Freitag, 18. Dezember 2015

KOJOTEN - Das Schicksal kreuzt die Wege dreier Menschen im Grenzland zwischen Mexiko und USA

Krimi-Tipp von Jörg Völker

In seinem Roman KOJOTEN beschreibt Sam Hawken das Grenzland zwischen Mexiko und den USA und das Leben dort auf eine ungewöhnliche Weise. In drei aufeinanderfolgenden Kapiteln beschäftigt er sich ziemlich ausführlich mit entscheidenden Lebensabschnitten sehr unterschiedlicher Personen: a) der Texas Rangerin Ana Torres, b) dem Ladenbesitzer Luis Gonzales und c) der Marisol Hernandez aus El Salvador

Im Finale verknüpft er dann die Geschehnisse.

Der Stoff ist hochaktuell, auch für uns, angesichts der dramatischen Ereignisse in Europa und des daraus resultierenden Konflikts durch unterschiedliche Länder-Standpunkte zum Thema "Abgrenzung oder Zuwanderung". An der Straße von Gibraltar und am Kanal ist es nicht besser. Wachsende Radikalisierung der Politik, Erstarken der extremen Parteien und Angst vor Fremden schaffen große Veränderungen im Zusammenleben der Menschen.

Sam Hawken, gebürtiger Texaner, schildert uns in relativ ruhiger, unaufregter Erzählweise die schrecklichen Vorkommnisse in Amerika, die dadurch noch eindrucksvoller wirken.

Ana Torres reitet und fährt Patrouille im Grenzgebiet, wobei sie die Zäune der Rancher kontrolliert. Einmal findet sie einen erschossenen Mexikaner, getroffen im Rücken. Auch entdeckt sie einen der makabren Vergewaltigungsbäume, an dem die Verbrecher die Unterwäsche der von ihnen vergewaltigten Frauen und Mädchen aufreizend drapieren. 

Luis Gonzales handelt auf mexikanischer Seite mit Ausrüstungsgegenständen für Flüchtlinge. Er war früher ein sogenannter Kojote, ein Schleuser, der sich erschüttert von den grausamen Taten während der Grenzgänge von dem Geschäft zurückgezogen hat. 

Er ist gerade dabei, eine neue Familie zu gründen, als er von den örtlichen Chefs der Schmugglerbanden (Menschen und Drogen) gezwungen wird, erneut als Kojote zu arbeiten.

Marisol Hernandez, fristet ein erbärmliches Leben in einem kleinen Dorf in El Salvador. Sie träumt schon lange von einem besseren Dasein in den USA. Sie hat seit Jahren Englisch gelernt und Geld für die Reise nach Mexiko und die Einreise gespart. Nach dem Tod der Großmutter macht sie sich auf den gefährlichen Weg.

Gegen Ende des Buches kreuzen sich die Wege der drei Protagonisten im spannenden Finale.

Sam Hawken hat ein sehr empfehlenswertes Buch geschrieben, das uns eines der drängendsten Probleme unserer Zeit, das Schicksal von Flüchtlingen, drastisch vor Augen führt. 

Ihre Hilflosigkeit und der unmenschliche Umgang mit ihnen wird exemplarisch und einfühlsam erzählt.

Autor: Sam Hawken
Format: broschiert
Seitenzahl: 390
Verlag: Polar
Übersetzung: Karen Witthuhn
Preis: 14,90 €
eBook-Version: 9,99 €

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