Freitag, 5. Juni 2015

SCORE - Das Leben aufs Spiel setzen... (Dystopie)

Krimi-Rezension: Nicole Glücklich
Redaktionsmitglied Bakerstreet Chronicle

Martin Burckhardt beschreibt in seinem Roman SCORE die Dystopie einer nicht allzu weit entfernten Zeit:

Berlin im Jahr 2039: Die Spielefirma Nollet hat den Staat abgelöst und organisiert eine fast ideale Gesellschaft. Der so genannte Score hat die Währungen abgelöst, Roboter organisieren den Alltag. 

Dort führt Damien Christie ein glückliches Leben. Er hat einen hohen Score, weil er in der „Social Design Planning Group“ von Nollet arbeitet. Bis sich ein Kollege das Leben nimmt. 

Diese Ungeheuerlichkeit setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die Damian auf die Spur einer gigantischen Verschwörung bringen. Und er muss erkennen, dass viel mehr als nur sein Leben auf dem Spiel steht.

SCORE ist nur eines von aktuell vielen Büchern, die nach dem berühmten Vorbild „1984“ eine düstere Vision unserer digitalen Zukunft malen. 

Dass binnen kurzer Zeit einige ähnlich gelagerte Bücher erscheinen, spiegelt wohl klar die Angst der Menschen vor einem Kontrollverlust der eigenen Identität in unserer immer digitalisierter werdenden Zeit wider. 

Im Gegensatz zu „Der Circle“, das ebenfalls bereits hier besprochen wurde, spielt Burckhardts Buch jedoch in einer ferneren Zukunft, in der die Erde in die Welt des „Homo digitalis“ (der Bereich, welcher von Nollet kontrolliert wird) und die „Zone“ unterteilt ist. 

Was als spannendes Gedankenexperiment beginnt, wird im Verlauf des Buches leider von einer gewissen Langeweile abgelöst. 

Der Hauptcharakter Damian wird durch die Geschichte getragen und geschubst, ohne eine Entwicklung zu durchleben und hat – was einer gewissen unfreiwilligen Komik nicht entbehrt – mehrfach Sex, ohne dass er es eigentlich möchte oder dass es irgendetwas zur Story beiträgt. 

Ebenso ist leider schon nach den ersten Kapiteln klar, wer am Ende zu den „Bösen“ gehören wird. Die Charaktere sind sehr flach und als Leser mit ihnen mitzufiebern fällt schwer, eher fragt man sich, wie Damian, nach allem, was er in der Geschichte erfährt und durchlebt, noch immer so naiv sein kann. 

Martin Burckhard ist ein deutscher Autor und Kulturtheoretiker. Nach seinem Studium der Germanistik und Theaterwissenschaften arbeitete er zunächst im Bereich Hörfunk und Klangkunst. 

Seine Veröffentlichungen beschäftigten sich überwiegend mit philosophischen Fragen zur Digitalisierung unserer Kultur. Ebenso betreute er Ausstellungen und Dokumentationen in diesem Bereich und erarbeitete mit seiner eigenen Firma ein transmediales Browser-Game. 2015 erschien nun sein Roman SCORE.

Wer sich für das Gedankenspiel einer digitalen Welt interessiert, in der alles ein Spiel und mit virtuellen Spielpunkten bezahlbar ist, sei das Buch ans Herz gelegt, auch wenn es im Gegensatz zu den Klassikern „1984“ und „Brave New World“ gerade zu brav daherkommt.

Autor: Martin Burckhardt
Format: broschiert
Seitenzahl: 352 
Verlag: Knaus 
Preis: 14,99 €
eBook-Version: 11,99 €

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