Sonntag, 25. September 2016

DIE AKTE WHITECHAPEL - Komplexes Krimi-Spiel in schöner grafischer Aufbereitung

Krimi-Spiel getestet von Nicole Glücklich 
(Vorstandsmitglied Deutsche Sherlock Holmes Gesellschaft)

Zuallererst besticht das Brettspiel „Die Akte Whitechapel“ (Neuauflage) vom Heidelberger Spieleverlag durch seine tolle grafische Aufbereitung

„Die Akte Whitechapel“ kann von 2 bis 6 Spielern gespielt werden und ist mit einer Dauer von ca. 90 Minuten angegeben. Am Thema des Spiels sollte man sich nicht stören – wenn man ein Spiel mit diesem Titel kauft, ist es wohl klar, dass es um die brutalen Frauenmorde von 1888 geht.

Die Vorbereitung nimmt recht lange in Anspruch. Für alle, die gerne ein Spiel auspacken und direkt loslegen, ist dieses eindeutig nicht geeignet. 

Am besten schaut man sich zur Vorbereitung gleich eine YouTube-Anleitung an, dann wird die Spielidee und vor allem der Spielablauf klarer als mit der beiliegenden Anleitung. 

Diese kann bei später auftretenden Fragen natürlich immer noch zurate gezogen werden und bietet – neben den Spielregeln – auch viele Hintergrundinformationen zu den echten Mordfällen. 

Besonders gefallen haben mir auch die Details der Spielkarten. Die Charakterkarten der Nicht-Ripper-Spieler sind echten Ermittlern der Zeit nachempfunden, wie etwa Inspector Abberline, Inspector Swanson oder Inspector Reid

Hat man die Spielregeln endlich einigermaßen verstanden, geht es los.

Ein Spieler übernimmt die Rolle von Jack the Ripper, alle anderen Spieler sind die Ermittler und versuchen, den Kriminellen zu erwischen, bevor dieser das Feld erreicht, das er sich ganz zu Beginn als seinen Unterschlupf ausgesucht hat. 

Dazu hat der Ripper fünfzehn Züge lang Zeit, die sich verringern, wenn er zum Beispiel eine Droschke nimmt oder einen Häuserblock durch den Hinterhof durchquert. Wie bei den echten Mordfällen gibt es vier Nächte, in denen der Ripper vom Tatort aus fliehen muss. 

Da der Ripper und die Ermittler auf unterschiedlichen Feldern ziehen (die Felder des Rippers sind durchnummeriert), haben die Ermittler nur die Möglichkeit abzufragen, ob sich der Ripper auf einem Feld um sie herum befunden hat, also dieses auf seiner Flucht passiert hat, oder ob er sich nun gerade darauf befindet. 

In diesem Fall kann der Ermittler Jack the Ripper verhaften – liegt er jedoch daneben, ist der Durchgang für ihn beendet. 

Jeder Spieler darf pro Zug nur maximal zwei Felder vorrücken. Die Vorbereitung der beiden Phasen „Hölle“ (also der Mord) und „Jagd“ sind etwas umständlich. Zuerst müssen die Opfer samt täuschender Blankosteine auf die dafür vorgesehenen Felder, dann die Ermittler samt Blankosteine nach gewissen Regeln gelegt werden. 

Erst wenn der „Mord“ passiert ist, dessen Tatort der Ripper-Spieler auswählt, werden die Ermittler durch ihre richtigen Spielsteine ersetzt. Wo die Ermittler auf dem Spielfeld stehen, entscheidet der Ermittler, der in der Rangfolge gerade an der Reihe ist, danach ziehen alle reihum.

Das Ziel des Spiels besteht natürlich darin, Jack the Ripper zu überführen. Das ist aber gar nicht so einfach. Schaffen die Ermittler es nicht, hat Jack the Ripper gewonnen – erwischen sie ihn aber oder schafft er es nicht, innerhalb der vorgegebenen Züge sein Versteck zu erreichen, hat er verloren. 

Fazit: Wer das Spiel "Scotland Yard" mag, wird an "Die Akte Whitechapel" ebenfalls Vergnügen haben. 

Die Spielregeln haben meiner Meinung nach ein paar Schwächen: Die komplizierte Aufstellung der Ermittler in jeder neuen Runde zum Beispiel oder die Tatsache, dass Jack the Ripper neben einem Ermittler stehen kann und eventuell trotzdem nicht überführt wird, nur weil dieser die falsche Frage stellt… 

Zudem ist es nachher natürlich schwer nachzuprüfen, ob Jack the Ripper bei seiner Flucht nicht geschummelt hat, denn die gezogenen Felder werden zwar auf einem Block notiert, sind im Nachhinein aber nicht mehr nachvollziehbar. 

Trotzdem ist es nach dem „Einspielen“ sehr spannend und unterhaltsam – und das Spieldesign ist wirklich genial!

DIE AKTE WHITECHAPEL (neue überarbeitete Auflage)
Verlag: Heidelberger Spieleverlag
2-6 Spieler
Preis: 35,95

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