Dienstag, 15. September 2015

TOTENTANZ IM STEPHANSDOM - Ein literarischer Spaziergang durch das alte Wien

Krimi-Tipp von Liane Liebenrath

Silvesternacht 1899. Die Halbpummerin, die Glocke des Wiener Stephansdom, läutet fünfzehn Minuten vor Mitternacht und gleich darauf fällt der Dombaumeister vom Nordturm auf das Katzenkopfpflaster vor dem Fiakerstandplatz beim Dom.

Es ist Schlag 1900 und Gustav von Karoly, Privatermittler in ständiger Geldnot, und sein Freund Polizei-Oberkommissär Rudi Kasper begrüssen das Neue Jahr auf ihre Weise, nämlich deprimiert. 

Der eine hat Liebeskummer, der andere allgemeinen Weltschmerz. Da trifft es sich gut, dass sie gemeinsam zum toten Dombaumeister Rauensteiner eilen können und die ersten Theorien sind bald aufgestellt in der Menge der Zuschauer. Entweder es waren die Freimaurer, denen Rauensteiner angehört haben soll, oder der Teufel persönlich.

Karoly, selbst ein Freimaurer, lässt bei den Ermittlungen seine Beziehungen spielen, landet in einem Heim für gefallene Mädchen das sich auch als Ausgangsstelle für Prostitution herausstellt. Ein Mädchen findet man tot im Donaukanal und wieder führen die Ermittlungen zum Stephansdom, hinunter in die Katakomben.

TOTENTANZ IM STEPHANSDOM ist ein hübsch gezeichnetes Bild vom alten Wien, trotz seiner Schattenseiten wie Prostitution, Freimaurer und Morde

Edith Kneifl geht mit dem Leser durch die Altstadt, erinnert an Plätze und Strassen, an die Lebensumstände und wie man Beziehungen zur damaligen Zeit anbahnen oder ausbauen konnte.

Karoly, ein Privatermittler, noch ungebunden, in ständiger Geldknappheit, der sich der falschen Zukünftigen entledigen muss, ist eine nette Abwechslung den Typ Ermittler in einem Krimi betreffend. Seine Aussichten auf einen echten Grafentitel durch die Anerkennung seines Vater lassen ihn überall an Wert gewinnen.

Es ist kein schauriger historischer Roman mit großen Spannungen, eher ein Spaziergang durch das alte Wien mit einer kriminellen Begleitmelodie und detaillierten Schilderungen der Wiener Altstadt und des Sittenbilds um 1900.

Teilweise rückt die Geschichte in den Hintergrund und ein Reiseführer taucht auf, was einem angenehmen Lesegenuss allerdings nicht im Weg steht. Es plätschert dahin und wer mag, kann ja die eine oder andere Seite in einem der Wiener Kaffeehäuser lesen, die so zahlreich erwähnt werden.

TOTENTANZ IM STEPHANSDOM
Autorin: Edith Kneifl
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 264
Verlag: Haymon
Preis: 12,95 €
eBook-Version: z.Zt. 1,99 €

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