Dienstag, 27. September 2016

DIE SCHANDE DER LEBENDEN (Hörbuch) - Am Ende mit überraschender Wendung

Krimi-Tipp von 
Nicole Glücklich (Vorstandsmitglied Deutsche Sherlock Holmes Gesellschaft)

Für viele dürfte Marc Billingham kein Unbekannter mehr sein – für mich war DIE SCHANDE DER LEBENDEN sein erster Roman. Zum Inhalt:

Fünf Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, versammeln sich jeden Montag im selben Haus. Sie alle sind Verlorene, die in ihrem Leben Schande auf sich geladen haben und sich nun auf der Suche nach Hilfe zufällig begegnet sind. In ihrer Mitte sitzt der Therapeut Tony De Silva, der eine ganz eigene Vergangenheit hat. 

In ihrem Kreis offenbaren sich die fünf gegenseitig ihre dunkelsten Geheimnisse. Dabei gibt es nur eine Regel: Nichts von dem, was zwischen ihnen besprochen wird, darf jemals nach außen dringen. Selbst als einer der fünf ermordet aufgefunden wird, bricht keiner sein Schweigen. Und doch ist nichts mehr wie zuvor. Denn zum Kreis gehört nun auch ein Mörder – der alles über die anderen weiß. Verlagsinfo

Der 55-jährige Autor Mark Billingham wurde vor allem durch seine Tom-Thorne-Romane berühmt. Er ist jedoch auch als Schauspieler und Drehbuchautor tätig und tritt sogar als Stand-Up Comedian auf. Sein erster Roman (dt. „Der Kuss des Sandmanns“) wurde von der BBC mit David Morrissey in der Hauptrolle verfilmt. Nachdem er zusammen mit seinem Kollegen Peter Cocks 1997 selbst Opfer eines Verbrechens wurde, bei dem er entführt und in einem Hotelzimmer in Manchester ausgeraubt worden war, inspirierte ihn dieser Vorfall zu seinem zweiten Roman „Die Tränen des Mörders“. Billingham lebt heute mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in London.

Ich möchte vorausschicken, dass mich die Geschichte am Ende tatsächlich mit ihren Wendungen überrascht hat. 

Allerdings ist dies wohl eher der geschickten Erzählstruktur als der herausragenden Geschichte zu verdanken. Die Geschichte ist in viele kleine Häppchen unterteilt, die zwei Erzählstränge „damals“ und „heute“ aneinanderreiht. Beide bewegen sich vom Anfangspunkt fort: Einer in die Vergangenheit, der andere in die Zukunft. 

Wie man sich vorstellen kann, trägt das bei einem Hörbuch nicht gerade zum Verständnis der Gesamtgeschichte bei. Im Gegenteil ist die Story über weite Teile eher ermüdend und man verliert recht schnell den Faden. 

Vor allem da der überwiegende Teil der Erzählung von Therapiesitzungen der Gruppe und den Spannungen der Teilnehmer untereinander und ihrer inneren Konflikte handelt – und die Figuren an sich relativ flach gehalten und klischeebeladen sind. Insofern ist das Taschenbuch vielleicht diesmal die bessere Wahl.

Insgesamt wird die Geschichte erst ab der Hälfte wirklich spannend und kann ab dem letzten Drittel interessante Wendungen aufweisen, das Rad hat Mark Billingham aber auch nicht gerade neu erfunden. 

Die Erzählstruktur dürfte jeden an den großartigen Film „Memento“ erinnern und die Handlung vielen aus der einen oder anderen Agatha-Christie-Geschichte bekannt vorkommen. 

Es handelt sich um einen von Uve Teschner als Sprecher solide erzählten Krimi. Vielleicht liegt das Problem einfach darin, dass in diesem Genre schon so ziemlich jede Geschichte erzählt wurde und neue Bücher nur noch von interessanten Charakteren am Leben erhalten werden. Das ist bei dieser Geschichte leider nicht der Fall.

Autor: Mark Billingham
Verlag: GoyaLit
Auflage: August 2016
Sprecher: Uve Teschner
4 Audio CD mit 5 Std 21 Min.
gekürzte Lesung
Preis: 19,99 €

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