Dienstag, 13. Oktober 2015

DER TOTE AM GLETSCHER - Tolle Sprecherleistung des Hörbuch-Krimis

Krimi-Tipp von Liane Liebenrath

„Nachts auf dem Gletscher, da hat man nicht zu sein“ sagen die Leute in Schnals.

Wie recht sie haben! Der Skipisten-Toni muss aber dort sein, weil er einen Teil der wunderbaren Skilandschaft rund um Schnals, der Kurzform für das Schnalstal, mit seiner Pistenraupe restauriert, damit es morgens wieder perfekt präparierte Pisten für die zahlreichen Touristen gibt. 

Das Dorf Kurzras unten, das eigentlich nicht unten liegt weil es schon auf 2000 Metern Höhe ruht, hat außer Touristen noch ein paar interessante Einwohner zu bieten: u.a. einen Bürgermeister der für alles Mögliche eintritt, einen Skiliftbauer in der Pleite.  Kurzras ist kein fiktives Dorf sondern existiert wirklich, der höchstgelegene Ort im Tal.

Nachts, am Gletscher, da gehen die Geister um, sagen die Leute auch. Eine Legende, bis der Skipisten-Toni eines Nachts ein Licht sieht während er seiner Arbeit nachgeht. Er verfolgt den Schatten und den Schein der Lampe, weil er befürchtet, dass es ein Tourist ist, der in eine Gletscherspalte fallen könnte. Ein großer Gegenstand wird ins Dunkle geworfen, das Licht verschwindet und Toni kontrolliert mit dem, was da abgeworfen wurde und wird dabei niedergeschlagen. Es ist ein Toter, ermordet durch eine Pfeilspitze im Hals wie sich später herausstellt.

Was die Pfeilspitze so interessant macht, ausgerechnet am Grawand, und wieso sich alle so freuen, dass die Pfeilspitze wieder aufgetaucht ist, erklärt sich durch die älteste Eismumie, den Ötzi, wie er genannt wird. Denn genau dort in diesem Gebiet wurde Ötzi gefunden, samt dieser Pfeilspitze, alle beide 5000 Jahre alt.

Commissario Johann Grauner aus dem Eisacktal muss sich des Falls annehmen, eigentlich Nebenerwerbslandwirt oder Nebenerwerbskommissar, so ganz genau weiss man das nicht. Assistiert wird ihm von Ispettore Saltapepe, selbernanntem Mafiajäger, und beide verschwinden immer tiefer in der Vergangenheit, bis es am Weihnachtsabend zum Show Down kommt.

Dort oben, wo der Himmel so nah ist wie nirgendwo sonst, wo nur Stille herrscht, wo es das ganze Jahr über weiss ist, wo eine Anzahl von Gipfeln von knapp 3000 Metern (und darüber) zu sehen ist und sonst rein gar nichts, dort also passiert ein Mord. 

Noch dazu an einem Einsiedler, mit der Pfeilspitze von Ötzi, der haarscharf dort in diesem Gelände nach 5000 Jahren vom Eis freigegeben wurde. Genau dort oben, wo bis heute die Carabinieri di Financa noch immer einen Außenposten, eher Hochposten, haben um mögliche Schmuggler die es heutzutage nicht mehr so häufig gibt, auf Tabak und Alkohol zu kontrollieren. 

In der heilen, sauberen und klaren Welt ermitteln ein studierter Jurist, der eigentlich Bauer ist, und ein Neapolitaner, der mit der Südtiroler Mentalität so seine Probleme hat.

Ein witziges, ungleiches Duo, das besonders im Hörbuch durch die großartige Sprecherleistung von Markus Völlenklee an Wert gewinnt. 

All die verschiedenen Dialekte, den teilweise italienischen Einschlag, das Tirolerische und Südtirolerische, beherrscht er und durch den virtuosen Wechsel zwischen den verschiedenen Aussprachen gibt er den handelnden Personen noch mehr Bildhaftigkeit.

Nebenbei wird noch erklärt, wie es geschichtlich um den Raum Tirol, Südtirol und Italien bestellt ist. Ein kleiner Abriss über die verschiedenen Sprachen, Gebräuche und natürlich auch über die verschiedenen Speisen und Essgewohnheiten, die Spannung bleibt dabei aber nicht auf der Strecke. 

Der gedruckte Krimi von Lenz Koppenstätter mag einige Längen aufweisen, das Hörbuch jedoch nicht, durch die Sprecherleistung ist es eine kurzweilige Unterhaltung und Grauner und Saltapepe waren vielleicht nicht zum letzten Mal am Gletscher.

…denn, „einer muss wachbleiben und auf die Geister aufpassen, damit sie oben am Gletscher bleiben“.

Autor: Lenz Koppenstätter
Verlag: Argon
Auflage: August 2015
Sprecher: Markus Völlenklee
5 Audio CD mit 6 Std. 54 Min.
gekürzte Lesung
Preis: 19,95 €

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