Samstag, 31. Oktober 2015

SILVIA S. Blinde Wut - Studie eines Amoklaufs (ZDF)

© ZDF und Stephan Rabold
TV-Tipp / TV-Kritik von Liane Liebenrath

Das ZDF zeigt in der Reihe "Der Fernsehfilm der Woche" am Montag (02.11.15) um 20:15 Uhr SILVIA S. - BLINDE WUT.

Eigentlich wäre es ein traumhaftes Leben für Silvia Schubert (Maria Simon): Ein Mann, der sie liebt, eine hübsche Tochter, ein großes luxuriöses Haus. Wäre da nicht der Druck von außen, der auf ihr lastet. 

Von der Mutter wird sie ständig aufgefordert, ihr mehr Enkelkinder als nur eines zu schenken, sie hätte ja sonst nichts zu tun. Damals traf sie die Entscheidung, als studierte Architektin mit perfektem Abschluss und großer Aussicht auf Karriere, entweder wie die Schwester im Architekturbüro des Vaters zu bleiben oder sich dem Kind zu widmen. Sie entschied sich für Kind und Familie, die Schwester blieb in der Firma. 

Doch eines Tages entschließt sich Silvia, wieder in den Beruf einsteigen zu wollen. Nach einigem Hin und Her bekommt sie von ihrer Schwester den Auftrag, einen Entwurf für eine Lobby auszuarbeiten und schiesst dabei haushoch übers Ziel hinaus, sie entwirft ein komplettes Hotel mit vielen Details, stellt dafür sogar ein Modell her in Handarbeit, vernachlässigt ihre Familie, besteht nur noch aus dem Gedanken der bald zu erwartenden Anerkennung.

Die bleibt jedoch aus, es hagelt Vorwürfe von der großen Schwester, mit der sie früher schon konkurriert hatte, als sie beide noch erfolgreiche Biathletinnen waren. Silvia, mehrfache deutsche Meisterin, verlässt ihre Familie und kehrt zum Biathlonstand zurück, nimmt ihr Gewehr wieder auf und versucht ihre karriereverwöhnte Vergangenheit wieder aufzuwecken.

Mann und Tochter können sie nicht mehr verstehen, ihre Mutter und ihre Schwester entwickeln sich zu ihren Feinden und in einer Spirale der Verzweiflung beschliesst sie sich blutig an allen zu rächen, die sie für ihren Zustand verantwortlich macht.

Eine Heranführung an das Thema Amoklauf, so verständlich wie ein Kochrezept. Ob es wirklich so einfach wäre, es so viele Möglichkeiten gibt, einen Amoklauf zu verhindern? Ob man Zeichen so überdeutlich sieht, darf man bezweifeln. Gleich von Beginn an ist klar, wie es enden wird, die Szenen des Amoklaufs werden der Geschichte vorangestellt, dadurch hat man die Gelegenheit etliche Stellen im Film als Schlüsselerlebnisse zu bewerten die aber auch teilweise leider sehr plump angelegt sind.

Und es kommt einiges zusammen: Zusammenbrüche, die nicht therapiert werden, auch wenn diejenige sich nicht freiwillig behandeln lassen würde, gäbe es Chancen dazu. Der Entzug des Kindes, die wahnhafte Liebe zum Kind, die eigene Mutter die eigentlich keine ist, der hilflose Mann. 

Sehenswert, auch wenn die Ereignisse sich im wahren Leben wahrscheinlich subtiler entwickeln und nicht so viele Punkte plakativ zusammentreffen, um eine Kurzschlussreaktion oder einen geplanten Amoklauf auszulösen.

Regie:    Friedemann Fromm
Buch: Katrin Bühlig
Musik: Stefan Mertin, Martin Hornung
Produzent: Benjamin Benedict
Producer: Verena Monssen
Produktionsleitung: Ralf Krawanja
Produktion: UFA FICTION

Länge 84'41 Minuten

Rollen / Darsteller
Silvia Schubert - Maria Simon
Andreas Schubert - Florian Lukas
Uta Giseke - Sophie von Kessel
Laura Schubert - Paula Hartmann
Eva Giseke - Ulrike Kriener
Caro Giseke - Cornelia Gröschel
Trainer - Tim Wilde
Elvira Schubert - Ulrike Bliefert
Horst Schubert - Günter Junghans
und andere

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.