Mittwoch, 21. Oktober 2015

FRAUENMÖRDER HEINRICH POMMERENKE - Kriminalistisches Dokumentarspiel

Erzähler (Martin Rentzsch)
Bild: © SWR/Monika Maier
Zumindest im Radio ist der Serienmörder Heinrich Pommerenke noch sehr aktiv. Diesmal beschäftigt sich am Freitag (08.08.15) SWR2  um 22:33 Uhr mit ihm in der Krimi-Doku mit dem "FRAUENMÖRDER HEINRICH POMMERENKE - Eine Spurensuche". Lief zuletzt im August 2015.

Was heißt lebenslänglich? 49 Jahre saß der Frauenmörder Heinrich Pommerenke (1937–2008) in Bruchsal im Gefängnis –  länger als jeder andere Häftling in der Bundesrepublik Deutschland. Als Leiter der Religionsabteilung beim SDR und SWR hat sich der Autor dieser Sendung Johannes Weiß viele Jahre mit dem "Fall" beschäftigt und Pommerenke häufig besucht.

Am frühen Morgen des 1. Juni 1959 rattert der "Scharnow-Hummel-Express" durch Südwestdeutschland. Sein Ziel ist die italienische Riviera. Draußen herrscht noch tiefe Dunkelheit. Zu den Passagieren des D-Zugs gehört eine 21-jährige Frau. Kurz hinter Freiburg verlässt sie ihr Liegewagenabteil und geht zur Toilette. 

Sie merkt nicht, dass ihr ein Mann folgt. Während die junge Frau auf der Toilette ist, öffnet der Unbekannte draußen vorsichtig die Zugtür – 1959 haben Züge noch keine automatische Türblockade. Als die Frau kurz darauf die Toilette verlässt, versetzt ihr der Mann einen kräftigen Stoß. Mit lautem Schrei stürzt sie durch die geöffnete Zugtür, bei Tempo 100. Schwer verletzt bleibt sie zwischen den Gleisen liegen. Die anderen Passagiere merken nichts.

Der Mann zieht die Notbremse und springt hinaus in die Dunkelheit. Er sucht und findet sein Opfer, das er stöhnen hört. Mit einem Messerstich in den Hals tötet er die junge Frau. Dann schleift er die Tote vom Bahndamm herunter und vergeht sich an ihr.

Es ist bereits der vierte der grausamen Frauenmorde, die Südwestdeutschland Ende der 50-er Jahre in Angst versetzen. Irgendwo lauert ein Serienkiller, hinter Büschen, auf einsamen Wegen, an Bahnunterführungen. Schließlich, am 19. Juni 1959, kommt der Polizei ein Zufall zu Hilfe. 

Der Kunde eines Schneiders im Schwarzwaldstädtchen Hornberg holt einen bestellten Anzug ab. Er wolle nur noch schnell zum Friseur, sagt der Mann – und lässt seine Tasche zurück, die verdächtig schwer ist. Der Schneider findet darin ein abgesägtes Kleinkalibergewehr.

Später hören die vernehmenden Beamten mit wachsendem Entsetzen das umfassende Geständnis des schmalen, blonden Mannes. "Vor Ihnen sitzt kein Mensch, sondern der Teufel", sagt er von sich selbst. 

Am 22. Oktober 1960 wird der 23-jährige Heinrich Pommerenke vom Landgericht Freiburg zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt: wegen Mordes in vier Fällen, Mordversuchs in zwölf Fällen, wegen versuchter Notzucht und gefährlicher Körperverletzung, wegen schweren Raubes und räuberischer Erpressung.

35 Jahre später, ein Augustmorgen in Bruchsal, eine halbe Autostunde von Karlsruhe entfernt. Das mächtige Stahltor der Justizvollzugsanstalt öffnet sich – heraus tritt der Strafgefangene Heinrich Pommerenke zu seiner allerersten "Ausführung" seit der Verhaftung im Juni 1959. Für einige Stunden darf er - in Begleitung eines Vollzugsbeamten und eines Pfarrers - in die Freiheit.

Johannes Weiß, geboren 1952 in Osterode am Harz, absolvierte nach einem Zeitungsvolontariat bei der "Mainzer Allgemeinen Zeitung" ein Jura-Studium in Mainz und Frankfurt. Über die Evangelische Kirche in Deutschland und die Evangelische Akademie Tutzing kam er zum Evangelischen Pressedienst (epd), wo er sechs Jahre lang als Nachrichtenchef arbeitete, bevor er 1991 zum Süddeutschen Rundfunk wechselte. Seit 2007 ist er SWR2-Programmchef.

Musik: Andreas Bernhard
Regie: Mark Ginzler
(Produktion: SWR 2013)

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