Donnerstag, 10. November 2016

MODUS Der Mörder in uns - Enttäuschende Skandinavien-"Thriller"-Serie im ZDF / als Stream vorab


TV-Tipp/TV-Kritik von Hannah Weidthaus

"MODUS – Der Mörder in uns" ist als vierteilige Krimireihe in deutscher Erstausstrahlung  ab Sonntag (20.11.16) um 22.00 Uhr, als deutsche TV-Premiere zu sehen. Ab Freitag (11.11.16) vorab in der Mediathek auf Deutsch sowie im schwedischen Originalton. 

Die Serie basiert auf dem Roman GOTTESZAHL von Anne Holt, hat aber nach der Drehbuch-Bearbeitung von Mai Brostrøm & Peter Thorsboe (THE TEAM) leider nur noch wenig von dessen Spannung und Tempo:

Ein amerikanischer Profi-Killer (Marek Oravec), in einem Wohnwagen im Wald, hat einen Koffer mit sechs Handys. Auf jedem Handy sind Informationen zu einer Person gespeichert, die er töten soll.

Schon bei der ersten Person geht etwas schief. Ein Mädchen mit Zügen des Asperger Syndroms wird zufällig Zeugin des Mordes. Dieses Mädchen ist zufällig Tochter der Kriminalpsychologin, Inger Johanne Vik (Melinda Kinnaman), die zufällig kurz vorher in den USA beim FBI gearbeitet hat und sich dann später im Verlauf der Serie zufällig an einen Fall in den USA erinnern kann, der später zur Aufklärung des Falls führt.

Über vier mal neunzig Minuten sterben nach und nach homosexuelle Menschen, die alle miteinander verbunden waren. Was Inger Johanne Vik und dem ermittelnden Kommissar, Ingvar Nyman (Henrik Norlén) aber erst lange nach dem Zuschauer klar wird.

In der Serien-Zeit jagt der Mörder mal Inger Johannes Tochter Stina, um sie zu ermorden, mal belässt er es aber auch bei einer Drohung/Einschüchterung (für einen Profi-Killer eine völlig absurde Vorgehensweise).

Während dessen steigt die Mutter mit dem Kommissar zur Besprechung der Fakten wahlweise unter die Dusche (es wird viel geduscht) oder ins Bett, was dann zu mindestens zwei weiteren absurden Gelegenheiten führt, in denen der Kommissar die Mutter nicht weckt, obwohl in der Nacht z.B. ihre Kinder verschwunden sind, weil er sie gerne "ausschlafen lassen möchte".

Allerdings macht es auch kaum einen Unterschied ob die hysterisch zickige "Mutter" (man ist wirklich froh, dass die Töchter von Inger Johanne einen besonnenen Vater haben) wach ist oder schläft, denn ihr Ermittlungsbeitrag kommt über gelegentliche Hausfrauenpsychologie mit Psycho-Raterei und ein, zwei "Eingebungen" nicht hinaus. 

Ist die erste Folge MODUS "Der Mörder in uns" noch einigermaßen spannend und animiert zum Spekulieren über die Zusammenhänge zwischen den Opfern, werden die weiteren Episoden durch Längen, Unlogik, Privat-Kram der Ermittler und wenig tatsächliche Handlung ständig ausgebremst. Dazu trägt auch bei, dass immer wieder ganze Passagen in amerikanischem Englisch (untertitelt) gesprochen werden.

Wer glaubt, dass das Durchhalten bis zum Ende (im Original 8 Episoden) mit einer clever durchdachten Story belohnt würde, merkt in der letzten Folge, dass die Geschichte einfach nur unlogisch, schrecklich konstruiert und völlig sinnfrei angelegt wurde. Anders als die Romanvorlage, geht sie in keinem Moment wirklich unter die Haut.

Man fragt sich: Wozu braucht ein Serien-Killer sechs Handys (nicht mal SIM-Karten)? Ein Auftragskiller bräuchte nur einen (!) USB-Stick -wenn überhaupt-, der sich wesentlich besser transportieren, verstecken und entsorgen ließe. Ein cleverer Auftragskiller bräuchte nicht einmal das, es gäbe genügend virtuelle Möglichkeiten. Aber nein, er wirft lieber sechs Handys, nach den Aktionen weg...

Auch der Sinn des Serien-Titels: "MODUS Der Mörder in uns"? erschließt sich nicht. Aber das sind nur zwei von vielen Fragen, die sich dem Zuschauer am Ende der Serie stellen.

Einziges Lob gilt der schauspielerischen Leistung dreier Darsteller:
Das Mädchen "Stina" wird von Esmeralda Struwe sehr glaubwürdig dargestellt, was auch für ihre kleine Schwester Linnea Vik durch Lily Wahlsteen gilt, und auch Erik Lindgrens Not als Ehemann der toten Bischöfin wird von Wallander-Darsteller Krister Henriksson so authentisch inszeniert, dass die Not des Ehepaares über vier Jahrzehnte hinweg wirklich greifbar wird.

Ein Kompliment, das man leider weder Melinda Kinnaman als Inger Johanne Vik noch Henrik Norlén  für dessen blasse Vorstellung als Kommissar Ingvar Nyman machen kann.

Fazit: Diese Serie wird den Büchern von Anne Holt mit der Protagonistin Inger Johanne Vik nicht gerecht. Zum Bügeln als Hintergrundserie ganz nett, für echte Thriller-Fans, die Serien wie DIE BRÜCKE / KOMMISSARIN LUND / ARNE DAHL oder ähnliches mögen, ist sie weniger interessant.

Drehbuch:  Mai Brostrøm & Peter Thorsboe
Kamera: Erik Persson
Musik: Jacob Groth
Regie: Mani Maserrat

Darsteller
Johanne Vik - Melinda Kinnaman
Ingvar Nyman - Henrik Norlén
Richard Forrester - Marek Oravec
Isak Aronson - Simon J Berger
Stina Vik - Esmeralda Struwe
Linnea Vik - Lily Wahlsteen
Marcus Ståhl - Magnus Roosmann
Rolf Ljungberg - Peter Jöback
Patricia Green - Liv Mjönes
Astrid Friberg - Ellen Jellinek
Noah Ståhl - Primus Lind
Lukas Lindgren - Johan Widerberg
Sophie Dahlberg - Josefine Tengblad
Sundberg - Gerhard Hoberstorfer
Annika - Tind Soneby
Marianne Larsson - Eva Melander
Sigrid Maria Löwgren
Birgitta Aronson - Szusanne Ernrup
Tobias Faber - Mårten Klingberg
und andere

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