Dienstag, 22. September 2015

DER SPION, DER JAZZ SPIELTE - Hautnah kleine und große Momente der Zeitgeschichte im Prager Frühling

Krimi-Tipp von Jörg Völker

Der amerikanische Jazz-Schlagzeuger Gene Williams erhält eine Einladung zum Prague Jazz Festival 1968. Er soll dort eine einheimische Band verstärken. Das könnte für ihn ein Durchbruch in seiner Karriere werden. Er reist über London ein, wo er auch kurz musikalisch auftritt.

Das Prager Festival findet in einer Zeit statt, in der sich die Tschechoslowakei in einem Prozess befindet, der als „Prager Frühling“ in die Geschichte eingegangen ist. Alexander Dubček und seine Mitstreiter versuchen, einen Kommunismus mit „menschlichem Antlitz“ zu schaffen. 

Sie agieren dabei gegen massive Widerstände, in der eigenen Partei, aber vor allem aber in der Sowjetunion und bei deren Verbündeten. Die „Bruderparteien“ verfolgen den Prozess in der Tschechoslowakei mit großem Mißtrauen.

Sowjetische und verbündete Streitkräfte werden zu großen Manövern außerhalb der Tschechoslowakei zusammengezogen. In kurzen Abständen werden Konferenzen der kommunistischen Parteien abgehalten, auf denen die tschechischen Vertreter zur Botmäßigkeit gegenüber der Moskauer Linie verpflichtet werden sollen, ohne den gewünschten Erfolg.

Die US-Botschaft in Prag führt diverse Agenten im Land, zu denen der Kontakt derzeit abgerissen ist, weil die Agenten vermuten, dass ein „Maulwurf“ in der Botschaft sitzt. 

Gene Williams wird daher von dem Prager CIA-Mann Allan Curtis massiv unter Druck gesetzt, als Verbindungsmann zu arbeiten, um so unauffällig wieder den Kontakt zu den Tschechen herstellen zu können. Gene lässt sich aus Angst um seine Schwester auf den Deal ein.

Sein Aufenthalt in Prag beginnt. Der Schlagzeuger erlebt aufregende musikalische Begegnungen und Auftritte, aber auch ungewohnte und lebensgefährliche Abenteuer als laienhafter Agent.

Der Autor Bill Moody, selbst ein versierter Jazzer, hat einen wunderbaren und sehr authentischen Roman geschrieben, der auch im Detail stimmig ist. Der Leser erlebt hier hautnah kleine und große Momente der Zeitgeschichte. Gleichzeitig wird er mit leichter Hand mit dem Denken und Fühlen von begeisterten Jazzmusikern bekanntgemacht.

Die Protagonisten, ob solche der Zeitgeschichte oder der sprichwörtliche Mann auf der Straße, sind eingebettet in das Panorama der Endzeit des „Prager Frühlings“, dessen Errungenschaften den Hardlinern im kommunistischen Lager ein Dorn im Auge waren. 

Ein sehr empfehlenswertes Buch!

DER SPION, DER JAZZ SPIELTE
Autor: Bill Moody
Format: broschiert
Seitenzahl: 288
Verlag: Polar Verlag
Übersetzung: Ulrike Becker
Preis: 14,90 €
eBook-Version: 9,99 €

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