Mittwoch, 13. Mai 2015

LÜGENMÄDCHEN - Intensiver Psychothriller, fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite

Krimi-Rezension von Roswitha Meidl

Dr. Stella Davies, seit zwei Jahren studierte Psychologin, soll ein Gerichtsgutachten über einen praktischen Arzt anfertigen, Dr. Simpson. Die Grove Road Klinik, in der Stella arbeitet, gehört Max Fisher, einem Psychiater. Die Klinik erzielt nicht den erhofften Gewinn, so dass die Gerichtsaufträge ein wichtiges Standbein für den Fortbestand der Einrichtung darstellen.

Während Dr. Max Fisher sich um Tochter und Ehefrau von Simpson und deren psychiatrische Beurteilung in Simpsons Sorgerechtsstreit kümmert hat Stella die Aufgabe, ein Hintergrundprofil über Dr. Simpson anzufertigen. Widerborstig, stur und verschlossen wie eine Auster lässt Simpson Stella nicht an sein Innerstes heran. Er hat einen Plan, den umzusetzen bedeutet den schlimmsten Albtraum jeder Frau.

Zwei Jahre später lebt Stella in einer abgeschiedenen Gegend, es ist Winter, und sie wartet auf ihren Ehemann. Sie hat Max Fisher, ihren ehemaligen Chef geheiratet. Stella selbst hat ärgste psychische Probleme durch ein Trauma, kann ohne Benzodiazepam nicht existieren und hangelt sich von Tag zu Tag. Zurückgezogen in dem Haus, das für die einen ein architektonisches Meisterwerk, für andere wiederum ein Bunker ist, lebt sie nur, um darüber nachzudenken, wie die nächsten Stunden vergehen werden.

Eines Abends, während sie wie immer allein zu Hause ist, läutet es an der Türe. Ein blaugefrorenes Mädchen verlangt Einlass, Stella will die Türe nicht öffnen, lässt sie halb erfrieren, um dann doch dem Mädchen mit Namen Blue Einlass zu gewähren. Da sitzt sie nun mit ihr und lässt sich eine Lügengeschichte nach der anderen auftischen. Dr. Davies schwankt zwischen dem Einfluss ihrer Medikamente, Angstzuständen, der Geborgenheit ihres Hauses und der Gefahr die sie spürt, die von dem unbekannten Mädchen ausgeht.

Schließlich wendet sich Stella telefonisch an Peter, einen Polizisten, der zu ihr fährt durch Schnee und Glatteis. Was dann kommt ist ein Strudel an Wahrheiten zwischen all den Lügen, der Stella mitzureissen droht. 

Es fliessen Blut und Tränen, Stellas Mann erscheint auf der Bildfläche und Stella wird sich langsam aber sicher wieder ihres Berufs und ihrer Selbst bewusst. Sie handelt, entgegen aller ihrer Ängste.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Fesselnd, von der ersten bis zur letzten Seite. Der Psychothriller erschien im Originaltitel als „Don´t Stand So Close“ und das trifft es wesentlich besser als der deutsche Titel LÜGENMÄDCHEN. Wer soll wem nicht zu nahe kommen? Die Auswahl scheint bei der Lektüre unendlich.

Die Autorin Luana Lewis ist klinische Psychologin und Autorin von Sachbüchern. Wenn sie Freud und Jung in den Text einfließen lässt, dann weil sie weiß, wovon sie schreibt. Sie lebt nicht von Recherche sondern übermittelt reales Gefühl von psychischen Grenzsituationen in diesem Buch.

Wer ist gut und wer böse, wer ist eine Gefahr und wer Helfer, kann man sich selbst befreien oder soll und muss man Hilfe annehmen? Wie weit geht der Mensch, um andere zu manipulieren oder sie zu zerstören? Luana Lewis hat eine feine Feder bei der Beschreibung von Stimmungen, man glaubt ihr jede Zeile.

Der Buchaufbau ist in zwei Zeitebenen gegliedert, die im Buch leicht erkennbar sind durch den Kapitelaufbau: Vergangenheit, also zwei Jahre zuvor, und Gegenwart. Immer wieder stellt man sich die Frage, wie kann im Laufe des Buches das Eine in das Andere übergehen?

Jeder Teil des Buches bringt einem dem kraftvollen Ende entgegen, ob es ein Happy End ist, mag jeder für sich entscheiden.

Man darf auf weitere Psycho-Thriller von Luana Lewis gespannt sein.

LÜGENMÄDCHEN
Autorin: Luana Lewis
Format: broschiert
Seitenzahl: 320
Verlag: Goldmann
Übersetzung: Elke Link
Preis: 14,99 €
eBook-Version: 11,99 €

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.