Montag, 9. März 2015

IM FEUER - Ein inszenierter Supergau für die westlich orientierte Kunstgeschichte

Krimi-Rezension von Tanja Werner

Frankfurt/Main Airport, VIP-Lounge: Niemand sieht, wie Roger Cappell zu seiner Unterhaltung einen Alukoffer vertauscht. Eigentümer des anderen Koffers ist ein chinesischer Gangsta-Rapper, der die Lounge daraufhin in ein Schlachtfeld verwandelt. Cappell flieht mit dem Kofferinhalt, ein mit 666 schwarzen Diamanten besetztes Objekt – und deckt eine unglaubliche Verschwörung auf. 

Mona Lisa. Michelangelos David. Werke von Dürer, Picasso, Monet. Die berühmtesten Kunstschätze der westlichen Welt wurden gegen perfekte Fälschungen ausgetauscht. Alles im Auftrag eines Milliardärs aus Fernost. 

Aber nicht das Interesse an der abendländischen Kultur treibt ihn an, sondern sein flammender Hass! Hass auf den Westen und die dekadente Kultur, deren Vernichtung er plant ... Verlagsinfo

Wenn zwei (Autoren) das gleiche tun, endet das nicht unbedingt in einem gelungenen und homogenen Werk oder in perfektem Teamwork. Was sehr schade ist. Denn das ausgeklügelte Thema dieses Krimis hätte wirklich mehr Stringenz und bisweilen auch Konzentration verdient.  

Im Tenor zeichnet das Autorenteam Eva Lirot und Hughes Schlueter den Supergau der westlich orientierten Kunstgeschichte. Chinesische Werte treffen auf europäische, altehrwürdige Kunstgeschichte, also explodieren kulturelle Welten aneinander.

Und ebenso ist es bei den Charakteren, die es hier und da an Tiefe und vielleicht auch Recherche missen lassen. Ein ganzer Strang der Geschichte ist eine an Kain und Abel angelehnte Erzählung, deren Sinn dem Leser erst auf den allerletzten Seiten klar wird. Sprachlich und auch psychologisch ist hier tatsächlich sauber, spannend und nachhaltig gearbeitet worden.

Nur steht die Tiefe und auch Schonungslosigkeit dieses Erzähl-Strangs in keinem Verhältnis zum Rest der Geschichte, die monoton, ja beinahe platt in die Moderne gezwungen wird. Wobei halbherzige Stereotype und Klischees bedient werden, die so sicherlich haltlos sind, dem Krimi die Spannung nehmen und ihn dann leider allzu oft vorhersehbar machen. 

IM FEUER hat durchaus großartige Passagen, aber gerade sprachlich empfand ich ganze Abschnitte literarisch schlecht abgestimmt, mit der Neigung den Leser eher zu ermüden, als zu unterhalten. 

Die Autoren kreieren eine zerklüftete Story mit einer Vielzahl Mitwirkender und deutlich zu vielen Handlungssträngen. 

Auch wenn sich gegen Ende noch einmal ein Lichtblick an Spannung den Weg zum Leser bahnt, handelt es sich für mich insgesamt um recht ambivalente Unterhaltung, die aufgrund ihrer Ausprägung nicht immer zum Weiterlesen anregt und bisweilen ermüded. Nicht zuletzt, weil ein großer Teil der Aufklärung durch einfache wörtliche Rede und damit doch ein wenig schlicht daher kommt.

IM FEUER
Autoren: Eva Lirot & Hughes Schlueter
Format: broschiert
Seitenzahl: 356
Verlag: fhl
Preis: 12,00 €
eBook-Version: 7,99 €

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