Mittwoch, 30. September 2015

MYTHOS TATORT Kult-Kommissare von Schimanski bis Thiel - Dokumentation im WDR

Hauptkommissare Thanner (Eberhard Feik, Mitte, hinten)
Horst Schimanski (Götz George, Mitte)
© WDR/Bavaria/Thomas R. Schumann
TV-Tipp / TV-Kritik von Liane Liebenrath

Am Freitag (02.10.15) zeigt der WDR um 20:15 Uhr die Sendung "MYTHOS TATORT - Kult-Kommissare von Schimanki bis Thiel".

„Wenn einem nichts mehr einfällt, dann noch eine Leiche“ (Drehbuchautor TATORT Münster)

950 Folgen zählt die TATORT-Reihe bis jetzt, Ende ist noch keines abzusehen. Jede fünfte Folge spielte in Nordrhein-Westfalen, im Schnitt treibt es jeden Tatortsonntag 10 Millionen Zuschauer vor den Fernseher. Was macht das Format TATORT so populär? Und wie konnte es sich so lange in der wild bewegten Medienlandschaft halten?

Die Antworten geben Kommissare, Drehbuchautoren und Regisseure selbst in dieser mit vielen Interviews angelegten Dokumentation. Dazu witzige Ausschnitte von Szenen, die perfekt zu den angeschnittenen Themen passen, Erinnerungen an frühere TATORTE oder legendäre Szenen und Auftritte.

Horst Schimanski (Götz George) fiel seinerzeit völlig aus dem Rahmen. Die schmutzigsten Ecken von Duisberg regten die Stadtverwaltung auf, heute ist der Duisburger TATORT beinahe schon ein Zeitdokument über die Stadt. Statt des steifen Kommissars Haferkamp, der immer korrekt und leicht verkrampft auftrat, kam plötzlich Schimmi, der mit vollem Körpereinsatz, mal mit und mal ohne Bekleidung, den Tatort (und die Zuschauergemeinde) regelrecht aufmischte. Samt der legendären Schimmi-Jacke, die lange Zeit Kultobjekt war, gab er den Robin Hood mit Dienstmarke.

Hauptkommissar Faber ist ein Problemkind der neueren TATORTE der Reihe. Sein Auftrag ist es, so viele wie möglich vor den Kopf zu stossen. Wobei die Drehbuchschreiber auch hier wieder aus dem Nähkästchen plaudern: ein Konflikt unter den Kollegen ist für ein Drehbuch gut, Harmonie eher langweilig.

Von den diversen Flirts der meist geschiedenen TATORT-Kommissare bis zum ungesunden Junk Food, das sich durch so gut wie alle Bundesländerfolgen zieht, zeigt sich: ohne Frau wird das Essen zum Überlebenstraining.

Spannend zu sehen, ist auch, wie sich einige Kommissare von Nebenrollen in einem TATORT selbst zum Hauptdarsteller wandeln durften.

Bestes Beispiel ist Dietmar Bär, drittes Semester Schauspielschule, der in einem Schimanski-TATORT dabei war mit einer (lange erinnerbaren) Szene, und der später von Max Ballauf (der sich seinen Assistenten selbst aussuchen durfte) in den Kölner TATORT geholt wurde.

Den größten Teil der Doku, wie könnte es anders sein, nimmt der Quotenerste ein. Der Münsteraner TATORT beherrscht am Sonntag Facebook, Twitter und Co.

Es gibt inzwischen sogar Public Viewing in Lokalen sowie Twitter-Statements als Video-Untertitel (ARD 777). Der TATORT geht immer mit der Zeit und das nicht nur was das Equipment seiner Teams betrifft.

Schön wäre allerdings gewesen, wenn man sich nicht nur auf männliche Kommissare in dieser Doku konzentriert hätte, sondern auch z.B. mal Inga Lürsen, Klara Blum oder Lena Odenthal hätte zu Wort kommen lassen.

Die Dokumentation "Mythos TATORT" ist der Auftakt zu einer TATORT-Reihe, die das WDR Fernsehen ab 8. Oktober sendet. Alle Fälle des Ermittlerquartetts aus Dortmund werden dann noch einmal gezeigt.

Sendetermine:
Donnerstag, 08.10. um 20.15 Uhr: Alter Ego
Freitag, 09.10. um 20.15 Uhr: Mein Revier
Montag, 12.10. um 20.15 Uhr: Eine andere Welt
Dienstag, 13.10. um 20.15 Uhr: Auf ewig Dein
Donnerstag, 15.10. um 20.15 Uhr: Hydra
Samstag, 17.10. um 20.15 Uhr: Schwerelos

Ein Film von Lothar Schröder

Redaktion: Adrian Lehnigk und Lena Brochhagen

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