Sonntag, 16. Oktober 2016

DER TAUBENTUNNEL - Die Geschichten aus John le Carrés Leben bleiben vage und wenig persönlich

Hörer-Meinung von Jörg Völker

Ich bin ein Fan von John le Carré. Dementsprechend habe ich mich auch auf sein Buch DER TAUBENTUNNEL gefreut, angekündigt als persönlicher Bericht über sein Leben, seine Begegnungen mit anderen Prominenten und seine Recherchen an den Original-Schauplätzen seiner Romane.

Ich bin leider sehr enttäuscht!

Sein Bericht ist oftmals vage, beschränkt sich auf rein Anekdotisches, ohne jede erkennbare Ordnung, in ziemlich willkürlicher Reihenfolge. Nur in wenigen Schilderungen blitzt das unbestreitbare Können des Autors auf. Ziemlich oft kokettiert er mit der fehlenden Genauigkeit seiner Erinnerung, was er mit seiner Verschwiegenheitsverpflichtung nur unzureichend erklärt.

Sehr persönlich wird er eigentlich nur bezüglich seiner Kindheit, ohne Mutter aufzuwachsen und auch später ohne Bindung und Gefühle zu ihr. Ein weiterer Höhepunkt ist die Schilderung seines Vaters, der als notorischer Hochstapler und begnadeter Geschichtenerzähler Einiges an seinen Sohn weitervererbt hat.

Es wäre interessanter gewesen, dem Verhältnis zu seinen Eltern mehr Raum zu geben, denn es hätte sicher mehr Aussagekraft über die Person John le Carrés als die eingestreuten Berichte über die Begegnungen mit Prominenten!

Walter Kreye als Sprecher der Hörbuchfassung gibt zwar sein Bestes, vermag aber die Schwächen der Textvorlage nicht vergessen zu machen.

Autor: John le Carré
Verlag: Hörbuch Hamburg
Auflage: September 2016
Sprecher: Walter Kreye
10 Audio CD mit 785 Min.
ungekürzte Lesung
Preis: 21,99 €

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