Freitag, 29. Januar 2016

SCHÄNDUNG - Jussi Adler Olsens zweiter Thriller im ZDF

© ZDF und Chris Geisnaes
TV-Tipp / TV Kritik von Hannah Weidthaus

SCHÄNDUNG, nach einer Vorlage des gleichnamigen Thrillers von Jussi Adler Olsen, wird in einer Free-TV-Premiere im ZDF-Montagskino am 1. Februar 2016 um 22.15 Uhr zu sehen sein.

In ihrem zweiten Fall werden Carl Mørck  (Nikolaj Lie Kaas) und sein ungewöhnlicher Gehilfe Assad (Fares Fares) auf einen mehr als 20 Jahre zurückliegenden Doppelmord aufmerksam. Der Selbstmord eines alten Polizisten, der genauso verzweifelt wie vergeblich versucht hatte, den angeblich aufgeklärten Fall durch das Sonderdezernat Q bearbeiten zu lassen, weckt bei Mørck Zweifel an dem seinerzeit verurteilten Mörder und dem angenommen Tatvorgang.

Das dänische Ermittler-Team stößt nämlich auf einen damals bei der Polizei eingegangenen Notruf einer Schülerin, die auf verhängnisvolle Weise in die Morde verstrickt zu sein scheint und nun durch die Neuaufnahme auf der Todesliste der Mörder zu stehen scheint.

Ein Elite-Internat und seine ehemaligen Schüler rücken in den Fokus des Sonderdezernats Q, dem jetzt auch Rose (Johanne Louise Schmidt) als Mitarbeiterin angehört. 

Die Schülerin Kimmie (Sarah-Sofie Boussnina / jung) könnte der Schlüssel zur Lösung sein. Sie ist seit der Tat aber spurlos verschwunden.

Kimmie (Danica Curcic / ältere) lebt inzwischen auf der Straße. Ihre Enthüllungen wären eine große Gefahr für eine Reihe einflussreicher Männer – und die tun alles, damit sie für immer schweigt.

Regisseur Mikkel Nørgaard legt SCHÄNDUNG wie bereits seinen Vorgänger ERBARMEN in düsteren Farben und tragischer Stimmung an. Es geht - ganz wie in der Roman-Vorlage - extrem brutal zu. Anders als im Vorgänger-Thriller gelingt es Nørgaard hier jedoch eine Handlungslogik zu vermitteln und damit Spannung aufzubauen.

Leider zeigt sich in der Verfilmung wieder allzu deutlich Adler Olsens Realitätsschwäche, wenn z.B. Mørck zwei Schläge mit einer Eisenstange frontal gegen den Kopf bekommt und einfach wie gehabt weitermacht. Was sich im Buch schnell "überliest" wirkt visualisiert störend. Gleiches gilt für den Inhalt von Kimmies Tasche.

Die eigentliche Perversion der Mörder ("Jagd") kommt nicht deutlich motivgebend in der zwangsläufig stark gekürzten Filmfassung durch. Wie schon im ersten Teil ERBARMEN dürften die Zusammenhänge hier nur Lesern des Buches in ihrer ganzen Tragweite klar sein.

Völlig außer Acht lässt der Drehbuchautor Nikolaj Arcel den privaten Hintergrund mit der vom Romanautor horizontal erzählten Ausgangs-Geschichte um die Vorgänge, die einerseits zur Lähmung von Mørcks Freund und Kollegen führten, andererseits die Erklärung für den Gemütszustand des Sonderdezernatsleiters sind. Und bedauerlicherweise gibt der Drehbuchautor auch Assad immer noch nicht den geheimnisvollen Background, den Adler Olsen ihm zugedacht hat.

SCHÄNDUNG wurde, wie der erste Teil ERBARMEN, als deutsch-dänische Koproduktion realisiert und an zahlreichen Schauplätze in Schleswig-Holstein gedreht. So wurden die Internatsszenen auf Gut Grabau im Kreis Storman gedreht. Das Krankenhaus, die Schule und das Versteck von Protagonistin Kimmie liegen in Hamburg, wo unter anderem auf dem Hafengelände gedreht wurde.

Die Regie zu Teil 3, ERLÖSUNG, der am 9. Juni 2016 in die deutschen Kinos kommen wird, konnte Nørgaard aus Zeitgründen nicht mehr übernehmen. Der norwegische Regisseur Hans Petter Moland ("Einer nach dem anderen") ist hier verantwortlich und man darf gespannt sein, ob dieser einen besseren Zugang zu den Protagonisten Carl Mørck, Assad und  Rose hat.

Carl Mørck - Nikolaj Lie Kaas
Assad - Fares Fares
Kimmie - Danica Curcic
die junge Kimmie - Sarah-Sofie Boussnina
Rose - Johanne Louise Schmidt

Buch: Rasmus Heisterberg & Nicolaj Arcel nach einer literarischen Vorlage von Jussi Adler-Olsen

Regie Mikkel Nørgaard

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