Dienstag, 2. Februar 2016

BOZEN-KRIMI - Zwei neue Folgen der Heimatkrimi-Serie (ARD)

© ARD Degeto/Marco Nagel
TV-Tipp / TV-Kritik von Hannah Weidthaus

Die ARD sendet aus ihrer neuen Serie gleich zwei „Bozen-Krimis", die donnerstags am 4. und 11. Februar 2016 um 20:15 Uhr im Ersten ausgestrahlt werden: „Das fünfte Gebot" und „Herz-Jesu-Blut".

Man erinnere sich (oder versuche es) an den ersten Teil Wer ohne Spuren geht  im Januar 2015: 
Die deutsche Kommissarin Sonja Schwarz (neu bei der Kripo Bozen) muss sich fragen, ob ihr Ehemann Thomas (Xaver Hutter) vor Jahren ein 15jähriges Mädchen umgebracht hat, wie der ganze Ort, inklusive ihrer Kollegen, zu glauben scheint.

Neu als Verdächtiger sind jetzt dabei: Hotelier und Politiker Stefan Keller (Heio von Stetten), der auch ein dunkles Geheimnis zu verbergen scheint und geschützt wird von seiner ehrgeizigen Frau Charlotte (Julia Stemberger)? Ebenfalls neu dabei der Restaurantbesitzer und Super-Mafioso Francesco Rossi (Thomas Sarbacher)

Als eine Leiche im Kalterer See treibt, Kokain gefunden und ein Ausflugswirt vom Traktor überfahren wird, hat die Kripo Bozen mit den aktuellen Fällen alle Hände voll zu tun.

Sonjas neuer Chef Matteo Zanchetti (Tobias Oertel) nimmt ihr wegen Befangenheit den Fall ab. Doch wie nicht anders zu erwarten (hat man je in einem Krimi erlebt, dass ein Protagonist sich daran hielte?), ermittelt sie natürlich unverdrossen und am Rande der Legalität  weiter.

Thorsten Näter führte Regie in den beiden neuen Folgen, während der erste Bozen-Krimi "Wer ohne Spuren geht" noch unter Regie von Marcus Ulbricht gedreht wurde. Vielleicht liegt es daran oder an dem Umstand, dass die Geschichte mit einem Jahr Unterbrechung jetzt erst fortgeführt wird, doch die drei Teile mögen nicht so recht zusammenpassen und der ursprüngliche Spannungsbogen ist raus. 

Die Rollen sind schwarz-weiß ohne echte Zwischentöne verteilt, die Kommissarin hegt nicht einen Moment wirklich Zweifel an der Unschuld ihres Mannes, eine neue blonde Rechtsmedizinerin namens HEIDI (ja, wirklich) versucht sich komödiantisch durch stetes Erscheinen am Tatort mit Baby auf dem Arm (wahnsinnig realistisch) und am Ende kommt es  so wie man es mit Beginn des zweiten Krimis exakt befürchtet hat.

Highlights: 
Thomas Sarbacher, der die Karrikatur des Mafioso Francesco Rossi in einer Robert de Niro-Version so würdevoll spielt, dass man die unnötige Überzeichnung verzeihen mag und Bettina Mittendorfer als Bettina Riedlinger, der man, wenn sie mit der zerknitterten Postkarte ihres Liebhabers in der Hand blutig geprügelt wird, den Schmerz ihrer verlorenen Träume wirklich abnimmt und zeigt, was aus der Serie werden könnte, wenn man die Klischees (sogar die bissige Ex-Schwiegermutter von Sonjas Ehemann wird am Ende handzahm) rausnähme und ihr mehr echte Tiefe gäbe . 

Ansonsten versickert die Story als leidlich unterhaltsamer Südtiroler Heimat-Krimi mit den dazu gehörigen schönen Landschaftsbildern und den klassischen Familien-Melodram-Effekten ohne großen Nachhall.

Sonja Schwarz - Chiara Schoras
Matteo Zanchetti - Tobias Oertel
Thomas Schwarz - Xaver Hutter
Laura Schwarz - Charleen Deetz
Katharina Matheiner - Lisa Kreuzer
Jonas Kerschbaumer - Gabriel Raab
Peter Kerschbaumer - Hanspeter Müller-Drossaart
Heidi Grüner - Floriane Daniel

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