Montag, 17. Oktober 2016

DER ANGSTMANN (Hörbuch) - Frauenmord in Dresden zur Zeit der Bombardierung 1944/1945

Krimi-Tipp von Nicole Glücklich (Deutsche Sherlock Holmes Gesellschaft)

Mit DER ANGSTMANN legt Goldammer den Grundstein für eine neue Erzählreihe um den Kriminalinspektor Frank Heller, zu der bereits das zweite Buch in Planung ist. Zur Handlung:

Dresden, November 1944: Die Bevölkerung leidet unter den anhaltenden Kriegszuständen und den täglichen Entbehrungen. Flüchtlingsströme drängen in die Stadt. Bombenalarme gehören zum Alltag. 

Da wird Kriminalinspektor Max Heller zu einer grausam zugerichteten Frauenleiche geholt. Schnell geht das Gerücht um: Das war der Angstmann, der nachts durch die Gassen schleicht. Heller gibt nichts auf das Gerede. 

Inmitten der Wirren des letzten Kriegswinters macht er sich auf die Suche nach einem brutalen Frauenmörder. Nicht nur sein linientreuer Vorgesetzter Rudolf Klepp legt Heller dabei Hindernisse in den Weg. Als im Februar 1945 die Stadt in einem beispiellosen Bombenhagel dem Erdboden gleichgemacht wird, hält man auch den Mörder für tot. Doch der Angstmann kehrt zurück...

Die ungekürzte Hörbuchfassung wird gelesen von Heikko Deutschmann, der sowohl als Schauspieler wie auch als Sprecher kein Unbekannter ist. Der gebürtige Österreicher macht seine Arbeit bei diesem Hörbuch sehr gut und liest das Buch in zehn Stunden und dreizehn Minuten zwar unaufgeregt und ruhig, aber dennoch differenziert, so dass man der Handlung sehr gut folgen kann.

Der Autor Frank Goldammer ist gebürtiger Dresdner und eigentlich gelernter Maler und Lackierer. DER ANGSTMANN ist keineswegs sein erster Roman. Er begann schon mit 20 Jahren Bücher zu schreiben, die er im Selbstverlag publizierte. Seither entstanden diverse Kriminalromane, Thriller, Kurzgeschichten und ein Sachbuch.

Ich persönlich fand den Roman sehr spannend. Gewisse Parallelen zur heutigen Zeit, vor allem was die Flüchtlingsströme und die Ablehnung jener Fremden gegenüber angeht, zeigt der Autor wohl bewusst auf. 

Die Geschichte bleibt spannend bis zum Schluss, hat meiner Meinung nach selbst als ungekürzte Lesung kaum Längen und offenbart die grausame Realität jener Zeit – nämlich des Zweiten Weltkriegs. 

Nun ist dies (selbst heute noch) ein heikles Thema und auch nicht gerade meine Spezialität. Daher habe ich mir erlaubt, im Vorfeld dieser Rezension Meinungen anderer Leser, speziell Einheimischer, anzusehen, und muss sagen, dass mich einige Reaktionen doch arg erstaunten. 

Da ist die Rede davon, dass es unverantwortlich sei, „Morde à la Jack the Ripper mit solch einem schlimmen Ereignis wie der Bombennacht vom 13. Februar 1945 in Verbindung zu bringen und daraus auch noch Profit zu schlagen“. 

Natürlich erlaubt sich der Autor Freiheiten, aber sonst handelte es sich bei DER ANGSTMANN ja auch um ein Sachbuch und nicht um einen Kriminalroman. Leider bestätigen solche Aussagen vielmehr die Vermutung, dass das Trauma des Zweiten Weltkriegs noch nicht völlig überwunden ist, sondern vielmehr totgeschwiegen wird. 

Warum sollte ein solches Ereignis nicht Eingang in einen Kriminalroman finden? Solange es die Ereignisse weder verharmlost noch überzeichnet, sehe ich kein Problem darin. Und das tut Frank Goldammer nicht – im Gegenteil: Er stellt die schwierige Lage der Bewohner nachvollziehbar dar und zeichnet interessante Figuren, die ab und an vielleicht einen Tick überzeichnet wirken, doch wer will schon sagen, ob Menschen in solchen Ausnahmesituationen sich nicht genau so benehmen.

Obwohl es sich um grausame Morde handelt, ist die Schilderung innerhalb der Geschichte nicht übermäßig brutal

Insgesamt handelt es sich bei DER ANGSTMANN um einen sehr spannenden Kriminalroman, der jedoch eher Fans von historischen Romanen empfohlen sei.

Autor: Frank Goldammer
Verlag: DAV
Auflage: September 2016
Sprecher: Heikko Deutschmann
1 MP CD mit 10 Std. 13 Min.
ungekürzte Lesung
Preis: 13,99 €

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