Donnerstag, 28. April 2016

SEBASTIAN BERGMANN - Zwei neue, langweilige Fälle von Hjorth & Rosenfeldt in der Reihe SPUREN DES TODES im ZDF & auf DVD

© ZDF und Johan Paulin
TV-Tipp/TV-Kritik von Hannah Weidthaus

Das ZDF hat zwei neue skandinavische Krimis mit Sebastian Bergman aus der Reihe "Spuren des Todes" im Sonntagabend-Programmm.

Rolf Lassgård spielt erneut den Ermittler, der sich durch die Mordfälle, die es zu lösen gilt, seiner eigenen schwierigen Persönlichkeit stellen muss.

Die beiden Koproduktionen für den ZDF-Sonntagskrimi entstanden wieder nach Drehbüchern der schwedischen Autoren Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt.

Tod in der Silbermine (Sonntag, 1. Mai 2016) um 22:00 Uhr
Im Ort Ludvika werden drei junge Frauen tot in einer Silbergrube aufgefunden. Scheinbar kollektiver Selbstmord nach dem Besuch eines Rockkonzertes.

Doch Kriminalpsychologe Sebastian Bergman teilt die Einschätzung seines von ihm verachteten Kollegen nicht. Er findet heraus, dass die drei zwar selbstmordgefährdet waren, aber eine vierte Person sie vergiftet haben muss.

Er trifft bei den Ermittlungen auf Sandra Heed, einer Freundin der Toten, die wie Bergman 2004 ihre Familie beim Tsunami in Thailand verlor und damit auch ihren Lebenswillen. Ist sie das nächste Opfer? 

Tod im Kloster (Sonntag, 8. Mai 2016) um 22.00 Uhr
Vor vier Jahren wurde Ludvig Mattisson beschuldigt, zwei behinderte Jungen qualvoll getötet zu haben, wurde aber mangels Beweisen zum Entsetzen von Polizei und Eltern freigesprochen.

In der Nähe von Göteborg wird er jetzt selbst tot (in einem Acker vergraben) gefunden. In der Nähe wird zufällig auch das "Grab" der zehnjährigen, verschwundenen Andrea Branting gefunden. Hat Mattisson auch Andrea umgebracht und dort verscharrt?

Kriminalpsychologe Sebastian Bergman bezweifelt das. Andrea passt nicht ins Opfer-Schema, war nicht behindert. Die Spuren führen zu einem Nonnenkloster, in dessen Gästehaus Mattisson Buße tun wollte und nach Erlösung suchte. Spielt Exorzismus eine Rolle?

Es gibt TV-Krimi-Serien (gerade solche von Hjorth & Rosenfeldt wie  z.B. DIE BRÜCKE), die werden von Folge zu Folge spannender und besser. SEBASTIAN BERGMAN  - SPUREN DES TODES gehört nicht dazu.

Quälend langsam ermittelt der "Kriminalpsychologe" (viel zu Psychologisieren gibt's nicht) in dem sehr konstruierten Fall "Tod in der Silbermine", immer begleitet von der allgegenwärtigen, lähmenden Trauermusik, die wohl sein schweres Tsunami-Schicksal unterstreichen soll. Dabei gebärdet er sich wie ein Kotzbrocken der Extraklasse und reißt egoistisch sogar das Glück seiner heimlichen Tochter mit sich.

Und dann: Immer wieder Sebastian Bergman, dargestellt vom 61-jährigen (!) Rolf Lassgård beim Sex. Die Frauen umschwirren ihn wie die Motten das Licht und das aus nahezu jeder Altersklasse. Sexsucht dürfte sich in der Realität von Männern dieser Alters-, Gewichts- und Gehaltsklasse eher im Prostituierten-Millieu abspielen.

Da ist man geradezu dankbar, dass die Mutter Oberin im Fall "Tod im Kloster" kein potentielles Bergman-Betthäschen ist, und dieser sich darauf konzentrieren kann -nebenbei- auch seinem Chef die Geliebte auszuspannen.

"Tod im Kloster" ist spannender als "Tod in der Silbermine", dennoch punktet die Bergman-Reihe leider nicht mit Thrill, wie man ihn von den Autoren Hjorth & Rosenfeldt und anderen Skandinaviern gewohnt ist.

Sebastian Bergman ist ein spannungsausbremsender, eitler, miesepetriger Widerling, bei dem man plötzlich merkt, wie sehr einem Kurt Wallander fehlt.

Die DVD / Blu-ray "SEBASTIAN BERGMANN - Spuren des Todes" ist ab 06. Mai für 20,99 € erhältlich.

Darsteller:
Sebastian Bergman -  Rolf Lassgård
Vanja Lithner - Moa Silén
Torkel Höglund - Tomas Laustiola
Billy Rosén - Christopher Wagelin
Ursula Andersson - Gunnel Fred

Regisseur(e):
Jörgen Bergmark, Leif Magnusson
Sprache: Schwedisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 6. Mai 2016
Produktionsjahr: 2013
Spieldauer: 200 Minuten

Kommentare:

  1. Kurt Wallander ist in den Filmen wirklich nicht schlecht. Aber in den Büchern ist er das, was sie oben von Sebastian Bergmann beschrieben haben, ein unerträglicher Kotzbrocken. Man fragt sich immer wieder, warum der noch als Polizist auf die Öffentlichkeit losgelassen wird. Habe vor Jahren nach, glaube ich sechs Wallander-Romanen aufgehört. Möchte ihn am Anfang, aber das hat sich gelegt.
    Nach bisher zwei gesehenen Sebastian-Bergmann-Filmen finde ich Ihre Persönlichkeitsbeschreibung sehr treffend. Gilt auch im Roman…
    Freue mich aber darauf, dass im Mai nach langer Pause endlich wieder mal ein Fall von John Rebus veröffentlicht wird.
    Im Übrigen: Krimikiosk ist Spitze. Besuche die Seite seit etwa 5 Jahren mindestens einmal wöchentlich, zu Informationszwecken und zur Freizeitplanung. Liebe die Podcasts.
    Habe jetzt lange die Worte vermisst: "Das Leben kann sehr kurz sein."
    Danke an alle, die diese Seite gestalten und beleben!

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    1. Hallo, Herr Oehme,
      es freut uns immer wieder, wenn wir von langjährigen Hörern/Lesern Feedback bekommen.
      Ihre Wallander-Einschätzung teile ich persöhnlich auch.

      Und auch der trinkfeste Rebus hat mein Krimi-Herz erobert.

      Sie haben meine "letzten Worte" vermisst?
      Dann werde ich sie für Sie und alle, denen es genauso ging, in der nächsten Woche wieder mitreinnehmen.

      Herzliche Grüße aus Köln
      Ihre Petra Weber

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