Dienstag, 7. April 2015

AN DE GRENZ / ABGEFAHRE / AN DE GRENZ - Drei Hörspiel-Monologe einer Geschichte

Quelle Foto (bearbeitet): Wikimedia
Autor: Christian Alexander Tietgen*
SWR wagt das Experiment, gemeinsam mit dem Schweizer Radio und Fernsehen sowie Radio Bremen ein und denselben Text von Hugo Rendler in drei Regionalsprachen zu übertragen und als jeweils eigenständiges Hörspiel mit eigener Dramaturgie zu senden.

Zu hören ist A DE GRENZ (Alemannisch) am 10.04.15 um 22:03 Uhr als Ursendung SWR2 Krimi bzw. am Samstag 11.04.15 um 21:03 Uhr auf SWR4. Sprecher: Volkmar Staub,  Musik: Martin Bezzola - Regie: Reto Ott

ABGEFAHRE (Zürichdeutsch) wird am 10.04.15 um 20:03 Uhr im Schweizer Radio auf SFR1 zu hören sein. Sprecher: Martin Hug, Musik: Martin Bezzola, Dramaturgie und Regie: Reto Ott

AN DE GRENZ (Niederdeutsch) am 10.04.15 um 17:05 Uhr bei Radio BremenMusik: Serge Weber, Regie: Hans Helge Ott. Sprecher aller Rollen: Frank Jordan.

Im Anschluss an diese Sendungen sind die drei Hör-Stücke parallel online verfügbar.

Roswitha Meidl hat schon mal in die alemanische Fassung hinein hören können:
Ein Busfahrer mit einem beschaulichen Arbeitsleben und ruhiger Fahrroute, mit der alten Frau Schaller als Stammgast, erlebt jährlich als einzige, unangenehme Abwechslung das Winzerfest. Bei der nächtlichen Fahrt weist er diesmal einen Jugendlichen zurecht, der im Bus raucht und wird von diesem körperlich bedroht. 

Der Busfahrer lässt den randalierenden Marvin von der Polizei festnehmen, besteht auf der Anzeige, wird von seinen Vorgesetzten und Marvins Mutter bedrängt, die Anzeige zurückzunehmen. Aber wer 97% der Punktezahl im Berufsleben als Buschauffeur erreicht verlangt auch von seiner Umwelt ein korrektes Benehmen.

Der Tagesablauf des Busfahrers gerät immer mehr ins Schleudern, Dienstfreistellung für die Gerichtsverhandlung, der Gewerkschafter und sein Chef mischen sich ein, er muss eine andere Tour übernehmen wo wieder ein Problem wartet, eine Jugendliche mit Namen Angelina ist der nächste Störfaktor. Dazu kommen Albträume und Herzbeschwerden, er fantasiert im Traum immer heftiger von Gegenwehr an seinen ungeliebten Fahrgästen bis hin zum Einsatz eines Schnellfeuergewehrs, wacht danach aber immer mit Herzbeschwerden auf.

Der szenische Ablauf beschleunigt sich immer mehr, nach Arztbesuchen, Aufregungen mit dem Chef, Geliebter, Abmahnung, gleichzeitig Traum von Belobigungen, dem Verweigern des Zusteigens von Fahrgästen weil Busfahren doch eigentlich nur Spaß machen würde, wenn man die Route alleine fährt, kommt es schließlich zum Showdown.

Er tauscht vermeintlich eine Route mit einem Kollegen, um einen Zwangsurlaub nehmen zu müssen, kommt nach drei Tagen zurück und es riecht in seinem immer extrem gepflegten Bus sehr schlecht.

Er findet die tote Frau Schaller auf einer der Sitzbänke, verstorben an Herzrhythmusstörungen, übernimmt dafür die Schuld dass er ihr hätte helfen können, wenn man sie rechtzeitig gefunden hätte, sieht aber gleichzeitig viele schwarz gekleidete Menschen, seinen Chef, der eine Trauerrede an ihn hält und weiss, er ist selbst tot . Oder er wird gleich wieder  aufwachen.

Langsam hört man sich ins Alemannische ein, es ist relativ schwierig der Handlung, so es denn eine gibt, zu folgen.

Ein Busfahrer mit psychischen Beschwerden, mit Herzrhythmusstörungen, ein Überperfektionist der dem normalen Alltag in dem Beruf nicht mehr gewachsen ist. Es ist ein Kommen und Gehen von Realität und Traum, von Wunschvorstellungen und Maßregelungen.

Man verfolgt den eigentlich langweiligen Alltag eines Busfahrers, der meint ein posttraumatisches Belastungssyndrom zu haben, bis zu seinem Herztod.

Ein interessantes, experimentelles Mundart-Hörspielprojekt, aber vielleicht weniger geeignet für Liebhaber von Spannungsliteratur, denn auch Langeweile und Eintönigkeit können Stress erzeugen, zumindest streckenweise beim Zuhörer.

*unter Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

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