Samstag, 8. August 2015

PUPPE - Erziehungscamp-Drama mit Krimi-Elementen in der ARD / TV-Tipp

Bild © BR/Hagen Keller
TV-Tipp / TV-Kritik von Liane Liebenrath

PUPPE (BR/ARTE), wird am Dienstag (11.08.15) um 22:45 Uhr im Rahmen der Reihe „FilmDebüt im Ersten" in der ARD zu sehen sein.

Die 14jährige Anna (Anke Retzlaff) hat eine wahre Leidensgeschichte hinter sich, bevor sie auf Geena (Corinna Harfouch), eine Therapeutin trifft, die sie in die Berge in eine Projektgruppe für gestrandete Jugendliche mitnimmt. Anna war obdachlos, zog mit ihrer drogensüchtigen Freundin herum und um ihr Drogen zu besorgen, ging Anna anschaffen. 

Sie wird dabei brutalst behandelt, kommt beinahe ums Leben, ihre Freundin wird umgebracht und Anna beschliesst sich selbst das Leben zu nehmen. In letzter Minute gerettet landet sie in der Jugendpsychiatrie, wo ihr dann Geena begegnet.

Geena leitet die Jugendgruppe mit Hilfe einer zweiten Aufsichtsperson, Julie (Anne Haug), die aber meist in Ratlosigkeit angesichts der problematischen Jugendlichen versinkt. Neben Julie leben noch die gewaltbereite, korpulente Magenta (Sara Fazilat) und die kleine Emma mit Julie und Geena in den Schweizer Bergen. Es soll versucht werden, die Mädchen einen normalen Tagesablauf zu gewöhnen, ihnen ein familienähnliches Gefühl zu geben, was durch die gewalttätige Magenta mehr als nur einmal scheitert.

Magenta weiss wer Anna ist, Anna hat jedoch keine Ahnung dass sie mit der Mörderin ihrer Freundin unter einem Dach lebt. Zwischen Haushalt und Arbeit bei den Schafen bei Geenas Mann, der in der Nähe seine Schafzucht betreibt, versucht Magenta sich mit Anna anzufreunden. 

Nicht ohne Hintergedanken, sie will Anna dominieren und sie zur Flucht vom Hof aufwiegeln, was ihr auch gelingt. Der Weg über die Berge nach Italien wäre der Weg in die Freiheit, für Anna beinahe durch ein starkes Gewitter schon wieder den Tod bedeutend. Doch Geena rettet sie aus dem Unwetter und bringt sie wieder zurück ins Haus.

Magentas Ausbrüche bleiben nicht ohne Folgen, sie soll wieder zurück nach Deutschland geschickt werden worauf Magenta mit neuerlicher Gewalt reagiert. Während Geena mit Emma ins Krankenhaus fährt realisiert Anna durch Flashbacks wer Magenta eigentlich wirklich ist und verfolgt sie in die Berge...

Corinna Harfouch lebt die Rolle der Therapeutin in den Bergen. Sie gibt dabei eine leidenschaftliche Darstellung und ein Plädoyer, dass man nicht aufgeben sollte wenn Kinder an der Klippe stehen. Aber auch ein eindeutiges Statement, dass nicht alle resozialisiert werden können, auch wenn der Wille der Therapeuten oder des Umfelds noch so groß ist.

Täter oder Opfer, das scheint entscheidend zu sein. Es wäre zu einfach, es jetzt als „einmal Täter – immer Täter“ auszulegen, obwohl der Film genau in diese Richtung zeigt. Emma ist ein Opfer, zuerst ihrer Familie, dann ein Mobbingziel am Hof in den Bergen und später auch noch ein Opfer von Magentas Aggressionen.

Anna, ebenfalls ein Opfer,wenn auch mehr ihrer Umstände die sie immer tiefer und tiefer in den Bereich der Kinderprostitution gezogen hatten. Eine verwahrloste Kinderseele auf der Strasse, die versucht sich etwas wie eine neue Familie zu basteln. Ihre Abgestumpftheit, sehr gut dargestellt von Anne Haug, lässt in den Bergen langsam nach und der Wunsch nach einer Art Familienleben nimmt wieder zu.

Magenta allerdings ist Täterin, manipulativ, aggressiv, schonungslos. Die Rückblenden sind heftig, die Gewaltszenen entsprechend. Die Auswahl der Schauspieler ist dabei zu eindeutig, zu klischeehaft. Man würde vielleicht auch erwarten, dass es nicht so ganz direkt nur in eine Richtung geht, denn es gibt leider keine Wendungen, keine Überraschungen.

Film-Fazit: Täter bleibt Täter, Opfer bleibt Opfer und die Therapeutinnen versuchen verzweifelt ihr Bestes. 

PUPPE ist auch als DVD für 18,98 € erhältlich.

FSK: ab 12 Jahren
Studio: W-film / Lighthouse Home Entertainment
Produktionsjahr: 2011
Spieldauer: 89 Minuten

Personen:
Anna -  Anke Retzlaff
Magenta - Sara Fazilat
Geena - Corinna Harfouch
Francis - Christoph Gaugler
Leila - Jella Haase
Julie - Anne Haug
Zina - Charlotte Thompson
Emma - Stella Holzapfel
Wanderhirte Leon Michael Neuenschwander
Igor - Meric Zengel
Hassan - Dominik Buch
und andere

Musik: Gert Wilden jr.
Kamera: Stephan Vorbrugg
Buch: Marie Amsler
Regie: Sebastian Kutzli
bei einer von Beiden reicht allerdings das Beste für diese gestrandeten Kinder nicht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.