Mittwoch, 24. Juni 2015

KURZ-KRIMIS - Drei Krimi-Metropolen: Berlin / Paris / New York

Berlin Untergrund, broschiert
9,99 € / 272 Seiten
Atlantik Verlag
Krimi-Kurz-Trip von Jörg Völker

2013 wurden Philipp Werner, Sarah Huotermans und Cornelia Künne Lektoren beim Verlag Hoffmann & Campe, zu dem auch der Atlantik Verlag gehört. Letzten Monat veröffentlichten sie zeitgleich jeweils einen Band mit Kriminalgeschichten bekannter und weniger bekannter Autoren bei Atlantik.

Drei unterschiedliche „Tatorte“ sind ihre Schauplätze, und zwar Berlin, Paris und New York. Drei Städte, die eine gewisse Größe, ein besonderes Flair sowie eine große Anziehungskraft, nicht nur für ihre nächste Umgebung, gemeinsam haben, aber sich ansonsten stark voneinander unterscheiden.

Berlin (Hrsg. Werner) ist die größte Stadt der Bundesrepublik, Regierungssitz und eine der führenden Kulturstätten Deutschlands. Paris, die größte Stadt Frankreichs, dessen Verwaltung auf diesen Ort als Zentrale hin strikt ausgerichtet ist, dessen Lebensstil und Kultur der Maßstab für das übrige Land sind. New York hingegen ist ein „Staat“ im Bundesstaat, eine ganze bunte Welt für sich, ein „Trendsetter“ für alternative Lebensformen und die kulturelle Avantgarde großer Teile der Welt.

Die Herausgeber haben brillante Erzähler  ausgesucht, bekannte und bewährte, aber auch weniger bekannte (E.T.A Hoffmann, Philip Kerr, Uta-Maria Heim, Volker Kutscher u.a.). Diese machen den geneigten Leser mit vielen Facetten des Lebens in den drei Metropolen vertraut, auch und oft nebenbei mit den dunklen und kriminellen Momenten darin.

Beginnen möchte ich mit Berlin, mit „Berliner Untergrund.In Jakob ArjounisDeger- oder Dregerlein“ versucht ein redegewandter und trickreicher Mann einen Berlin-Besucher nach allen Regeln der Kunst auszunehmen. Reizvolle Dialoge und eine nahezu logische Entwicklung der Handlung lassen viel über das Leben in Berlin erkennen, abseits der touristischen Highlights. 

Auch die anderen Erzählungen dieses Bandes stehen dieser Story nicht nach.

Paris Noir, broschiert
9,99 € / 288 Seiten
Atlantik Verlag
Weiter geht es nach Paris, mit „Paris Noir“ (Hrsg. Huotermans). Hier sind die Autoren um Einiges bekannter, ihre Ermitller erfahrene, alte Profis.

Zum Beispiel in Ulrich Wickerts Erzählung „Croissant in Aux Folies“: Der bekannte Journalist lebte lange Jahre in Paris. Nach dem Ende seiner TV-Karriere hat er mehrere Kriminalromane veröffentlicht.

In der kleinen Erzählung frühstückt Monsieur le Juge wie jeden Morgen in seinem Stammcafe. Aus dem Gespräch mit seiner Umgebung erfährt man nebenbei viele Details über Leben, Beruf und Politik. 

Später in seiner Dienststelle will ihm seine Vorgesetzte eine unangenehme Aufgabe übertragen. Da kommt ihm sehr gelegen, dass ein 4-fach Mord gemeldet wird, der sein sofortiges Eingreifen nötig macht, zu seiner großen Erleichterung, weil er zunächst im Büro verweilen darf.

Andere pfiffige Erzählungen mit erfahrenen Ermittlern von Autoren wie  Edgar Allan Poe, Maurice Leblanc, Fred Vargas, Léo Malet u.a.  runden das Pariser Tableau ab.

New York Crime, broschiert
9,99 € / 304 Seiten
Atlantik Verlag
Last, but not least New York (Hrsg. Künne), der „Schmelztiegel der Welt“, dem wohl interessantesten der drei Tatorte. Und „New York Crime" wartet auch mit schönen, spannenden und unterhaltsamen Stories  von Edith Wharton, O. Henry, Donald E. Westlake, Jeffrey Deaver, Henry Slesar u.a. auf. 

Gleich auf die erste Geschichte, Cornell WoolrichsDie Leiche in der Freiheitsstatue“, ist meine Wahl gefallen, sie näher vorzustellen.

Ein verheirateter Polizist erhält von seiner Frau eine geharnischte Standpauke, er sei in Routine erstarrt, er würde so keinen beruflichen Aufstieg erwarten können, er habe obendrein keine kulturellen Interessen, kein Interesse an Bildung! 

Sie empfiehlt ihm fürs Erste einen Besuch im Museum, zum Beispiel das Betrachten von Statuen. Die Diskussion rüttelt den Mann auf. Er überlegt aber, nicht in einem Museum kleine Statuen anzusehen. Er will gleich etwas Größeres tun, seine Wahl ist auf öffentliche Denkmäler gefallen. Am Besten wäre der Besuch der Freiheitsstatue! Er macht sich auch auf den Weg. Der Leser erfährt im Laufe der Handlung, dass seine Entscheidung goldrichtig war.

Ebenso informativ und vielschichtig sind auch die weiteren kleinen Geschichten.

Persönliche Meinung zu allen drei Büchern: 4**** (von 5 möglichen)

Fazit: Für mich ein geglückter Versuch, sich einer Großstadt anzunähern, in dem man dort spielende Kriminalgeschichten mehrerer guter Autoren zusammenstellt, denn viele Augen sehen mehr!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.