variante  des gebundenen Buches in alter Schreibweise)

Schon der Teasertext verspricht nicht nur kurzweilige Unterhaltung, sondern auch mit Liebe zum Detail eine Darstellung des 18. Jahrhunderts und seiner Sprache und Gepflogenheiten.

Lehnberg gelingt mit der Charakterisierung der beiden Dichter und ihres „criminalistischen“ Problems wunderbar der Spagat zwischen Weimarer Klassik und der Liebe der Deutschen zum Kriminalroman.

Da lässt es sich auch verschmerzen, dass manche Dialoge aus dem Holmes’schen Kanon geborgt zu sein scheinen: Goethe als der nüchterne und logische Denker treibt den Fall voran, während Schiller den Part seines nicht immer so flinken Watsons übernimmt. Da ist es denn auch kein Zufall, dass ausgerechnet Oliver Kalkofe den Erzähler der Hörbuchfassung mimt, wo er doch auch schon oft als Erzähler eben jener Geschichten in Aktion getreten ist. 

Stefan Lehnberg ist als Autor vielleicht eher wenigen ein Begriff, seine Stimme jedoch haben die meisten vermutlich schon einmal gehört. Er schreibt und produziert nämlich nicht nur die Radio-Comedy „Küss mich, Kanzler!“, die sich um das fiktive Privatleben der Bundeskanzlerin dreht, sondern leiht auch Ehemann Joachim Sauer seine Stimme.

Für Freunde klassischer Literatur und feinen Humors sind die „criminalistischen Werke“ eine ganz klare Empfehlung – vor allem auch in der pointierten Lesung von Oliver Kalkofe. Ich nehme an, dass es davon eine Fortsetzung geben wird und freue mich darauf!


Autor: Stefan Lehnberg
Verlag: DAV
Auflage: März 2017
Sprecher: Oliver Kalkove
ungekürzte Lesung
Audio CD mit 5 Std. 34 Min.
Preis: 17,99 €

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