Mittwoch, 11. März 2015

DER CIRCLE - Die unsoziale Macht Sozialer Netzwerke

Krimi-Rezension von Nicole Glücklich
Redaktionsmitglied Bakerstreet Chronicle

Eine Zukunftsvision, die leider vielleicht viel näher liegt, als es uns lieb ist, präsentiert uns der amerikanische Autor Dave Eggers in seinem neuesten Roman DER CIRCLE:

Mae, eine junge Frau aus einer amerikanischen Kleinstadt, bekommt durch ihre Freundin Annie die Chance, im angesagtesten Unternehmen Amerikas zu arbeiten: dem sozialen Netzwerk Der Circle. 

Schnell wird klar, dass sie zwar hervorragende Leistungen vom Unternehmen erhält – zum Beispiel bekommt ihr an MS erkrankter Vater nun die beste medizinische Behandlung, gleichzeitig wird jedoch von ihr verlangt, dass sie jeglichen Kontakt außerhalb „des Campus“ abbricht. Sie arbeitet Tag und Nach daran, im internen Ranking nach oben zu steigen, bis sie es fast ganz an die Spitze des Unternehmens geschafft hat. 

Jede Information soll gesammelt, gespeichert und verknüpft werden und niemals darf eine Information gelöscht werden, um den „Circle“ zu schließen und das Unternehmen zu vollenden. 

Immer mehr Menschen, vor allem Politiker, werden gläsern und jeder auf der Welt kann alles sehen und hören, was der sie erleben. Der öffentliche Druck wächst enorm. 

Schließlich trägt Mae dazu bei, auch das letzte bisschen Privatsphäre verschwinden zu lassen, indem sie vorschlägt, dass jeder Bürger Mitglied beim Circle werden muss, um wählen oder etwas online bezahlen zu können. 

Bis es die ersten Menschenleben kostet. Doch der Circle ist nicht mehr aufzuhalten...

Man braucht nicht allzu viel Fantasie, um sich vorzustellen, welche real existierenden sozialen Netzwerke die Grundlage für Eggers Zukunftsutopie bilden. Google nennt sein riesiges Firmengelände, das mit allem ausgestattet ist, was man zum Leben benötigt und das theoretisch niemals von den Mitarbeitern verlassen werden muss, ebenfalls „Campus“. 

Und das Prinzip von „Smiles“ und „Frowns“ könnte man wohl ebenso gut als „Likes“ und „Dislikes“ bezeichnen. 

Persönliche Meinung: 
4**** (von 5 möglichen)

Längst befinden wir uns in einer Welt, in der das Internet schnell und einfach eine Antwort auf alles liefert und in der Menschen mit genügend Followers, Fans oder was auch immer eine größere Macht haben als Leute mit einer guten Ausbildung. 

Auf erschreckende Weise zeigt Dave Eggers, wie sehr „soziale“ Netzwerke längst schon unser Leben bestimmen. Wie sehr uns ein abwertender Kommentar von einem Fremden trifft, den wir vielleicht noch niemals persönlich getroffen haben. Und es wirft die Frage auf, wie viel Macht ein einzelnes Unternehmen haben darf, das Zugang zu so vielen sensiblen und persönlichen Daten hat.

Der Autor Dave Eggers stammt ursprünglich aus Chicago, lebt heute mit seiner Familie jedoch in Nordkalifornien. Für seine Bücher hat Eggers schon viele Auszeichnungen erhalten, auch „Der Circle“ schnellte in Deutschland schon kurz nach Erscheinen in die Bestsellerlisten. 

Eggers hat in San Francisco seinen eigenen Verlag gegründet, McSweeney's, in dem die Originalausgabe erschien. Zudem rief er mit seiner Frau zusammen ein gemeinnütziges Schreib- und Förderzentrum für Jugendliche ins Leben.

Auch wenn das Buch ein paar Längen und den einen oder anderen logischen Fehler aufweist, hat es das Zeug dazu, ein moderner Klassiker zu werden. Es ist nur die logische Fortschreibung von Klassikern wie 1984 (George Orwell) oder Brave New World (Aldous Huxley)

Und sicher geht es nicht nur mir so, dass nach der Lektüre der Wunsch aufkommt, sofort alle Konten in sozialen Netzwerken ins digitale Nirwana zu befördern. Wie wir jedoch wissen, gibt es keinen Delete-Button, denn das Internet vergisst nie...

Autor: Dave Eggers
Format: gebunden
Seitenzahl: 560
Verlag: Kiebenheuer & Witsch
Übersetzung: Ulrike Wasel und Timmermann
Preis: 22,99 €
eBook-Version: 19,99   €

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