Samstag, 2. Januar 2016

DAS PROGRAMM - Hochspannender Thriller mit erstklassiger Besetzung, brillant inszeniert (ARD)

© ARD Degeto/Christiane Pausch
TV-Tipp / TV-Kritik von Hannah Weidthaus

Das neue Jahr fängt für Thrillerfans rasant an: DAS PROGRAMM (ARD Degeto) wird am Montag 4. Januar 2016 um 20:15 Uhr im Ersten gezeigt und wartet mit drei Stunden purer Spannung auf.

Plötzlich ist alles anders: Die vermögende Familie Dreher muss ihr bisheriges verwöhntes Leben von einer Minute zur nächsten komplett aufgeben, weil der Vater, Banker Simon Dreher, Insiderwissen über illegale Geschäfte des dubiosen Unternehmers Philip Darankow hat und sich selbst dabei strafbar gemacht hat.

Die Familie schwebt in Lebensgefahr und wird in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Was sich zunächst wie ein komfortabler, sicherer Hafen anhört, hat für jedes Familienmitglied schwerwiegende, einschneidende Konsequenzen. Sie alle müssen ihr bisheriges Leben, ihre Lieben, ihre Heimat, ihre Vergangenheit und ihre Zukunftspläne aufgeben. Das Leben im Luxus ist unwiderruflich beendet.

Über Nacht sind sie als Familie plötzlich andere Menschen mit ihnen fremden Namen, fremder Biografie in einer noch fremderen Umgebung. Dabei schweben sie in ständiger Gefahr, entdeckt zu werden, sich zu verraten und leben mit der wachsenden Erkenntnis, nicht mehr Herr über ihre eigenen Leben zu sein. 

Der Thriller DAS PROGRAMM überzeugt mit einer erstklassigen Besetzung ausnahmslos aller Charaktere rund um Darstellerin Nina Kunzendorf, die das Beschützer-Team glaubwürdig als kühle unnahbare LKA-Beamtin Ursula Thern anführt. 

Eine hochspannende Handlung (mit vielen großen und kleinen Überraschungen und Wendungen) die fotografisch sehr modern und ästhetisch ansprechend umgesetzt wurde, lässt die beachtliche Sendezeit von 3 Stunden schnell verfliegen. 

Trotz etlicher Action-Szenen wird der Zuschauer nicht durch den Film gehetzt, das Drehbuch von Grimme-Preisträger Holger Karsten Schmidt gibt einzelnen Szenen genügend Raum für Entwicklung, ohne dass es dabei zu echten Längen käme. Man erlebt hautnah mit, was es bedeutet in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen zu werden und verliert alle Illusionen über ein "tolles neues Leben irgendwo in einem Urlaubsparadies". Die Realität ist wesentlich schlichter.

Der ehemalige Hamburger LKA-Leiter Wolfgang Siedlaff hat den Film in div. Medien kommentiert und bestätigt, dass das gezeigte Vorgehen in weiten Teilen der seit 30 Jahren gängigen bundesdeutschen Praxis entspricht. 

Gerade die in DAS PROGRAMM gezeigten "Marker" (Personen aus dem alten Umfeld der Umgesiedelten / "Verpflanzten", die in einem "Vertrag mit der Bundesrepublik Deutschland" zwangsverpflichtet werden, verdächtige Vorgänge zu melden) ist übliche Praxis. Lediglich die im Film aus dramaturgischen Gründen gezeigte Vermischung von Ermittlungs- und Personenschutzaufgaben gibt es in der Realität zur Vermeidung von Zeugenbeeinflussungen nicht.

Der Titelsong „Is Your Love Strong Enough“ von FEMME SCHMIDT, geschrieben von Bryan Ferry,  passt auf verschiedenen Ebenen zum Thriller-Inhalt, ansonsten, wenn man unbedingt etwas an dem Thriller DAS PROGRAMM kritisieren möchte, könnte die Musikuntermalung allgemein etwas weniger dominant sein.

DAS PROGRAMM kann locker mit skandinavischen Thrillern wie DIE BRÜCKE oder LUND mithalten und lässt den Zuschauer mit dem Wunsch zurück, aus dem Thema möge sich eine Serie entwickeln.

Achtung: Bis zur allerletzten Minute genau hinsehen!

Ursula Thern - Nina Kunzendorf 
Simon Dreher - Benjamin Sadler 
Nadja Lenz - Alwara Höfels 
Mario Kreutzer - Carlo Ljubek 
Rieke Dreher - Stephanie Japp 
Lona Dreher - Paula Kalenberg
Victor Miro - Heiner Lauterbach
Anton Dreher - Daan Lennard Liebrenz
David Wendt - Ludwig Blochberger
Ernst Pramann - Paul Faßnacht 
Rolf Kahles - Kai Scheve 
Philip Darankow - Wladimir Tarasjanz 
Adam Barisha - Kasem Hoxha 

Regie: Till Endemann 
Buch: Holger Karsten Schmidt 
Kamera: Michael Schreitel 
Szenenbild: Andreas C. Schmid 

Musik: Enis Rotthoff 
Schnitt: Jens Müller

Produktionsleitung: Frank Lübke 
Herstellungsleitung: Sascha Ommert, Kirsten Frehse (ARD Degeto) 
Produzent: Marc Conrad (ConradFilm) 
Producerin: Maren Knieling (Bavaria Fernsehproduktion) 

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